Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

485

Batavia (auf Java)

Die Stadt zerfällt in eine alte und eine neue. Die alte Stadt bat das Aussehen einer niederländ. Stadt des 17. und 18. Jahrh. Großartige Wohnhäuser erinnern noch an ihre ehemalige Bedeutung als Hauptfitz der europ. Bevölkerung. Von dieser ihrer ungesunden Lage wegen verlassen, ist sie gegenwärtig nur noch von Mischlingen, hauptsächlich portug. Abkunft, Chinesen (besonders im chines. Kampong), Malaien und Javanen bewohnt und enthält die Gebäude des Hafen- und Zolldepartements, die Börse, das schöne Stadthaus, die Javabank, die Magazine des Gouvernements und der Niederländischen Handelsgesellschaft, die Bureaus und Warenlager aller größern Handelshäuser, eine Kirche, ein für Chinesen und ein für Eingeborene bestimmtes Hospital sowie die Gefängnisse für letztere. Europäer halten sich daselbst nur während der Geschäftsstunden, von 9 Uhr morgens bis 4 Uhr nachmittags, auf, da der Aufenthalt während einer einzigen Nacht daselbst genügt, um bei ihnen ein bösartiges Fieber zu erzeugen. Der fast 4 km lange, Molenvliet genannte Stadtteil verbindet das alte B. mit dem neuen.

Diese neue Stadt besteht aus den Stadtteilen Noordwijk, Reijswijk, Weltevreden, Pasarbaru, Parapatan, Kebonsirib u. a. Sie ist etwas höher gelegen und sehr weitläufig und mit größter Rücksicht auf die Gesundheit angelegt und macht dadurch, daß jedes Haus inmitten wohlunterhaltener Gartenanlagen liegt, einen sehr freundlichen Eindruck. Die Bauart und Einrichtung der meistens einstöckigen, im neuern Villenstil aufgeführten Häuser entspricht den Anforderungen des Klimas. An diese Stadtteile schließen sich die von Eingeborenen und Chinesen bewohnten Vorstädte (Kampongs) an.

Gebäude. Von öffentlichen Plätzen sind das ausgedehnte Konings-Plein und das schöne Waterloo-Plein bemerkenswert. Auf letzterm befindet sich eine einen Löwen tragende Säule zur Erinnerung an die Schlacht bei Waterloo, ein ehernes Monument für den General Michiels, der 1849 auf Bali fiel, und ein Standbild Koens, des Gründers B.s. Von den öffentlichen Gebäuden zeichnen sich aus das Regierungsgebäude (Het Palais) mit den Sitzungs- und Empfangssälen des Rats von Indien und den Bureaus der meisten Civil- und Militärbehörden, die prot. Wilhelmskirche am Konings-Plein, das Hotel des Generalgouverneurs. Schöner und großartiger als alle diese ist das für gesellige Zwecke bestimmte Gebäude der Harmonie. In Weltevreden befinden sich die 1837 erbaute kleine Citadelle Prins Fredrik Hendrik, das Arsenal, die Kasernen, das große Militärhospital, worin aber auch Civilpersonen Aufnahme finden, die Artillerieschule, das Gefängnis für Europäer, das Theater und die Freimaurerloge.

Bildungswesen, öffentliche Anstalten. Lehranstalten sind das Gymnasium Wilhelm III., die Parapatan-Waisenstiftung, fünf Gouvernements- und viele Privatschulen. Mit dem Militärhospital in Weltevreden ist auch eine Bildungsanstalt für eingeborene Ärzte (Doctors Djawa) verbunden. Von öffentlichen Anstalten sind die 1778 gegründete Gesellschaft für Künste und Wissenschaft mit Museum, die Gesellschaft für ind. Länder-, Sprach- und Völkerkunde, die seit 1850 bestehende königliche Naturhistorische Vereinigung, die Gesellschaft für Landbau und Industrie, die Handelsgesellschaft und viele Versicherungsanstalten zu erwähnen. Das früher in Reijswijk befindliche Museum ist in einem schönen Gebäude am Konings-Plein untergebracht; davor ein Elefant aus Bronze. Das Museum enthält eine ethnolog., archäolog. und numismat. Sammlung.

Bevölkerung. Die alte und die neue Stadt haben zusammen (1890) 99527 E., darunter 7302 Europäer und 25579 Chinesen, (1891) 104590 E.

Handel und Verkehr. Obgleich B. seit lange nicht mehr einen so hohen Standpunkt einnimmt als in der ersten Hälfte des 18. Jahrh., so ist es noch immer eine sehr bedeutende Handelsstadt und die bedeutendste der asiat. Inselwelt. Besonders wird Kaffee auf den von der Regierung veranstalteten großen Auktionen gehandelt und ausgeführt; ferner Zucker, Thee und Reis, Gewürze, namentlich Pfeffer von Sumatra, Zinn und Häute, während die Einfuhr in europ. Manufakturen, Eisen, Luxusartikeln, Weinen, Butter, konservierten Lebensmitteln in Blechbüchsen, sowie in Eis aus Nordamerika besteht. Die wichtigsten Bank- und Handelsinstitute sind die Javasche Bank mit Filialen in Samarang, Surabaja, Padang und Mangkassar, seit 1828 mit 6 Mill. Fl. Aktienkapital; die Nederlandsch-Indische Handelsbank, Kolonialbank; Chartered Bank of India, Australia and China; Chartered Mercantile Bank of India, London and China; Nederl.-Ind. Escomptemaatschappij; Hongkong and Shanghai Banking Cooperation (Hamburg) die Factorij der Nederlandsche Handelsmaatschappij, die 1824 mit 35,78 Mill. Fl. Kapital gegründet wurde und eine Agentur in B. besitzt. B. ist Sitz der Konsuln von Belgien, vom Deutschen Reich, von Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich-Ungarn, Portugal, Schweden und Norwegen, der Schweiz, Siam, der Türkei und den Vereinigten Staaten von Amerika.

In B. liefen (1888) ein 557 Dampfer mit 644168 t, 247 Segler mit 129373 t, darunter 400 der holländ., 125 der brit. und 32 der franz. Flagge; 799 Schiffe liefen aus. Den regelmäßigen Verkehr vermitteln außer drei niederländ. Gesellschaften die Peninsular and Oriental Steamship Company und Compagnie des Messageries maritimes, beide mit Zweiglinien von Singapur nach B., die Queensland Royal Mail Line (London-B.-Australien), Navigazione Generale Italiana (Genua-Marseille-B.), Compagnie Nationale de Navigation (Marseille-Java), Deutsche Dampfschiffreederei in Hamburg (Sundalinie) und die Eastern Steamship Company Limited (Australien-B.-China). Kabelverbindungen bestehen mit Europa und Ostasien über Singapur, mit Port-Darwin (Nordaustralien) und mit Sumatra und Java. Außer der Staatsbahn von der alten Stadt nach dem Hafen führt eine Privatbahn nach Buitenzorg (s. d., 62 km), dem gewöhnlichen Aufenthaltsorte des Generalgouverneurs. Die Dampfstraßenbahn, an Stelle der seit 1883 bestehenden Pferdebahnen, führt vom ehemaligen Kastell aus nach der Vorstadt Kramat und zweigt von dort ab über Meester Cornelis nach Kampong Malaijoe. Bei Meester Cornelis fand 26. Aug. 1811 ein blutiges Treffen zwischen den engl. Occupationstruppen und der Holland.-franz. Armee statt; hier befinden sich seit 1857 eine Militärschule und andere öffentliche Anstalten.

Geschichte. Den Grund zu B. legte der erste niederländ. Generalgouverneur Pieter Both, als er 1610 bei Jacatra, der 70 km östlich von Bantam gelegenen Hauptstadt des Mohammed. Reichs