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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bathurst-Insel - Batjan

Regierungsantritt Georgs III. pensioniert, wurde er 1772 zum Grafen B. erhoben und starb 14. Sept. 1775. Er verkehrte viel mit litterar. Größen, mit Pope, der ihm den dritten seiner «Moral Essays» widmete, sowie mit Swift, Congreve, Prior, Sterne.

Der älteste Sohn seines Neffen Henry B. (geb. 1744, gest. 1837), Bischofs von Norwich, Henry B., geb.1781, seit 1814 Archidiakon zu Norwich, beschrieb das Leben seines Vaters in den «Memoirs of the late Bishop of Norwich» (2 Bde., Lond. 1837; Nachtrag 1842); er starb 1844. Des Bischofs zweiter Sohn, Sir James B., war engl. Offizier. Der dritte, Benjamin B., geb. 14. März 1784, widmete sich der diplomat. Laufbahn, wurde 1809 als Gesandter nach Wien geschickt und verschwand, mit wichtigen Depeschen betraut, auf unerklärte Weise, wahrscheinlich durch Mord, auf der Rückreise von Berlin nach Hamburg.

Der zweite, aber älteste überlebende Sohn des Grafen Allen B., Henry B., seit 1771 Baron Apsley, seit 1775 zweiter Graf B., geb. 2. Mai 1714, studierte Rechtswissenschaft in Oxford, wurde 1736 Sachwalter (Barrister) in Lincoln's Inn, später Richter am Court of Common Pleas, stand seit 1735 im Unterhaus zur Opposition gegen Walpole, unterstützte dann das Ministerium Pelham, war von 1771 bis 1778 Lordkanzler und 1779-82 unter North erster Präsident des Geheimen Rats (Privy council). Er starb 6. Aug. 1794. Das allgemeine Urteil nannte ihn den unfähigsten Lordkanzler des ganzen Jahrhunderts. Sein Sohn Henry B., dritter Graf B., geb. 22. Mai 1762, trat früh ins Unterhaus, war persönlicher Freund Pitts, übernahm unter diesem das Schatzamt, wurde unter Portland 1809 Präsident des Handelsamtes, unter Liverpool Kriegs- und Kolonialsekretär und unter Wellington 1828-30 Lord-Präsident des Geheimen Rats (Privy council). Er starb 26. Juli 1834. Sein Sohn Henry George, vierter Graf B., geb. 1790, war 1812-34 Unterhausmitglied, schrieb «The ruinous tendency of auctioneering» (Lond. 1812; 2. Aufl. 1848), starb ohne Erben 1866. Ihm folgte sein Bruder William Lennox, fünfter Graf B., geb. 1791, und diesem 1878 sein Neffe Allen Alexander, sechster Graf B., geb. 1832, 1857-78 konservatives Unterhausmitglied, gest. 1. Aug. 1892.

Bathurst-Insel (spr. bäthörst), s. Melville-Insel.

Bathybius, s. Kammerlinge.

Bathykles, aus Magnesia am Mäander, wird als Künstler des berühmten für eine Kultstatue des Apollon verfertigten Thrones in Amyklä in Lakonien genannt, Seine Zeit fällt wahrscheinlich in den Anfang des 6. Jahrh. v. Chr. Der Thron war ähnlich wie die Lade des Kypselos (s.d.) mit Darstellungen aus der griech. Götter- und Heroensage verziert, unter denen Pausanias die Thaten des Herakles und Theseus, Scenen aus dem troischen Sagenkreis und anderes hervorhebt.

Bathyllus, aus Alexandria, Freigelassener und Günstling des Mäcenas, war der Erfinder der röm. Pantomimik und wurde durch seine außerordentlichen Leistungen auf dem Theater ein Liebling des röm. Volks. - B. hieß auch der Liebling des Anakreon, der seine Schönheit besingt.

Bathymeter, s. Bathometer.

Bathyphon (grch., «Tieftöner»), Klarinette mit Umfang von Kontra-D bis zum kleinen b, von Skorra in Berlin konstruiert.

Bathys (grch.), tief, aber auch hoch, je nach dem Standpunkte des Betrachtenden.

Batilde, s. Balthilde.

Batiment (frz., spr.-máng), Gebäude: Fahrzeug, Schiff.

Baetis, lat. Name des Guadalquivir; danach benannt die röm. Provinz Baetica (s. Hispania).

Bätisches Gebirgssystem, Cordillera Penibética, Gesamtbezeichnung für die zahlreichen Sierren in Spanien, die vom Cabo de Palos und Cabo de Gata bis zum Kap Tarifa auf 360 km die Wasserscheide zwischen Guadalquivir und Mittelmeer bilden. Die hervorragendsten Glieder sind: Sierra Nevada, Alpujarras, Sierra Tejeda, Sierra de Ronda, Sierra Bermeja und Sierra del Pinar.

Batist (nach einigen von dem ind. Wort Baftas, d. i. weißer Kattun, nach andern von dem Namen des angeblichen Erfinders Baptiste Chambray, eines flandr. Leinwebers im 13. Jahrh., herzuleiten), ein feiner, leinwandartiger Stoff von loserm Gewebe als Leinwand, bei dem der Einschlag gewöhnlich noch etwas feiner als die Kette ist. Zu demselben wird nur der längste und schönste Flachs verwendet, der am besten im franz. Hennegau gedeiht. Nachdem derselbe möglichst fein und gleichmäßig gesponnen ist, wird er ungebleicht auf gewöhnlichen Leinweberstühlen verarbeitet. Das letztere pflegte früher in kühlen, feuchten Räumen zu geschehen, um den Faden geschmeidig zu erhalten; jetzt erreicht man jedoch durch Schlichten das gleiche Resultat mit Vermeidung jeder gesundheitschädlichen Wirkung. Das fertige Gewebe, das einer gründlichen Reinigung unterworfen wird, stellt in seinen besten Sorten das kostbarste Erzeugnis der Flachsindustrie dar. Man unterscheidet klaren, halbklaren und dichten (holländischen) B.; eine verwandte Art ist die sog. Batistleinwand, die durch stärkere Fäden und größere Dichtheit den Übergang zur gewöhnlichen Leinwand bildet. Seit Jahrhunderten wird die eigentliche Batistweberei in Frankreich und im heutigen Belgien betrieben. Den schönsten B. von außerordentlicher Feinheit und Weiße liefern noch heute die franz. Städte Arras, Bapaume, Cambrai, Lille, Péronne, St. Quentin, Troyes, Valenciennes sowie die Provinz Brabant, besonders Nivelles; indes hat der echte B. durch die zunehmende Fabrikation ähnlicher Gewebe in Baumwolle beträchtlich an Bedeutung verloren, während Batistleinwand größern Absatz findet und außer in Frankreich und Belgien auch in England und Irland, Böhmen, Schlesien, Sachsen und Westfalen (Bielefeld) hergestellt wird. Der schottische B. (Batistmusselin), so genannt, weil die Fabrikation desselben von Schottland ausging, ist ein feiner, batistartig gewebter Baumwollstoff, jetzt vorzüglich in England, Frankreich, der Schweiz, in Böhmen und im sächs. Vogtland erzeugt, der infolge der Gleichmäßigkeit des Maschinengespinstes ein schöneres Aussehen als selbst der echte B. hat, weniger haltbar, aber auch weit wohlfeiler als dieser, daher sehr beliebt ist und als Kleiderstoff mit feinen Dessins bedruckt wird.

Batjan oder Batchian, eine zu den Molukken (s.d.), dem östlichsten Teile des unter der Herrschaft der Niederländer stehenden ostind. Archipels, gehörende Insel, westlich von der südl. Halbinsel der größern Insel Halmahera oder Dschilolo gelegen, bildet mit den in ihrer Nähe gelegenen Inselgruppen, z.B. Tawali und Mandioli, das Reich von B. von 2643 qkm (allein 2164 qkm) Fläche. Das Reich B. steht unter einem eingeborenen Sultan, einem Vasallen der niederländ.-ind. Regierung. Unter letzterer unmittelbar steht auf der Hauptinsel B.