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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bauchatmen; Bauchbeine; Bauchbruch; Baucheingeweide; Baucheisen; Baucher; Bauchfell; Bauchfellentzündung

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Bauchatmen – Bauchfellentzündung

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Bauch'

welche von den sieben untern Rippen entspringen und quer nach der Mittellinie des B. zu verlaufen, wo sie sich mit einer sehnigen Fortsetzung an die linea alba anheften. Durch die kräftige Zusammenziehung dieser Bauchmuskeln sowie durch den Verschluß der Stimmritze nach einer vorausgegangenen tiefen Einatmung (sog. Bauchpresse) wird ein starker Druck auf die Baucheingeweide ausgeübt, der als wichtiges Austreibungsmoment bei Stuhlentleerung, Harnlassen und als Geburtsmechanismus in Betracht kommt und auch bei Erbrechen und forcierter Ausatmung wirksam ist.

Die Bauchhöhle ist beim Weibe größer als beim Manne behufs der Empfängnis und Austragung des Kindes; sie wird inwendig ausgekleidet durch das Bauchfell (s. d.). Die Lagerung der Eingeweide in der Bauchhöhle ist im allgemeinen folgende: in der Mitte der Oberbauchgegend liegt der Magen, im rechten Hypochondrium die Leber, im linken die Milz; in der Nabelgegend der Dünndarm, in der Hüft- und Lendengegend der Dickdarm, in der Nähe der Lendenwirbel die Nieren; in der Unterbauchgegend in der Mitte die Blase und dahinter bei Frauen die Gebärmutter sowie der Mastdarm auf dem Kreuzbein. (S. Tafeln: Die Baucheingeweide des Menschen I, II.) Die Bauchhöhle ist nicht überall ganz geschlossen, sondern ihre Wandungen besitzen mehrere Durchtrittsöffnungen für verschiedene Organe; im Zwerchfell Öffnungen für die großen Blutgefäße und die Speiseröhre, in der vordern Bauchwand den Leistenkanal für den Samenstrang, durch den die Leistenbrüche hervortreten, und den Schenkelkanal, der Veranlassung zu den Schenkelbrüchen geben kann, endlich am Boden der Beckenhöhle verschiedene Öffnungen für Gefäße und Nerven sowie für den After und die Harnröhre.

Bauchatmen, s. Atmung (Bd. 2, S. 49a).

Bauchbeine, s. Raupen.

Bauchbruch (Hernia ventralis), ein Eingeweidebruch, bei welchem das Eingeweide nicht durch eine der natürlichen Bruchpforten, sondern an einer beliebigen andern Stelle der Bauchwand hervortritt. (S. Bruch, medizinisch.)

Baucheingeweide, s. Bauch.

Baucheisen, s. Drehmeißel.

Baucher (spr. boscheh), François, franz. Hippolog, geb. 1796 zu Versailles, war Leiter einer Privatreitbahn in Paris. Er veröffentlichte ein neues System der Abrichtung des Pferdes und der Reitkunst, welches das Pferd zum willenlosen Werkzeuge in der Hand des Reiters machen sollte. Unter Napoleon III. erhielt B. eine Anstellung am kaiserl. Marstall. Er starb 14. März 1873 zu Paris. Seine Werke sind: «Dictionnaire raisonné d’équitation» (2. Aufl., Par. 1849; deutsch Lpz. 1844), «Dialogues sur l’équitation» (Par. 1843), «Passetemps équestres» (ebd. 1840) und «Méthode d’équitation basée sur nouveaux principes» (13. Aufl., ebd. 1867; deutsch von Willisen, 4. Aufl., Berl. 1852), sein Hauptwerk, das in viele Sprachen übersetzt wurde. Von den Schriften für und gegen das System B.s sind in Frankreich die von d’Aure, Aubert und Rul, in Deutschland die von Leidler und Seeger zu nennen.

Bauchfell (Peritonaeum), eine dünne, glänzende, feuchte, seröse Haut, welche das Innere der Bauchhöhle auskleidet und die meisten darin gelegenen Organe teils vollständig (Magen, Darm, Leber, Milz), teils unvollständig (Harnblase, Gebärmutter) überzieht, so daß sie leicht beweglich und ↔ doch gesondert nebeneinander liegen. Von sämtlichen Unterleibsorganen befinden sich nur die Nieren ganz außerbalb des B. Denkt man sich diese Organe hinweggenommcn, so bildet das B. einen großen, völlig geschlossenen Sack mit nach innen vorspringenden Falten, welche, indem sie sich aneinander legen, das Netz (s. d.) und das Gekröse bilden, durch welches letztere die Gedärme nach hinten befestigt (gleichsam an einem Tuche aufgehangen) sind. Für gewöhnlich sondert das B. eine geringe Menge wässeriger Flüssigkeit ab, welche eben hinreicht, es feucht und schlüpfrig zu erhalten und dadurch den von ihm überzogenen Organen einen gewissen Grad von Beweglichkeit zu gewähren. Nimmt die Absonderung dieser Flüssigkeit krankhafterweise zu, so entstehen bisweilen Ansammlungen einer großen Flüssigkeitsmenge in der Bauchhöhle, welcher Zustand als Bauchwassersucht (s. d.) bezeichnet wird. Nicht selten wird das B. von entzündlichen Affektionen befallen. (S. Bauchfellentzündung.)

Bauchfellentzündung, Unterleibsentzündung (Peritonitis), die Entzündung des die Bauchwand und die Bauchorgane überziehenden Bauchfells (s. d.). Sie ist meist mit wässerigen oder eiterigen Ausschwitzungen in den Bauchraum verbunden und betrifft entweder das ganze Bauchfell (allgemeine oder diffuse B.) oder nur einzelne Teile desselben (partielle oder cirkumskripte B.). Bei allen Entzündungen des Bauchfells ist die Oberfläche desselben stark gerötet, glanzlos und mit einer dünnen, gelblichen Lage geronnenen Faserstoffs bedeckt, durch welche die einzelnen Darmschlingen miteinander verklebt sind; in der Bauchhöhle selbst findet sich eine mehr oder weniger reichliche, oft sehr bedeutende Menge einer trüben, flockigen, bisweilen rein eiterigen Flüssigkeit. Die B. tritt nur selten infolge von Erkältung, oder unbekannten atmosphärischen Einflüssen auf (rheumatische B.); häufiger entsteht sie nach schweren Kontusionen und Verwundungen des Unterleibs (traumatische B.), ferner durch Fortpflanzung von Entzündungen und geschwürigen Prozessen der Unterleibsorgane auf das Bauchfell, wie dies bei eingeklemmten Brüchen, bei Kotstauungen, Darmverschlingungen, Entzündungen der weiblichen Geschlechtsorgane, der Leber, Milz u. s. w. nicht selten vorkommt (fortgeleitete B.), sowie durch Eindringen fremdartiger Substanzen (Darminhalt, Blut, Eiter, Luft u. s. w.) in die Bauchhöhle bei Zerreißung und Perforation der vom Bauchfell überzogenen Organe, wie z. B. bei perforierenden Magen- und Darmgeschwüren, beim Durchbruch von Leber- und Milzabscessen und ähnlichen Vorgängen (Perforationsperitonitis). Weiterhin unterscheidet man noch die tuberkulöse und die krebsige B., bei welcher sich zahllose kleine Tuberkel- oder Krebsgeschwülste im Bauchfellüberzug bilden und dort durch ihren Reiz chronische Entzündungszustände unterhalten. Die im Wochenbett auftretende B. nimmt ihren Ausgang von der verletzten Gebärmutterschleimhaut und beruht auf dem Eindringen zahlloser Bakterien und anderer mikroskopischer Pilze in die entzündeten Gewebe des Genitalapparats. (S. Kindbettfieber.)

Die B. gehört in den meisten Fällen zu den gefährlichsten Entzündungen; sie beginnt meist mit mehr oder weniger hoher Temperatursteigerung und mit heftigen, schon durch leisen Druck auf das äußerste gesteigerten Schmerzen,die sich nicht selten über den ganzen Unterleib ausbreiten; bald gesellt

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 500.