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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Baudissin (Wolf Wilh., Graf von) - Bauer (Bruno)

Goldoni in "Ital. Theater" (ebd. 1877). Vgl. die Mitteilungen aus Briefen und Tagebüchern in dem von seiner Witwe zusammengestellten "Gedenkbuch" (1880, als Manuskript gedruckt). Eine Lebensskizze B.s schrieb G. Freytag ("Gesammelte Werke", XVI).

Baudissin, Wolf Wilh., Graf von, prot. Theolog, Neffe des vorigen, geb. 26. Sept. 1847 zu Sophienhof in Holstein, studierte in Erlangen, Berlin, Leipzig und Kiel, habilitierte sich 1874 zu Leipzig, wurde 1876 außerord. Professor in Straßburg, 1880 ord. Professor daselbst und 1881 in Marburg. Er veröffentlichte: "Translationis antiquae arabicae libri Jobi quae supersunt" (Lpz. 1870), "Eulogius und Alvar. Ein Abschnitt span. Kirchengeschichte aus der Zeit der Maurenherrschaft" (ebd. 1873), "Jahve et Moloch sive de ratione inter deum Israelitarum et Molochum intercedente" (ebd. 1874), "Studien zur semit. Religionsgeschichte" (2 Hefte, ebd. 1876-78), "Die Geschichte des alttestamentlichen Priestertums untersucht" (ebd. 1889).

Baudius, Auguste, s. Wilbrandt, Adolf.

Baudrier (frz., spr. bodrĭeh), Wehrgehenk.

Baudrillart (spr. bodrĭjahr), Henri Joseph Leon, franz. Nationalökonom, geb. 28. Nov. 1821 zu Paris, war Professor der polit. Ökonomie an der École des ponts et chaussées, Chefredakteur des "Journal des Économistes", seit 1863 Mitglied der Akademie und starb 23. Jan. 1892 zu Paris. Unter seinen Werken sind hervorzuheben: "Manuel de l'économie politique" (1857; 5. Aufl. 1885), "Des rapports de la morale et l'économie politique" (1860; 2. Aufl. 1883 u. d. T. "Philosophie de l'économie politique"), "Publicistes modernes" (1862; 2. Aufl. 1863), "La liberté du travail, l'association et la démocratie" (1865), "La famille et l'éducation en France dans leurs rapports avec l'état de la société" (1874), "Histoire du luxe" (4 Bde., 1878-80), "Lectures choisies d'économie politique" (1883), "Manuel d'éducation morale et d'instruction civique" (1885), "Les populations agricoles de la France" (2 Bde., 1880 u. 1885).

Baudry (spr. bodrih), Paul Jacques Aimé, franz. Maler, geb. 7. Nov. 1828 zu La Roche-sur-Yon, erhielt 1850 den ersten großen Preis der Malerei mit dem dreijährigen Stipendium für Rom. Einer der Hauptrepräsentanten der franz. Kunst des zweiten Kaiserreichs, trat er 1857 im Salon mit seinem Bilde: Das Glück und das Kind (Galerie Luxembourg) auf, in dem sich das Studium der großen Venetianer verriet. Nachdem er sich hierauf eine Zeit lang des Broterwerbes halber mit Porträtmalerei beschäftigt hatte, führte er in den J. 1855-61 aus: Die Hinrichtung der Vestalin (1857; Museum von Lille), Die Toilette der Venus (1859; Museum zu Bordeaux) und Charlotte Corday nach der Ermordung Marats (1861; Museum in Nantes). Später wandte sich B. vorzugsweise der Behandlung mytholog. und allegorischer Gegenstände zu. Es erschien von ihm 1863 Die Perle und die Woge (Geburt der Venus), ein Bild von süßlicher Sinnlichkeit und akademischer Kälte. 1866 begann er die Dekorationsarbeiten für das Foyer der Großen Oper zu Paris, die er 1874 vollendete; die drei großen Deckengemälde stellen dar Melodie und Harmonie, Tragödie und Komödie, die beiden Seitengemälde den Parnaß und die Apotheose Homers. B.s Hauptwerk wurde die Verherrlichung des Gesetzes als Deckengemälde für den Kassationshof in Paris, wofür er 1881 die Ehrenmedaille des Salons erhielt. 1882 entstanden eine Allegorie der Wahrheit und ein Plafond mit der Hochzeit Amors und Psyches (für Vanderbilt in Neuyork), 1883 die dekorativen Malereien für Schloß Chantilly. B. starb 17. Jan.1886 zu Paris. - Vgl. Ephrussy, Paul B., sa vie et son œvre (Par. 1887).

Baudry d'Asson (spr. bodri dassóng), Léon Charles Armand de, franz. Politiker, geb. 15. Juni 1836 zu Rocheservière in der Vendée, Großgrundbesitzer und seit 1876 legitimist. Mitglied der Deputiertenkammer, wo er sich durch das Ungestüm seiner Reden wiederholt parlamentarische Strafen zuzog. Als er 11. Nov. 1880 im Sitzungssaal erschien, trotzdem er 2 Tage vorher auf 14 Tage von den Kammersitzungen ausgeschlossen war, wurde er auf Befehl des Kammerpräsidenten gewaltsam entfernt. Später wurde er Boulangist.

Bauer, s. Bauer, Bauerngut, Bauernstand (S. 505 a)

Bauer, Käfig, s. Vogelbauer.

Bauer, Andreas Friedr., Mechaniker, Mitinhaber der Firma König & Bauer (s. d.).

Bauer, Ant., Kriminalist, geb. 16. Aug. 1772 zu Marburg, studierte an der Universität daselbst, wo er seit 1793 Vorlesungen hielt und 1797 Professor wurde; 1813 wurde er nach Göttingen versetzt, 1819 Senior des Spruchkollegiums. Er starb 1. Juni 1843 in Göttingen. Seine "Grundsätze des peinlichen Rechts" (Marb. 1806), später umgearbeitet als "Lehrbuch des Strafprozesses" (Gött. 1835; 2. Aufl., von Morstadt, ebd. 1848) erschienen, waren das erste selbständige Lehrbuch dieser Wissenschaft. In seinem "Lehrbuch des Naturrechts" (Marb. 1808; 3. Aufl., Gött. 1825) und den "Grundlinien des philos. Kriminalrechts" (Gött. 1825) zeigte er sich als Anhänger der Feuerbachschen Theorie. Eine zum Teil von dieser abweichende, die sog. Warnungstheorie, stellte er zuerst in dem "Lehrbuch des Strafrechts" (Gött. 1827; 2. Aufl. 1833), sodann in einer besondern Schrift: "Die Warnungstheorie, nebst einer Darstellung und Beurteilung aller Strafrechtstheorien" (ebd. 1830) auf. Ferner erschienen von ihm "Lehrbuch des Napoleonischen Civilrechts" (2. Aufl., Marb. 1812), "Beiträge zur Charakteristik und Kritik des Code Napoléon" (ebd. 1810), "Anleitung zur Kriminalpraxis" (Gött. 1837), "Strafrechtsfälle" (4 Bde., ebd. 1835-39), "Abhandlungen aus dem Strafrecht und Strafprozesse" (3 Bde., edd. 1840-43) sowie einige Schriften über die Entwürfe des hannov. Strafgesetzbuchs und der Strafprozeßordnung, an deren Abfassung er beteiligt war. Seit Begründung des Deutschen Bundes mit der Ausarbeitung vieler Privatgutachten in sog. illustren Rechtssachen beauftragt, fand er Veranlassung zur Herausgabe der "Beiträge zum deutschen Privatfürstenrecht" (Gött. 1839).

Bauer, Bruno, Philosoph, Theolog und Historiker, geb. 6. Sept. 1809 zu Eisenberg im Herzogtum Sachsen-Altenburg, studierte zu Berlin und habilitierte sich 1834 als Privatdocent in der theol. Fakultät daselbst, siedelte aber 1839 nach Bonn über. Wegen seiner freien Kritik der Evangelien 1842 seiner Stellung enthoben, kehrte er nach Berlin zurück, wo er bis an sein Ende schriftstellerisch thätig war. Er starb 13. April 1882 in Rixdorf bei Berlin. In seinen ersten Schriften: "Zeitschrift für spekulative Theologie" (Berl. 1836-38) und "Kritik der Geschichte der Offenbarung", Teil 1: "Die Religion des Alten Testaments" (2 Bde., ebd. 1838), zeigte sich B. als entschiedener Anhänger der spekulativ-ortho-^[folgende Seite]