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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Baumannshöhle - Baumbach

An den Stanley-Fällen mußte er krankheitshalber umkehren; auf der Heimreise besuchte er die Insel Fernando Po. 1888 ging er mit Hans Meyer nach Ostafrika, erforschte Usambara, wobei er in die Hände des Araberführers Buschiri geriet, in Ketten gelegt und erst gegen Lösegeld befreit wurde. 1889 begab er sich abermals nach Montenegro zum Zwecke der kartogr. Aufnahme des centralen Gebirgsstockes. Im Januar 1890 vollendete er im Auftrage der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft die Erforschung Usambaras und bereiste dann das Paregebirge bis zum Kilima-Ndscharo und Norduseguha; auch machte er Vorstudien zu der projektierten Eisenbahn Tanga-Korogwe. Im Dez. 1890 nach Europa zurückgekehrt, begab er sich 1891 wieder nach Ostafrika als Leiter einer der von der deutschen Antisklavereilotterie veranstalteten Expeditionen. Am 17. Jan. 1892 ging er von Tanga aus durch Pare und die Massaisteppe zum Victoria-Njansa, erforschte die östl. Uferländer des Sees, zog dann nach Ruanda, darauf durch Urundi zum Tanganika, wobei er die Quelle des Kagera erreichte, und kehrte über Tabora 25. Febr. 1893 zur Küste zurück, worauf er sich nach Europa einschiffte. Er veröffentlichte: "Fernando Po und die Bube" (Wien 1888), "In Deutsch-Ostafrika während des Aufstandes" (ebd. 1890), "Usambara" (Berl. 1891); "Karte des nordöstl. Deutsch-Ostafrika" (ebd. 1893), "Durch Massailand zur Nilquelle" (ebd. 1894).

Baumannshöhle, eine vielbesuchte Tropfsteinhöhle im Übergangskalksteine des Unterharzes, im Kreis Blankenburg des Herzogtums Braunschweig, am linken Ufer der Bode, 8 km südöstlich von Blankenburg, in der Nähe des Dorfes Rübeland. Sie ist 280 m lang und besteht aus 7 Haupt- und mehrern kleinen Abteilungen. Der Eingang liegt 44 m über der Sohle des Bodethals. In allen Höhlen, namentlich aber in der dritten findet man von Tropfstein gebildete Figuren und Säulen, von denen die schönste die 2½ m hohe sog. Klingende Säule ist. Die B. war schon im 16. Jahrh. unter dem Namen Baumannsholl bekannt und findet sich bereits 1588 in der Harzflora von Thallius erwähnt und 1654 in Merians "Topographie von Braunschweig-Lüneburg" beschrieben. In der Nähe sind auch die Bielshöhle (s. d.) und die Hermannshöhle (s. d.). - Vgl. Leibrock, Die B. (Blankenb. 1863).

Baumaterialien, alle zur Ausführung eines Baues notwendigen Stoffe. Das große Gebiet derselben gliedert man gewöhnlich in Konstruktions- und Ausbaumaterialien, oder in Haupt-, Verbindungs- und Nebenmaterialien. Zu den ersten rechnet man alle zu den Hauptteilen der Gebäude verwendeten Stoffe, wie Steine, Hölzer, Eisen, während zu den zweiten oder Bindemitteln die Luft- und Wassermörtel (s. Mörtel), Kitte, Leim u. s. w. (s. die betreffenden Artikel), und zu den letzten alle übrigen Stoffe gezählt werden. Die Steine werden wieder in natürliche und künstliche unterschieden; erstere je nach ihren Hauptbestandteilen in kiesel-, thon- und kalkartige Gesteine oder je nach ihrer Form in Bruchsteine und Werkstücke, letztere in geformte, gegossene, gebrannte u. s. w. Steine, eingeteilt. Von den Hölzern werden hauptsächlich die Nadelhölzer (Fichte, Tanne, Kiefer) zu Konstruktions- sowie zu Ausbauarbeiten verwendet. (S. Holz und Bauholz.) Da, wo eine besonders starke Inanspruchnahme der B. auf Festigkeit erfolgen oder die Güte und Dauerhaftigkeit derselben erprobt werden soll, findet in den zu diesem Zwecke errichteten Prüfungsanstalten oder Versuchsstationen für B. Ermittelung der Festigkeitskoefficienten statt. Solche Anstalten stehen oft in Verbindung mit Technischen Hochschulen. (S. Prüfungsanstalten.) über die Preise der B. s. die einzelnen Artikel, wie Bauholz, Bruchsteine, Mörtel u. s. w. - Vgl. Wenck, Lehre von den B. (Lpz. 1863); Gottgetreu, Physische und chem. Beschaffenheit der B. (3. Aufl., 2 Bde., Berl. 1880-81); Grueber, Baumaterialienlehre (ebd. 1863); Koller, Künstliche B. (Frankf. a. M. 1894).

Baumbach, Karl Adolf, Politiker, geb. 9. Febr. 1844 zu Meiningen, studierte in Jena, Heidelberg, Leipzig und Berlin Jurisprudenz, trat dann in den Justizdienst des Herzogtums Meiningen und war 1878-90 Landrat in Sonneberg. Im Herbst 1890 wurde er Oberbürgermeister von Danzig. Seit 1880 vertrat er zuerst Meiningen 1, 1884-93 den fünften Berliner Wahlkreis im Reichstage. Hier schloß er sich zuerst der nationalliberalen Partei an, beteiligte sich an der Secession, wurde dann Mitglied der deutschfreisinnigen Partei, zuletzt der freisinnigen Volkspartei. Er war vorzugsweise im Budgetwesen und in der Arbeiterfrage thätig. 1890-93 war er zweiter Vicepräsident des Reichstags und wurde 1891 als Vertreter Danzigs in das preuß. Herrenhaus berufen. B. war außerhalb des Reichstags namentlich im Genossenschaftswesen thätig; von größern Arbeiten ist zu erwähnen: "Staatslexikon" (Lpz. 1882), "Der Deutsche Reichstag" (Bresl. 1890).

Baumbach, Moritz von, geb. 23. Febr. 1789 zu Maastricht, war 1831 bei der Einführung der kurhess. Verfassung Mitglied des Oberappellationsgerichts. Er begann seine öffentliche Wirksamkeit als Abgeordneter der Ritterschaft zum ersten verfassungsmäßigen Landtage (April 1831 bis Juli 1832), wo er Vicepräsident, dann Präsident wurde und sich als treuer Anhänger der Verfassung zeigte. Als der Landtag 1832 durch Hassenpflug aufgelöst wurde, verblieb B. in dem ständischen Ausschusse, der ohne Erfolg eine Anklage gegen Hassenpflug einleitete. Als B. abermals zum Landtagsabgeordneten gewählt wurde, versagte ihm Hassenpflug den Urlaub und versetzte ihn 1834 als Obergerichtsdirektor nach Rinteln. Erst 1839 gestattete man ihm wieder den Eintritt in den Landtag, der ihn aufs neue zum Präsidenten wählte. Im März 1848 wurde ihm das Justizministerium übertragen. Eine Reihe wichtiger Gesetze bezeichneten sein Wirken, bis 23. Febr. 1850 Hassenpflug die oberste Leitung des kurhess. Staates wieder in die Hand nahm. Durch ihn erhielt B. eine Stellung als Obergerichtspräsident zu Marburg, nahm aber bald mit Verzicht auf alles Einkommen seinen Abschied, da er den von Hassenpflug versuchten Umsturz der kurhess. Verfassung nicht anzuerkennen vermochte. Er starb 15. Juni 1871 zu Cassel.

Baumbach, Rudolf, Dichter, Bruder von Karl Adolf B., geb. 28. Sept. 1840 zu Kranichfeld in Sachsen-Meiningen, studierte in Leipzig, Würzburg, Heidelberg und Freiburg i. Br. Naturwissenschaften. Seit 1865 war er mehrere Jahre in verschiedenen Städten Österreichs, zuletzt in Triest als Lehrer, später als Schriftsteller thätig; seit 1885 lebt er in Meiningen. Seine Werke zeichnen sich durch Formvollendung und Frische aus; beliebt sind namentlich seine Lieder. Von ihm erschienen: "Zlatorog. Eine (slowenische) Alpensage" (Lpz. 1875; 37. Aufl. 1892), sein nach Form und Auffassung bedeutendstes größeres Werk, "Trug-Gold. Erzählung aus dem 17. Jahrh." (Berl. 1878, unter dem Pseudonym