Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

455

Basane – Baschkiren

Basāne (frz.), kalblederartig zubereitete Hammelfelle, namentlich zu Büchereinbänden verwandt; davon abgeleitet das Zeitwort basanieren.

Basangans, s. Tölpel.

Basanit, jüngere basaltische Eruptivgesteine, die außer Augit, Olivin und Magneteisen sowohl einerseits Plagioklas als andererseits entweder Nephelin oder Leucit enthalten, wonach man Nephelinbasanit und Leucitbasanit unterscheidet. Beide sind äußerlich und geologisch den eigentlichen Basalten sehr nahe verwandt und von denselben nur durch die Gegenwart des Nephelins oder Leucits getrennt. In deutschen Mittelgebirgen und im nördl. Böhmen sind sie z. B. weit verbreitet; zu den Leucitbasaniten gehören auch die Laven des Vesuvs.

Basanītis, s. Basan (Landschaft).

Basantello, Ort in der ital. Provinz Lecce (s. Cotrone).

Basardschik, Stadt in Bulgarien, s. Pasardschik.

Bas bleu (frz., spr. ba blö), Blaustrumpf (s. d.).

Bas-Breton (frz., spr. ba bröttóng, «niederbretonisch»), das in der Bretagne gesprochene Keltisch, s. Bretonische Sprache und Litteratur.

Basch (türk., «Kopf», «Befehlshaber»), in vielen Verbindungen vorkommendem Wort, so in B. bog (Befehlshaber eines Christenheers), B. tsadir (Befehlshaber des Trains), B. tschausch (erster Feldwebel einer Compagnie, Schwadron oder Batterie).

Baschahr (oft verderbt Bisser oder Bussahir), Vasallenstaat in Ostindien, zu der Lieutenant-Gouverneurschaft des Pandschab gerechnet, bildet mit einigen andern größern und kleinern tributären Staaten eingeborener Fürsten, nämlich Kaschmir und Dschamu, Dschamba, Mandi und Bilaspur, in administrativer Hinsicht die Gruppe der jenseit des Satladsch gelegenen Hochlande (engl. Trans Sutlej Highlands oder Punjab Hill States). B. grenzt im N. an die Division Dschalandar, im W. an die Distrikte Schimla und Dehra Dun (sämtlich zum Pandschab gehörend), im S. an Sirmur und an Garhwal und im O. an chines. Gebiet, hat 8599 qkm, (1891) 75727 E. (1881: 64345, darunter 63924 Hindu, 365 Mohammedaner). In den südl. Abhängen des Himalaja gelegen, ist B. ein Alpenland, welches der Satladsch in eine nördl., Kunawar, und eine südl., B. genannte Hälfte teilt. Die niedrigsten gemessenen Punkte, Hirt auf dem linken Ufer des Satladsch und Raien auf dem linken Ufer des Flusses Pabar, liegen in 1050 und 1700 m Höhe; viele Strecken zwischen 2000 und 4000 m Höhe. B. ist außerordentlich reich an Eisenerzen.

Die Bevölkerung besteht gleich jener der übrigen sog. Hügelstaaten (Hill States) im Himalaja, südlich von der Kammlinie demselben, aus einer Vermischung des mongol. oder turanischen Rassenelements mit dem specifisch indischen. Sie sind meistens Anhänger des tibetan. Buddhismus. Eigentümlich ist bei ihnen die allgemeine, selbst bei den Vornehmern und Reichern bestehende Polyandrie. Bei den Bewohnern von B. im engern Sinne ist die Gesichts- und Körperbildung mehr die der Hindu. Ihre Religion ist ein verdorbener Hinduismus. Die am meisten verehrten Gottheiten sind Schiwa, Ganescha und Kali, der früher Menschenopfer gebracht wurden. Das Verbrennen der Witwen hat noch nicht aufgehört. Die Radscha und die meisten andern Vornehmen sind Radschputen. B. war früher von den Gorkha abhängig und mußte diesen einen Jahrestribut von 8000 Pfd. St. zahlen. ↔ Mit Unterstützung der Engländer machte es sich 1815 von der Oberherrschaft der Gorkha frei, und der Radscha trat, durch Traktat vom 15. Nov. genannten Jahres, in das Verhältnis eines Lehnträgers zu der Englisch-Ostindischen Compagnie.

Baschi-Bosuk, in der Türkei der Name einer mit der öffentlichen Sicherheitspflege betrauten, den Provinzialstatthaltern z ugeteilten Truppe, die, beritten und polizeilichen Zwecken dienend, etwa einer Landgendarmerie zu vergleichen ist. Zum eigentlichen Kriegsdienst sind sie nur selten und nie mit Glück herangezogen worden. Der Name (wörtlich Tollkopf) ist dem des Korps der Deli (s. d.) sinnverwandt und soll auf den an Wahnsinn grenzenden rücksichtslosen Mut bei Ausführung der erhaltenen Befehle deuten. Die B. rekrutieren sich hauptsächlich aus Bosniaken, Albanesen und Kurden; in Anatolien führen sie auch die kurd. Lanze mit Straußenfederbüschel und kurd. Tracht. Obwohl berüchtigt durch ihre Grausamkeit, sind die B. doch für den türk. Sicherheitsdienst unentbehrlich.

Baschilange, Negerstamm in Centralafrika, zwischen dem Kassai und Sankuru, etwa von 5° 30' bis 6° 30' südl. Br., nach Wißmann gegen 1½ Mill. Köpfe zählend. Sie sind ein Mischvolk der von Südosten eingewanderten Baluba (s. d.) und der Urbewohner und jetzt mit Ausnahme der Sprache wesentlich von den Baluba verschieden. Sie haben schmale Brüste, kurze Glieder und geringe Muskelentwicklung. Durch eine Art socialer Revolution um das J. 1860 kam die jüngere sanftmütige Generation zur Herrschaft und gründete das «Reich der Freundschaft» (Lubuku), in welchem Todesstrafe und Gottesurteile abgeschafft und gemeinschaftliches Hanfrauchen als Zeichen der Brüderlichkeit eingeführt wurde. Ehemals bewaffneten sie sich mit Speer und Pfeil, jetzt auch mit Feuergewehren. Sie bauen mit ihren als Sklavinnen behandelten Frauen alle Feldfrüchte, auch Reis, und treiben Viehzucht. Wißmann und Pogge kamen 1881 als erste Europäer in ihr Land, das bis dahin weder von arab. noch portug. Händlern berührt worden war, und wurden auf das gastfreundlichste behandelt. Die B. haben seitdem die Sucht, europ. Gewächse, Tiere, Kleidung und Hauseinrichtungsgegenstände bei sich einzuführen. Im Häuptling Mukenge besitzen sie einen König, in Dschingenge dessen mächtigsten Vasall.

Basch-Kadūn (türk., d. h. Oberfrau), Titel der bevorzugten Frauen des großherrlichen Harems (s. Favoritsultanin).

Baschkiren, eigentlich Baschkurt, ein gewöhnlich zu den turk-tatar. Stämmen gerechnetes, aber wahrscheinlich ursprünglich finnisches, doch durch Mischung in Sprache und Sitte wie in Gesichtsbildung und Farbe tatarisch gewordenes Volk, von den Kirgisen Istäk (Ostjak) genannt. Sie wohnen im südl. Uralgebiete, hauptsächlich auf dessen Westseite und den anstoßenden Ebenen des Wolgagebietes, zu beiden Seiten der Bjelaja in den Gouvernements Ufa, Orenburg, Perm, Samara und einem Teile von Wjatka. Der Name Baschkurt kommt zum erstenmal im Anfang des 10. Jahrh, bei dem Araber Ibn Fadlâh in dem Berichte von dessen Gesandtschaft zu den Wolga-Bulgaren vor. Von abendländ. Schriftstellern werden sie zuerst im 13. Jahrh. von den Reisenden Plano Carpini und Rubruquis erwähnt. Diese bezeichnen sie unter dem Namen Pascatir als ein am obern Teile des Uralstroms wohnendes Volk,

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 456.