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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Baumes-Chaudes - Baumgarten (Michael)

ausgenommen, verbreitet sind. Mehrere Arten derselben bäumen auf und legen auch ihre Nester in Bäumen an - daher der Name B. -, während andere stets auf der Erde bleiben. Von den B. sind die Nonnenente (Dendrocygna viduata L.) und die Herbstente (Dendrocygna autumnalis L.) aus Südamerika in europ. Tiergärten zu sehen, wo sie mit Gerste und Grünem gefüttert werden. Der Preis für das Paar schwankt zwischen 60 und 80 M.

Baumes-Chaudes (spr. bohm schohd), eine vielverzweigte 900 m lange Tropfsteinhöhle im franz. Depart. Lozère, am rechten Ufer des Tarn 800 m ü. d. M. gelegen, wichtig durch einen großen, 1878 gemachten Fund menschlicher Skelette aus der neolithischen Periode. Sie besteht aus vielen Gängen und drei Etagen und hat in einer Tiefe von 90 m einen kleinen See. Der Besuch derselben ist nicht ohne Gefahr und nur mit Strickleitern möglich.

Baumes Schnellfluß, s. Flußmittel.

Baumfalk (Falco subbuteo L.), s. Falken.

Baumfällmaschine, s. Sägemaschinen.

Baumfarne, s. Farne und Baum.

Baumfeldwirtschaft, eine Unterart des Waldfeldbaubetriebes (s. d.). Die B. unterscheidet sich von diesem im engern Sinne aber dadurch, daß die landwirtschaftliche Benutzung des Bodens nicht nur einige Jahre, sondern lange Zeit fortgesetzt werden soll. Die Anpflanzung der Fläche mit Bäumen erfolgt deshalb sehr weitläufig in Reihen, die 4-20 m voneinander entfernt sind, der Abstand der Pflanzen in den Reihen beträgt 1-1,5 m. Die B. wurde Anfang des 19. Jahrh. von H. Cotta empfohlen, hat aber eine größere Verbreitung mit Recht nicht gefunden. Vgl. Cotta, Die Verbindung des Feldbaues mit dem Waldbau oder die B. (mit 3 Fortsetzungen; Dresd. 1819-22). Außerforstlich bezeichnet man die Verbindung des Obstbaues mit dem Feldbau, wie sie vielfach mit Vorteil in Böhmen, Süddeutschland u. s. w. angewendet wird, als B.

Baumfrevel, die Beschädigung von Bäumen. Der B. wird entweder als Sachbeschädigung (s. d.) oder als Feld- oder Forstpolizeiübertretung bestraft. Die härtern Strafen der Sachbeschädigung treten jedenfalls ein, wenn es sich um Bäume handelt, welche zum öffentlichen Nutzen oder zur Verschönerung öffentlicher Wege, Plätze oder Anlagen dienen. Bezüglich anderer Bäume unterscheiden die verschiedenen Gesetzgebungen verschieden und nehmen je nach der Höhe des Schadens oder dem Motiv des Thäters (Rache, Bosheit, Mutwille) Sachbeschädigung oder Feldfrevel an. Das preuß. Gesetz vom 1. April 1880 scheidet nach der Höhe des Schadens und straft unbefugtes Laubpflücken, Zweigebrechen, Beschädigung (auch von Baumpfählen und Schutzvorrichtungen) als Forst- oder Feldpolizeiübertretung, wenn der Schaden 10 M. nicht übersteigt.

Baumg., bei botan. Namen Abkürzung für Johann Christian Gottlob Baumgarten, geb. 7. April 1765 zu Luckau, gest. als Physikus in Schäßburg in Siebenbürgen 29. Dez. 1843.

Baumgarten, Alexander Gottlieb, Philosoph, Bruder von Siegmund Jakob B., geb. 17. Juli 1714 zu Berlin, studierte zu Halle und wurde, nachdem er eine Zeit lang an der dortigen Universität gelehrt, 1740 ord. Professor der Philosophie zu Frankfurt a. O., wo er 20. Mai 1762 starb. Er ist der Begründer der Ästhetik (s. d.). Die Idee einer solchen Wissenschaft stellte er zuerst auf in der Schrift "De nonnullis ad poema pertinentibus" (Halle 1735). Aus seinen Diktaten entstanden G. F. Meiers "Anfangsgründe aller schönen Wissenschaften" (3 Bde., Halle 1754-59), worauf er selbst seine "Aesthetica acroamatica" (2 Bde., Frankf. a. O. 1750-58) erscheinen ließ, deren Vollendung aber sein Tod verhinderte. Übrigens hatte er fast überall bei Aufstellung seiner Regeln bloß die sog. redenden Künste vor Augen. Sein Werk "Metaphysica" (Halle 1739; 7. Aufl. 1779; deutsch von G.F. Meier, 1783) ist noch jetzt ein gutes Buch für das Studium der Metaphysik der Wolfschen Schule. - Vgl. G. F. Meier, Leben B.s (Halle 1763); Schmidt, Leibniz und B. (ebd. 1875).

Baumgarten, Herm., Historiker, geb. 28. April 1825 in Lesse im Braunschweigischen, studierte 1842-48 in Jena, Halle, Leipzig, Bonn und Göttingen Philologie und Geschichte, redigierte seit 1848 einige Jahre die "Deutsche Reichszeitung" in Braunschweig, hielt sich dann histor. Studien halber in Heidelberg, München und Berlin auf und wurde 1861 Professor der Geschichte und Litteratur am Polytechnikum in Karlsruhe, 1872 an der Universität zu Straßburg; 1889 legte er seine Professur nieder, um sich ganz der Vollendung seines Hauptwerks: "Geschichte Karls V." (Bd. 1-3, Stuttg. 1885-92), zu widmen. Er starb 19. Juni 1893 in Straßburg. Von seinen histor. Arbeiten sind außerdem zu erwähnen: "Geschichte Spaniens zur Zeit der Französischen Revolution" (Berl. 1861), "Geschichte Spaniens vom Ausbruch der Französischen Revolution bis auf unsere Tage" (3 Bde., Lpz. 1865-71), "Über Sleidans Leben und Briefwechsel" (Straßb. 1878), "Vor der Bartholomäusnacht" (ebd. 1882), "Karl V. und die deutsche Reformation" (Halle 1889). Ferner veröffentlichte er: "Gervinus und seine polit. Überzeugungen" (anonym, Lpz. 1853), "Zur Verständigung zwischen Süd und Nord" (Nördl. 1859), "Partei oder Vaterland?" (Frankf. 1866), "Der deutsche Liberalismus. Eine Selbstkritik" (Berl. 1867), "Wie wir wieder ein Volk geworden sind" (Lpz. 1870), "H. von Treitschkes deutsche Geschichte" (Straßb. 1883). Seine "Histor. und polit. Reden und Aufsätze" wurden mit einer biogr. Einleitung von Marcks herausgegeben (ebd. 1894).

Baumgarten, Michael, prot. Theolog, geb. 25. März 1812 zu Haseldorf in Holstein, studierte seit 1832 in Kiel, habilitierte sich daselbst 1839, wurde 1846 Pastor zu Schleswig, 1850 ord. Professor in Rostock. Obwohl selbst auf dem Boden des positiven Luthertums stehend, geriet B., allem hierarchischen Wesen feind, doch bald in Zwiespalt mit dem mecklenb. Oberkirchenrat und wurde 1856 aus der theol. Prüfungskommission entlassen, 1858 seiner Professur enthoben. Die auf diesen Konflikt bezüglichen Schriften: "Eine kirchliche Krisis in Mecklenburg" (Braunschw. 1858), "Der kirchliche Notstand in Mecklenburg" (Lpz. 1861), "An die Freunde aus dem Gefängnis" (Berl. 1862), trugen ihm zweimalige Verurteilungen zu Gefängnis- und Geldstrafe wegen Preßvergehen ein. Seitdem wirkte er durch Schriften und Vorträge für eine Neugestaltung der evang. Kirche. B. nahm trotz seines Festhaltens am luth. Bekenntnis 1865 an der Gründung des Deutschen Protestantenvereins teil, aus dem er 1877 austrat. Vgl. B.s Schriften: "Der Deutsche Protestantenverein, ein heil. Panier im neuen Deutschen Reich" (Berl. 1871) und "Eine Krisis innerhalb des Deutschen Protestantenvereins" (Rost. 1876). B. wurde 1874, 1877 und 1878 in den Reichstag gewählt, wo er der Fort-^[folgende Seite]