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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Barrot; Barrow

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Barrot - Barrow

- 45). Eine Ausgabe des Ganzen in 24 Oktavbänden erschien zu Lissabon 1778 - 88 (abgekürzte deutsche Bearbeitung von Soltau, 5 Bde., Braunschw. 1821; eine deutsche Übersetzung begann Feust, Bd. 1, Nürnb. 1844). Außer manchen andern Schriften verfaßte B. noch zwei sehr interessante «Panegyricos» auf Johann III. und dessen Schwester, die gelehrte D. Maria (Lissab. 1533 u. 1791). Die kleinern Werke, mit Ausschluß der «Panegyricos», erschienen 1785 in Lissabon als «Compilação de varias obras do insigne Portuguez Joam de B.», ein Zweiter Band 1869 in Porto.

Barrot (spr. -roh), Camille Hyacinthe Odilon, franz. Staatsmann, geb. 19. Juli 1791 zu Villefort, war vor 1830 Advokat am Pariser Kassationshofe, seit 1827 Mitglied, später Präsident des einflußreichen Vereins Aide-toi et le ciel t'aidera (s. d.). In der Julirevolution von 1830 nahm er lebhaften Anteil an den Beratungen der Volkspartei, stimmte jedoch ausschließlich für den gesetzlichen Widerstand und wirkte mit allen Kräften für die Einsetzung der Orléans. Ludwig Philipp übertrug ihm das Amt des Seinepräfekten, das er 19. Febr. 1831 niederlegte. Nun beschränkte sich seine polit. Wirksamkeit auf die Ausübung seines Kammermandats. Nacheinander Deputierter von Paris und den Depart. Eure, Niederrhein und Aisne, beteiligte er sich als Oberhaupt der sog. «dynastischen» Opposition an allen großen parlamentarischen Verhandlungen, stürzte 1839 das Ministerium Molé und griff schonungslos die Korruptionswirtschaft der Regierung während der vierziger Jahre an. Da sein Plan einer Wahlreform weder bei dem Ministerium noch in der Kammer Anklang fand, entschloß er sich, ihn vors Volk zu bringen, und wurde 1847 der Leiter der Reformbankette (s. d.). Diese führten schließlich, ganz gegen die Absicht B.s, zur Revolution, die ihn selbst von dem am 24. Febr. 1848 errungenen Ministerpräsidium entfernte. Nach der Errichtung der Republik setzte B. seine parlamentarische Thätigkeit fort. In dem ersten Ministerium Ludwig Napoleons wurde er 20. Dez. 1848 Präsident und Minister der Justiz, beschränkte die Preßfreiheit und das Vereinsrecht und unterdrückte die Klubs. Napoleon III., dem er so ganz absichtslos die Wege ebnete, benutzte ihn, bis er seiner entraten zu können glaubte und ihm der ehrenwerte Charakter des doktrinären Politikers unbequem wurde. Am 31. Okt. 1849 nahm B. notgedrungen seine Entlassung. Der Staatsstreich vom 2. Dez. 1851 vernichtete auch seine letzten Hoffnungen. Seitdem lebte er zurückgezogen, bis er bei der 22. Juli 1872 durch die Nationalversammlung erfolgten Wahl eines neuen Staatsrats zum Mitglied und durch Dekret vom 27. Juli zu dessen Vicepräsidenten ernannt wurde. B. starb zu Bougival 6. Aug. 1873. Außer kleinern polit. Schriften veröffentlichte er: «De la décentralisation et de ses effets» (Par. 1861; neue Aufl. 1870) und «De l'organisation judiciaire en France» (ebd. 1872). Nach seinem Tode erschienen «Mémoires posthumes» (4 Bde., Par. 1875 - 77). - Sein Bruder Victorin Ferdinand B., geb. 10. Jan. 1800 zu Paris, wurde Advokat und 1842 Abgeordneter. Als Ludwig Napoleon zum Präsidenten der Republik erwählt war, wandte er sich diesem zu und wurde rasch nacheinander Generalsekretär des Präsidenten, Minister des Innern, Gesandter in Turin, Staatsrat, im März 1853 Senator des Kaiserreichs und 1854 Mitglied der Kommission für öffentliche Arbeiten, Ackerbau und Gewerbe. Seit Dez. 1877 war B. lebenslängliches Mitglied des Senats, wo er der Gruppe der Bonapartisten angehörte. Er starb 12. Nov. 1883 in Paris.

Barrow (spr. bärroh), der zweitgrößte Fluß Irlands, in der Provinz Leinster, entspringt in der Queens-Grafschaft, an der Nordostseite der Slieve-Bloom-Berge, fließt östlich bis zur Grenze der Grafschaft Kildare, wendet sich dann im rechten Winkel nach Süden und bildet die Grenz^ zwischen mehrern Grafschaften, berührt dabei die Städte Athy, Carlow und New-Roß und ergießt sich nach 160 km Lauf durch das 14 km lange Ästuarium Waterford-Hafen in den St. Georgskanal. Nebenflüsse sind der Rore und kurz vor der Mündung der bedeutende Suir, beide von rechts. Der B. ist 40 km aufwärts bis New-Roß für Schiffe bis zu 300 t und für Barken weitere 70 km bis Athy schiffbar, von wo der Große Kanal nach Dublin führt.

Barrow (spr. bärroh), Isaac, engl. Theolog und Mathematiker, geb. 1630 zu London, studierte zu Cambridge, durchreiste 1655-59 Frankreich und Italien und kehrte über Konstantinopel nach England zurück. In Cambridge, wo er zuerst Lehrer der griech. Sprache, dann 1663 Professor der Mathematik wurde, lernte er den jungen Newton kennen und trat diesem 1669 sein Katheder ab. B. gab sich nun ganz den theol. Studien hin, ward 1670 Doktor und bei Karl II. Kaplan, 1675 Vicekanzler von Cambridge und starb 4. Mai 1677 zu London. Seine theol. Schriften gab Tillotson (3 Bde., Lond. 1685, auch 1741; zuletzt, 9 Bde., ebd. 1859) heraus. Durch seine Erfindung des Differentialdreiecks (s. Differentialrechnung) bahnte er den Weg zur Anwendung der Differentialrechnung auf die Geometrie. Dieselbe findet sich in seinen «Lectiones geometricae» (Lond. 1669). Er schrieb ferner «Lectiones opticae»" (Cambr. 1674), worin er zuerst eine Bestimmung der Brennweiten optischer Linsen angab. Er gab ferner die Werke des Archimedes sowie einzelne Bücher von Apollonius und Theodosius heraus.

Barrow (spr. bärroh), Sir John, engl. Reisender und Geograph, geb. 19. Juni 1764 zu Dragley Beck bei Ulverston in Lancashire, ging 1792 als Privatsekretär des chines. Gesandten Lord Macartney nach China, später nach dem Kapland. 1803 nach London zurückgekehrt, wurde B. 1804 zum Sekretär der Admiralität ernannt, welchen Posten er bis 1845 innehatte Er wurde 1835 Baronet, zog sich 1845 aus dem Staatsdienst zurück und starb 23. Nov. 1848 in London. B. veröffentlichte «Travels in China» (Lond. 1804; deutsch von Hüttner, 2 Bde., Weim. 1804 - 5), «Account of travels into the interior of Southern Africa» (2 Bde., Lond. 1801 - 3; deutsch von Sprengel, 2 Bde., Weim. 1801 - 5), «A voyage to Cochin-China in the years 1792 and 1793» (Lond. 1806; deutsch von Ehrmann, Weim. 1808), «Some account of the public life of the Earl of Macartney» (2 Bde., Lond. 1807), «A chronological history of voyages into the Arctic regions» (ebd. 1818, 1846; durch dieses Werk gab er den Anstoß zu den seit Baffin (s. d.) unterbrochenen Fahrten zur Auffindung der Nordwestpassage), «An autobiographical memoir» (ebd. 1847) und «Sketches of the Royal Society» (ebd. 1849); ferner Biographien engl. Seehelden, wie Howes (ebd. 1838), Ansons (ebd. 1839), Drakes (ebd. 1843 u. 1861), woran sich die «Memoirs of naval worthies of Queen Elizabeth's