Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bar Kochba; Barker; Barkerole; Barkhane; Barkhausen; Barking; Barkly; Barkly-East; Barkschiff,; Barkschoner; Barlaam; Barlaam und Josaphat

417

Barker (Thomas Jones) - Barlaam und Josaphat

teil ward, starb er 29. Juni 1846 zu London in gedrückten Verhältnissen.

Barker, Thomas Jones, engl. Maler, geb. 1815 zu Bath, erhielt seinen künstlerischen Unterricht bei seinem Vater, dem Genremaler Thomas B. (geb.1769 zu Pontypool, gest. 11. Dez. 1847 zu Bath), dann seit 1835 in Paris bei Horace Vernet. 1845 nach England zurückgekehrt, widmete er sich erst dem Porträtfach, ging aber dann zur Darstellung histor. Ereignisse über. Von seinen Gemälden sind hervorzuheben: Tod Ludwigs XIV., Begegnung Wellingtons und Blüchers bei Belle-Alliance, Napoleon I. nach der Schlacht bei Bassano, Wellingtons Übergang über die Pyrenäen, Wellingtons Einnahme von Pamplona (1853), die verbündeten Generale vor Sewastopol, Episode aus der Schlacht bei Balaklawa, Korso in Rom. Der Deutsch-Französische Krieg von 1870 und 1871, dem B. als Augenzeuge beiwohnte, lieferte dem Künstler Stoff zu folgenden Darstellungen: Angriff preuß. Kürassiere auf Chasseurs d'Afrique bei Vionville, Napoleon nach der Schlacht bei Sedan, Die barmherzige Schwester auf dem Schlachtfeld. B. starb 27. März 1882 in London.

Barkerole (ital. barcarola), kleines Fahrzeug ohne Mast.

Barkhane (pers., wörtlich « Laubhaus »), ein durch Ausbreitung einer Decke über Pfähle hergestelltes Reisezelt, dann Reisegerät überhaupt.

Barkhausen, Friedr. Wilh., Wirkl. Geheimrat und Präsident des Evangelischen Oberkirchenrats in Berlin, geb. 24. April 1831 in Misburg bei Hannover, studierte 1849-54 zuerst Mathematik und Naturwissenschaften, dann Rechts- und Staatswissenschaften in Göttingen und Heidelberg, trat 1854 in den hannov. Justizdienst und wurde 1865 Assessor bei der Klosterkammer und dem Konsistorinm in Hannover. Nach der preuß. Besitzergreifung wurde er 1869 zum Konsistorialrat und Dirigenten des Konsistoriums in Stade ernannt und 1873 als Geh. Regierungsrat und vortragender Rat in das Kultusministerium nach Berlin berufen, wo er 1876 Geh. Oberregierungsrat, 1881 Ministerialdirektor der geistlichen Abteilung und 1890 Unterstaatssekretär wurde. 1891 erfolgte seine Ernennung zum Wirkl. Geheimrat und Präsidenten des Evangelischen Oberkirchenrats. Er bearbeitete namentlich die kirchlichen Verfassungsangelegenheiten der neuerworbenen Provinzen und fungierte auch wiederholt als königl. Kommissar auf den Synoden derselben. 1883 ernannte ihn die Universität Marburg zum Dr. jur. honoris causa. Als Kurator des Klosters Loccum (seit 1878) organisierte er die Erziehungsanstalten in Hameln und Goslar sowie des Hospiz auf Langeoog. 1891 und 1894 war er königl. Kommissar auf der Generalsynode in Berlin.

Barking, Stadt in der engl. Grafschaft Essex, 11 km östlich von London, an dem in die Themse mündenden Roding, hat (1891) 14301 E., eine alte Kirche, die 670 als Benediktinerabtei gegründet, 870 von den Dänen zerstört, im 10. Jahrh. wieder ausgebaut wurde; Fischerei und Jutefabrikation. Etwa 3 km südlich befinden sich die großen Dampfpumpwerke, die den Unrat eines Teils von London in die Themse pumpen.

Barkly, Fluß, s. Albertfluß.

Barkly-East (spr. ihst), Bezirk im nordöstl. Teil der Kapkolonie, südlich vom Basutoland, im N. der Drakenberge, durchströmt von dem Kraaifluß, ist hochgelegen und im Winter sehr kalt, hat 4050 qkm und (1891) 8208 E., darunter 4090 Weiße. Die Hauptstadt Barkly liegt am Longkloof, einem südl. Zuflusse des Kraai und hat 876 E.

Bar Kochba, Simon, der Anführer der Juden in dem Aufstande gegen die Römer 132-135 n. Chr. Er nannte sich B. K. (d. i. Sohn des Gestirns), insofern die alte Weissagung (4 Mos. 24, 17) von dem aus Jakob aufgehenden Stern durch ihn erfüllt werden sollte. Anfangs kämpfte er mit großem Erfolg und zwang die Römer Jerusalem zu verlassen, so daß er zum König proklamiert wurde und selbst Münzen schlagen ließ. Als aber Hadrians Feldherr Julius Severus anrückte, ward Jerusalem genommen und im Aug. 135 die letzte Festung, Bether, wobei B. K. fiel. Hunderttausende von Juden waren in diesem Kriege umgekommen, viele, u. a. Akiba (s. d.), wurden hingerichtet, und grausame Gesetze folgten diesem letzten Versuche der Juden, polit. Unabhängigkeit zu erlangen.

Vgl. Münter, Der jüd. Krieg unter den Kaisern Trajan und Hadrian (Altona 1821); Schwarz, Der Bar-Kochbaische Aufstand (Brünn 1885).

Barkschiff, s. Bark.

Barkschoner, s. Schonerbark.

Barlaam, griech. Basilianermönch, geb. Ende des 13. Jahrh., wurde 1331 Abt des Klosters San Salvator in Konstantinopel. Der Kaiser Andronikos Paläologos schickte ihn 1339 nach Avignon zu Papst Benedikt XII., um für eine Vereinigung der griech. mit der röm. Kirche zu wirken. Nach seiner Rückkehr geriet er mit den Hesychasten (s. d.) in Streit, mußte 1341 auf einer Synode zu Konstantinopel widerrufen, ging dann nach Neapel, trat 1342 zur röm. Kirche über und erhielt von Clemens VI. das Bistum Geraci in Unteritalien, wo er 1348 (oder 1358) starb. B. war ein großer Gelehrter, Astronom, Mathematiker und Philosoph und hat sich um die Verpflanzung griech. Wissenschaft nach Italien Verdienste erworben; unter andern war auch Petrarca sein Schüler. Sein Hauptwerk ist «Ethica secundum stiocos».

Barlaam und Josaphat (in der lat. Übersetzung) oder Joasaph (im griech. Original), ein in alle europ. Litteraturen übergegangener Roman des Mittelalters, die Bekehrungsgeschichte des ind. Prinzen Josaphat (Joasaph) durch den ascetischen Einsiedler Barlaam enthaltend. Liebrecht («Die Quellen des B. u. J.», «Jahrbuch für roman. Litteratur» 1862; neuer Abdruck in «Zur Volkskunde», Heilbr. 1879) wies nach, daß der Roman eine Bearbeitung einer Episode aus der Lebensgeschichte des Königssohns Siddharta ist, der später unter dem Namen Buddha (der «Erleuchtete») Stifter des Buddhismus wurde (vgl. Foucaux' Übersetzung des Lalitavistara). Die Ähnlichkeit zwischen der ind. Erzählung und der christl. Legende ist sehr groß. Hinzugekommen ist in der letztern der dogmatische Teil, die Bekehrung Josaphats durch Barlaam, vor allem die Figur Barlaams selbst. Früher meinte man irrtümlich, daß der Legende histor. Thatsachen zu Grunde lägen. Die Namen Barlaam und Josaphat sind sowohl in griech. Menologien als in das röm. Martyrologium übergegangen. Einen histor. Barlaam giebt es; er lebte im 3. oder 4. Jahrh., hat aber mit dem Barlaam der Legende nichts gemein. Das griech. Original verfaßte ein Mönch Johannes um 630 im Sabaskloster bei Jerusalem oder der Kirchenvater Johannes von Damaskus im 8. Jahrh.; die griech. Handschriften (älteste aus dem 11. Jahrh.) und deren slaw. Bearbeitungen weisen auf zwei ver-[^folgende Seite]