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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bauchflosser - Bauchspeicheldrüse

sich hierzu infolge der Lähmung der Darmmuskulatur hartnäckige Stuhlverstopfung und hochgradige Austreibung des Unterleibs sowie durch Hinausdrängen des Zwerchfells eine oft gefahrdrohende Behinderung der Atmung. Häufig finden sich auch Übelkeit, Erbrechen und Drang zum Urinlassen. Unter Steigerung dieser Beschwerden tritt, bisweilen schon nach 3-4 Tagen, der Tod ein; erfolgt Heilung, was nur dann geschieht, wenn es gelingt, die veranlassenden Ursachen zu beseitigen, so lassen die Schmerzen, die Austreibung des Leibes und das Fieber allmählich nach, und der Kranke kann sich vollständig erholen, doch bleiben auch nicht selten für das ganze Leben, infolge der stattgefundenen Verwachsungen und Knickungen der Gedärme, die mannigfachsten Störungen im Unterleibe, habituelle Verstopfung und kolikartige Zustände zurück. Die Behandlung besteht hauptsächlich in ruhiger Lagerung, in möglichster Beschränkung der Darmbewegungen durch häufig wiederholte Gaben von Opium oder Morphium sowie durch Beschränkung der Nahrungszufuhr, in örtlichen Blutentziehungen und Anwendung der Kälte vermittelst Eisbeutel und kalter Kompressen; bei anämischen Kranken, welche die Kälte nicht vertragen, sieht man oft gute Erfolge von warmen Umschlägen, welche durch Erschlaffung der Hautgefäße eine günstige Ableitung von den Därmen hervorrufen. Gegen Erbrechen und Durst ist das Darreichen von Eispillen zweckmäßig, gegen den quälenden Meteorismus das Aussaugen der Darmgase durch ein eingeführtes Mastdarmrohr. In der Rekonvalescenz ist die Diät noch lange streng zu überwachen. - Vgl. Henoch, Klinik der Unterleibskrankheiten (3. Aufl., Berl. 1863).

Bauchflosser, s. Abdominales.

Bauchfüße, s. Raupen.

Bauchfüßer, s. Schnecken.

Bauchkneipen, s. Blähungen und Kolik.

Bauchkrebse, s. Rankenfüßer.

Bauchmuskeln, s. Bauch.

Bauchpilze, s. Gasteromyceten.

Bauchpresse, s. Bauch.

Bauchredner oder Ventriloquisten (vom lat. venter, der Bauch, und loqui, reden), solche Personen, die nicht sowohl durch eine besondere Organisation der Stimmwerkzeuge, als durch eingeübte Fertigkeit Töne und Worte hervorbringen können, ohne daß sie den Mund wirklich bewegen, und zwar so, daß der Zuhörer glauben muß, die Stimme komme irgendwo anders her (über das Physiologische vgl. Sievers, Grundzüge der Phonetik, 3. Aufl., Heilbr. 1885). Der Name entstand aus der irrigen Voraussetzung, daß die Stimme im Bauche gebildet werde. Die Kunst besteht nur darin, daß der B., nachdem er tief eingeatmet hat, langsam und graduiert auszuatmen und dabei die Luft einzuteilen, den Ton der Stimme aber mittels der Muskeln des Kehlkopfes und besonders des Gaumensegels so abzuändern versteht, daß die Töne bald aus größerer, bald aus geringerer Ferne zu kommen scheinen. Übrigens tragen auch Haltung und Richtung des Kopfes sowie die mimische Darstellung viel zur Täuschung bei. Diese Kunst ist sehr alt; schon Jesaias gedenkt eines B. Die Griechen, die sie für ein Werk der Dämonen hielten, nannten die B. Engastrimanten (Bauchwahrsager), auch Eurykliden, nach Eurykles, der zu Athen die Bauchrednerei trieb. - Vgl. A. de la Chapelle, Le ventriloque, ou l'engastrimythe (2 Bde., Lond. 1772); Hardy, Ventriloquism made easy (neue Ausg., ebd. 1866); Lund, Die Bauchrednerkunst (2. Aufl., Lpz. 1890); Schulz, Die Kunst des Bauchredens (2. Aufl., Erfurt 1891); Flatau und Gutzmann, Die Bauchrednerkunst (Lpz. 1894).

Bauchsammler, Bienen, welche am Bauch lange Haare besitzen, zwischen denen der Pollen gesammelt wird.

Bauchschlägigkeit, s. Dampf (in der Tierheilkunde).

Bauchschnitt (Laparatomia), die operative Eröffnung der Bauchhöhle, wobei die Bauchdecken und das Bauchfell mit dem Messer durchschnitten werden, um entweder Verschlingungen der Gedärme zu lösen oder fremde in dieselbe oder in andere Organe der Bauchhöhle gedrungene Körper daraus zu entfernen, Geschwülste, namentlich größere Geschwülste des Eierstocks (s. Ovariotomie) zu exstirpieren oder andere Operationen, z. B. den Kaiserschnitt (s. d.), in der Bauchhöhle vornehmen zu können. Unter allen Umständen zählt der B. zu den schwierigsten und gefährlichsten Operationen, weil durch das leichte Vorfallen der Gedärme durch die Wunde hindurch, ferner durch den Zutritt von Luft und Blut in die Bauchhöhle sowie durch die Schwierigkeit eines genügenden Abflusses der Wundsekrete der Kranke in großer Gefahr schwebt; doch sind in der neuesten Zeit infolge der sog. antiseptischen Verbände, durch welche die in der Luft enthaltenen fäulniserregenden Substanzen von der Wunde fern gehalten werden, sowie durch die ausgedehnte Anwendung der sog. Drainage, welche die Verhaltung des Wundsekrets verhindert, eine Reihe der glücklichsten Erfolge bekannt geworden. Um die Ausbildung der Operationsmethoden haben sich in England Baker und Wells, in Deutschland Hegar, Veit, Olshausen, A. Martin, Schröder und Sänger, in Amerika Sims Verdienste erworben.

Bauchschwangerschaft oder Abdominalschwangerschaft (Graviditas extra-uterina), derjenige regelwidrige Zustand der Schwangerschaft, bei dem die Frucht statt in der zu ihrer Entwicklung bestimmten Gebärmutter in der Bauchhöhle sich entwickelt, indem das befruchtete Ei entweder unmittelbar aus dem sog. Graafschen Follikel des Eierstocks oder erst nach Zerreißung der Muttertrompete in die Bauchhöhle gelangte. In der Mehrzahl der Fälle kommt die Frucht nicht zur vollständigen Ausbildung. Dieselbe stirbt ab und wird von Kalksalzen umlagert und imprägniert (sog. Steinkind, Lithopaedion, welches oft viele Jahre lang ohne Beschwerden im Leibe der Mutter getragen wird), oder die Frucht löst sich auf und wird mittels Absceßbildung durch die Bauchwandungen oder die Gedärme nach außen geschafft. Bisweilen wird es aber auch nötig, die Frucht durch den Bauchschnitt (s. d.) zu entfernen.

Bauchspeicheldrüse oder Pankreas, eine 14 bis 18 cm lange und 3 cm dicke, in der Bauchhöhle unmittelbar hinter dem Magen quer vor der Wirbelsäule liegende Drüse von länglich-platter Gestalt und 60 bis 100 g Gewicht, deren rechtes, breiteres Ende der Kopf, und deren linkes, schmäleres der Schwanz genannt wird. Diese Drüse sondert einen speichelähnlichen, stark klebrigen, alkalischen Saft, den sog. Bauchspeichel (Succus pancreaticus) ab, der sich durch einen eigenen Ausführungsgang (Ductus pancreaticus s. Wirsungianus) in den Zwölffingerdarm ergießt und für die Verdauung (s. d.) des aus dem Magen dahin ge-^[folgende Seite]