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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bastard - Bastardpflanzen

Bastard, im bürgerlichen Leben das Kind einer unehelichen Verbindung. Unter dem Namen Bastardus kommt zuerst der Normannenherzog Wilhelm der Eroberer vor. Das Wort ist seiner Abstammung nach nicht klar; das erste Wortelement, das im Mittelenglischen und Altfranzösischen «ungesetzliche Ehe» bedeutet, wird meist aus dem mittellat. bastum (Packsattel, Saumsattel) abgeleitet, das vom deutschen Bast stammt; der zweite Teil ist das in Eigennamen wie Gebhart, Reinhart steckende -hart. Danach wäre B. «der auf dem Saumsattel Erzeugte». Andere denken an Ableitung aus dem Keltischen.

In Zoologie und Botanik bezeichnen B. die Nachkommen von Eltern, welche verschiedenen Arten angehören. Diese Mischlinge bieten mehr oder minder in ihrer Organisation die Eigenschaften der beiden Eltern in Mischung dar, doch stets so, daß ein oder der andere Charakter überwiegt; ja selbst auch in dem Sinne, daß bei einem Wurfe mehrerer Jungen, z.B. von Wolf und Hündin, jedes Junge die Charaktere der Eltern in besonderer Weise gemischt zeigt. Nur nahe verwandte Arten können sich fruchtbar miteinander begatten, wie z.B. Pferd und Esel, Wolf und Hund, brauner Bär und Eisbär, Löwe und Tiger, Hase und Kaninchen, Lady Amherst- und Goldfasan, Stieglitz und Kanarienvogel, Abendpfauenauge und Pappelschwärmer u.s.w. Die meisten dieser B. sind mit ihren Eltern, manche auch unter sich fruchtbar; die Inzucht einiger, wie z.B. des Kaninchen-Hasen, ist sogar Gegenstand der Industrie geworden. Einige freilich, wie gerade die am häufigsten gezüchteten Maultiere und Maulesel, sind fast ausnahmslos unfruchtbar. Die meisten B. werden absichtlich gezüchtet; doch kennt man auch im Freien erzeugte B., wie den Rackelhahn (B. von Auerhahn und Birkhenne), und von Siebold hat von mehrern als besondere Arten beschriebenen Süßwasserfischen nachgewiesen, daß sie B. sind. Nachkommen verschiedener Rassen derselben Art hat man auch zum Unterschiede Blendlinge genannt. Da jedoch die Begriffe von Art und Rasse nicht streng voneinander geschieden werden können, so laufen auch diese Unterschiede ineinander. - Gegenstand besondern Studiums sind die Bastardpflanzen (s. d.).

Bastardagium, Bastardenfall, das früher an manchen Orten dem Kaiser und einigen Reichsständen zustehende Erbrecht in den Nachlaß des Bastards, entwickelte sich aus der deutsch-mittelalterlichen Rechtsanschauung, daß der Unehelichgeborene zu keiner Familie gehöre und somit als Person ohne Wehre den Schutz des Königs genieße.

Bastardbalken, in der franz. Heraldik ein kleiner, meist frei schwebender Schräglinksbalken (s. Balken), in früherer Zeit vielfach als Beizeichen der unehelichen Geburt angewendet.

Bastardenfall, s. Bastardagium.

Bastardierung, s. Abarten, Bastard, Bastardpflanzen.

Bastardindigo, ein blauer Farbstoff, der aus den jungen Trieben von Amorpha fructiosa L. gewonnen wird.

Bastardklee, s. Klee.

Bastardnachtigall, s. Gartensänger.

Bastardpflanzen, Hybriden, Pflanzenmischlinge, Bezeichnung für Pflanzenformen, die durch geschlechtliche oder andere Vermischung zweier verschiedener Arten entstanden sind. Man nennt diesen Vorgang der Vermischung auch Bastardierung, Hybridation, Kreuzung. Der weitaus größte Teil der B. ist durch geschlechtliche Vermischung entstanden; es besteht diese darin, daß die weiblichen Organe der einen Art durch die männlichen Organe einer andern Art befruchtet werden: aus dem dadurch gebildeten Samen geht die Bastardpflanze hervor. Die geschlechtliche Kreuzung kann auf zweierlei Weise vor sich gehen, sie kann in der freien Natur durch Vermittelung von Tieren oder des Windes (s. Bestäubung), oder sie kann künstlich bewirkt werden. Die letztere Art der Kreuzung wird sehr häufig von den Gärtnern angewendet, um Hybriden zu erzeugen, die die Vorzüge sowohl der väterlichen wie der mütterlichen Stammpflanzen besitzen. Man verfährt dabei folgendermaßen: Man schneidet, wenn zwitterige Blüten gekreuzt werden sollen, die Staubfäden, ehe ihre Antheren aufspringen, weg, was man Kastrieren nennt, und bringt nun den Samenstaub einer andern Pflanze, die als Vaterpflanze dienen soll, am besten mit Hilfe eines zarten Pinsels auf die Narbe der damit zu befruchtenden Pflanze (der Mutterpflanze); außerdem muß selbstverständlich Sorge getragen werden, daß Pollenkörner anderer Pflanzen als derjenigen, die man als Vaterpflanze benutzt bat, vollständig fern bleiben. Aus den Samen der befruchteten Mutterpflanze entstehen nun B., Formen, die weder der Mutter- noch der Vaterpflanze gleichen, beiden aber in vielen Beziehungen ähneln.

Die Kreuzung ist in den meisten Fällen nur zwischen zwei Arten einer und derselben Gattung möglich, nur sehr selten findet Vermischung zweier Arten nahe verwandter Gattungen statt. Niemals aber kommen Bastarde zwischen Arten von einander fern stehenden Gattungen vor. Die durch geschlechtliche Vermischung erzeugten B., die sog. sexuellen Bastarde, haben mehrere merkwürdige Eigenschaften. Zunächst lassen sich die Merkmale der Eltern stets an den Hybriden wiederfinden, aber nur so, daß man den Einfluß beider Eltern dabei wahrnimmt; so hat z.B. der Bastard der zwei Luzernearten Medicago sativa L. und M. falcata L. Blüten, deren Farbe zwischen Blau und Gelb, den Blütenfarben der Eltern, schwankt. Ferner macht sich bei den B. ziemlich allgemein eine Abschwächung der Fruchtbarkeit geltend; es wird ein Teil der Pollenkörner und ebenso ein Teil der Samenknospen mangelhafter ausgebildet, und zwar ist diese Schwäche in der Regel mehr bei den männlichen als bei den weiblichen Organen zu bemerken. Hingegen besitzen die B., zumal diejenigen zwischen sehr nahe verwandten Arten, ein viel kräftigeres Wachstum, das sich in einer reichern Bewurzelung, in den zahlreichen und, mit Ausnahme der Geschlechtsorgane, besser ausgebildeten Blüten, in der längern Lebensdauer und mehrern andern ausspricht. Gerade dieser letztere Umstand, das kräftigere Wachstum in fast allen Teilen ist es, was die Hybriden für die Gärtner und Blumenzüchter so wichtig macht. Die B. sind fast immer fortpflanzungsfähig; man kann sie also nicht nur durch Stecklinge, Ableger u.s.w., sondern auch durch tarnen vermehren; nach mehrern Generationen jedoch, und vorzüglich dann, wenn die Stammpflanzen sehr nahe verwandt sind, findet oft ein Zurückschlagen zu einer der beiden letztern statt.

Die B. können ebenfalls wieder entweder mit einer der Stammformen, oder mit einer den Eltern nahe verwandten Form, oder auch mit andern B. gekreuzt werden, und man erhält dann sog. abgeleitete B. In letzterm Falle trägt der Bastard eine Vermischung der Merkmale von vier Stamm-^[folgende Seite]