Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bassermann (Heinr.) - Bassewitz

teil und trat, als Vertreter von Stadtprozelten am Main in die Nationalversammlung gewählt, mit Eifer der äußersten Linken entgegen. Im Aug. 1848 wurde B. ins deutsche Reichsministerium als Unterstaatssekretär des Innern berufen, welche Stellung er bis zur Entlassung des Ministeriums Gagern behielt. Im Nov. 1848 und Mai 1849 wurde er nach Berlin gesandt, um ein Verständnis mit der preuß. Regierung anzubahnen und das Verhältnis derselben zur Frankfurter Centralgewalt klarzustellen. In einer Schilderung der Berliner Zustände, die B. 11. Nov. 1848 im Frankfurter Parlament entwarf, sprach er von verdächtigen Gestalten auf den Straßen Berlins, die dann als Bassermannsche Gestalten zum geflügelten Wort geworden sind. In dem Verfassungsstreite stand er eifrig auf der Seite der preußischen erbkaiserl. Partei; nach der Ablehnung der Kaiserkrone war er der erste, der zu einer Verständigung mit Preußen riet. Als Vertreter eines rheinpreuß. Wahlbezirks nahm er auch (1850) an dem Unionsparlamente zu Erfurt teil. Schon im Beginne seiner ständischen Wirksamkeit hatte B. zu Mannheim mit K. Mathy eine Verlagsbuchhandlung (s. Bassermannsche Verlagsbuchhandlung) begründet. Seit 1850 zog er sich, durch Krankheit genötigt, vom öffentlichen Leben zurück; zugleich von Melancholie über die fehlgeschlagenen vaterländischen Hoffnungen erfaßt, erschoß sich B. 29. Juli 1855.

Bassermann, Heinr., prot. Theolog, geb. 12. Juli 1849 zu Frankfurt a. M., jüngster Sohn des vorigen, studierte 1868-72 in Jena, Zürich und Heidelberg, wurde 1873 Hilfsprediger in Arolsen und habilitierte sich 1876 in Jena. Noch im gleichen Jahre wurde er als außerord. Professor der praktischen Theologie nach Heidelberg berufen und daselbst 1880 ord. Professor, 1884 Direktor des evang.-theol. Seminars und Universitätsprediger. B. gehört der maßvoll freisinnigen Richtung an. Er veröffentlichte: «Handbuch der geistlichen Beredsamkeit» (Stuttg.1885), «Akademische Predigten» (ebd. 1886), «Entwurf eines Systems evang. Liturgik» (ebd. 1888), «Geschichte der evang. Gottesdienstordnung in bad. Landen» (ebd. 1891), «Sine ira et studio. Der Entwurf der neuen preuß. Agende beurteilt» (Freib. i. Br/ 1894). Seit 1879 giebt er mit Ehlers die «Zeitschrift für praktische Theologie» heraus.

Bassermannsche Gestalten, s. Bassermann, Friedr. Daniel.

Bassermannsche Verlagsbuchhandlung, Fr., in München, gegründet 1843 in Mannheim von Friedr. Daniel Bassermann (s. d.), der das Geschäft bis 1854 mit Karl Mathy (s. d.) unter der Firma Bassermann & Mathy, dann allein unter eigenem Namen führte. 1855 ging es an die Witwe und 1865 an den Sohn, Otto Friedrich Bassermann, geb. 12. Mai 1839, über, der es gleichzeitig nach Heidelberg und 1878 nach München verlegte. Der Verlag, anfangs polit.-belletristischer Richtung (die «Deutsche Zeitung», die ersten Auerbachschen Dorfgeschichten u. a.), ging später auch auf Technologie, Theologie u. a. über. Zum Hauptzweig sind die humoristische (die Schriften von Wilh. Busch) und illustrierte belletristische Litteratur geworden; daneben finden sich Vorlagen für Schriftzeichnen, Porzellanmalen, Prachtwerte. 1890 wurde der vorwiegend jurist. und mediz. Verlag der Litterarisch-Artistischen Anstalt (Theodor Riedel) in München erworben, und seit demselben Jahr erscheint in der B. V. unter Beteiligung von Alfons Bruckmann die illustrierte Zeitschrift «Radfahr-Humor» mit der «Radfahr-Chronik» als Beilage.

Basses-Alpes (spr. baß alp), franz. Departement, s. Niederalpen.

Basses-Pyrénées (spr. baß pireneh), franz. Departement, s. Niederpyrenäen.

Basse-taille (spr. Baß taj), in der franz. Musik soviel wie Bariton (s. d.); in der bildenden Kunst ist der Ausdruck gleichbedeutend mit Basrelief (s. Relief).

Basse-Terre (spr. bah tähr). 1) Hauptstadt der franz. Insel Guadeloupe (Westindien), auf der Westküste zu beiden Seiten der Mündung der Nivière-aux-Herbes, ist Sitz des Gouverneurs, eines Bischofs und hat (1888) 7375 E., darunter ein Viertel Neger, ein Arsenal, einen Justizpalast, aber einen schlechten Hafen, ist daher ziemlich öde und wird durch das Fort Richepanse und einige Batterien geschützt. 2) Hauptort der brit.-westind. Insel St. Christopher (St. Kitts), wird durch drei Forts verteidigt und hat etwa 7000 E. Ausgeführt werden von dort das in der Nähe gewonnene Salz, ferner Zucker, Ingwer und Baumwolle.

Bassette, ein Kartenspiel franz. Ursprungs, wird mit 52 Blättern von einem Bankhalter und einer beliebigen Anzahl von Pointeurs gespielt. Der Wechsel der Bank hängt von den Spielenden ab.

Bassetthorn ((Corno di bassetto), ein tonreiches weichklingendes Holzblasinstrument, sachlich auch Krummhorn genannt, wurde um 1770 zu Passau erfunden und durch Th. Lotz in Preßburg (um 1782) und die Brüder Ant. und Joh. Stadler in Wien verbessert. Das B. ist eigentlich eine größere, um eine Terz tiefere Klarinette, der es in allem gleicht, nur daß das Rohr zu lang war, um eine bequeme Erreichung der Tonlocher beim Spielen zuzulassen, weshalb die Röhre im Halbkreis gebogen, später geknickt gebaut wurde. Um die Röhre zu verkürzen, brachte man das sog. Kästchen an, durch das sich die Bohrung erst schlangenförmig zurückwindet, ehe sie weiter geht, um dann in der Stürze, einem trompetenartigen Schallbecher, auszumünden. Neben den 15 Tonlöchern der Klarinette besitzt das B. alle an jenen angebrachten offenen und verdeckten Klappen, wozu zwei außerordentliche für F und G kommen. Sein Umfang erstreckt sich von F bis zum dreimal gestrichenen c in chromatischer Folge; der Ton erklingt aber jedesmal eine Quinte tiefer, als er geschrieben ist, so daß also seine Notierung vom kleinen c bis zum dreimal gestrichenen g geschehen muß. Der Klang ist der einer Baßklarinette, aber düsterer, schwermütiger. Obgleich der tiefen Töne wegen sehr brauchbar, ist das B. doch wenig angewendet, von Mozart aber sehr wirkungsvoll («Requiem», «Titus») benutzt worden. - Vgl. Backofen, Anweisung zur Klarinette nebst einer kurzen Anweisung über das B. (Lpz. 1827).

Bassewitz, Magnus Friedr. von, preuß. Staatsbeamter, geb. 17. Jan. 1773 zu Schönhoff in Mecklenburg-Schwerin, studierte 1791-94 die Rechte und Cameralia zu Rostock und Jena, wurde 1800 Kriegs- und Domänenrat bei der kurmärk. Kammer, 1809 erster Direktor und Vicepräsident, 1810 Chefpräsident des Regierungskollegiums zu Potsdam und 1824 Oberpräsident der Provinz Brandenburg. Auch ward er 24. Dez. desselben Jahres in den Staatsrat aufgenommen. Nach seiner Entlassung 1842 lebte er zu Berlin, wo er 14. Jan. 1858 starb. B. schrieb (anonym): «Die Kurmark Brandenburg, ihr Zustand und ihre Verwaltung unmittelbar vor dem