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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Baurat - Bausch und Bogen

ist Mitglied des Centralausschusses für Innere Mission. Seiner Richtung nach gehört B. der Gruppe der positiven Union an. Als Geistlicher richtete er sein Augenmerk auf eine volkstümliche Predigt, auf Belebung des geistlichen Volksliedes und der christl. Volksfeste; von seinen Schriften gehören dahin das "Beicht- und Kommunionbuch" (5. Aufl., Gotha 1886) und "Lazarus von Bethanien und seine Schwester" (2. Aufl., Gieß. 1869). Seine Predigtart zeigt sich in dem Jahrgang "Predigten über freie Texte": "Christus und die Gemeinde" (Brem. 1889). Der Neubelebung christl.-patriotischer Gesinnung dienen vor allem die "Geschichts- und Lebensbilder aus der Erneuerung des religiösen Lebens in den deutschen Befreiungskriegen" (5. Aufl., Hamb. 1893) und "Das deutsche evang. Pfarrhaus" (3. Aufl., Brem. 1884); ferner "Das Leben des Freiherrn vom Stein" (3. Aufl., Berl. 1891), "Friedrich Christoph Perthes" (2. Aufl., Barm. 1879), "E. M. Arndts Leben" (5. Aufl., Hamb. 1883), "Lebensbilder aus der Geschichte der Kirche und des Vaterlandes" (Brem. 1887) und "Prinzeß Wilhelm von Preußen" (2. Aufl., Hamb. 1888). Seine Gesamtanschauung giebt das Buch: "Von der Liebe, ein Zeugnis für lebendiges Christentum" (3. Aufl., Stuttg. und Calw 1887). Mit R. Kögel und Emil Frommel giebt er die "Neue Christoterpe" heraus.

Baurat, entweder ein amtlicher Diensttitel (s. Baubeamter) oder auch ein Titel, der an hervorragende Privatarchitekten, Kommunaltechniker als besondere Auszeichnung, den staatlichen Bauinspektoren gewöhnlich nach einem gewissen Dienstalter verliehen wird. Höhere Verdienste werden durch die im Range höher stehenden Titel Geh. Baurat, in Österreich Oberbaurat geehrt. Auch Lehrern der Architektur und der Ingenieurwissenschaften wird der Titel B. verliehen.

Baure, Indianerstamm, s. Amerikanische Rasse (Bd. 1, S. 526 b).

Baurecht, s. Baupolizei, Bauordnung, Baurecht.

Baureederei, s. Reederei.

Baurente, die Rente, die von dem durch das Haus dargestellten Kapitale herrührt, im Unterschiede von der eigentlichen Grund- und Bodenrente.

Bauro-Insel, s. San Christobal.

Bausand, der zur Mörtelbereitung bestimmte Sand. Man unterscheidet verschiedene Arten, den Grubensand, der in den Alluvial- und Diluvialablagerungen in der Braunkohlenformation, im flachen Lande und sonst gefunden wird, den Flußsand an den Ufern und in den Betten der Flüsse und den Meeressand. Zur Mörtelbereitung ist derjenige B. vorzuziehen, der frei von Salzen, Thon und Pflanzenstoffen, scharfkantig und feinkörnig ist. Unreiner Sand kann durch Waschen, ungleichmäßiger durch Sieben verbessert werden. Künstlichen B. erzeugt man durch Pochen von Sandsteinabfällen.

Bausbäckchen, Thüringer, s. Landhuhn.

Bäuschel, in Österreich der Gesamtname für Milch, Rogen und Bündel (Gedärme) vom Karpfen, woraus man eine sehr gute Fastensuppe herstellt.

Bauschinger, Johann, Mathematiker und Bautechniker, geb. 11. Juni 1834 zu Nürnberg, wurde 1866 Professor am Realgymnasium in München, 1868 ord. Professor für technische Mechanik und graphische Statik an der Technischen.Hochschule in München und Vorstand der mit derselben verbundenen mechanisch-technischen Versuchsanstalt für Baumaterialien. In letzterer Eigenschaft hat B. eine sehr erfolgreiche Thätigkeit entfaltet. Er war Einberufer der ersten 1885 zu München veranstalteten Versammlung zur Aufstellung von Vereinbarungen und einheitlichen Prüfungsmethoden und Präsident der 1890 in Berlin zu demselben Zweck tagenden internationalen Konferenz. Zahlreiche Versuche, Neuerungen an Apparaten, wie der nach ihm benannte "Bauschingersche Spiegelapparat zur Bestimmung der Längenänderungen unter Zug- und Druckbeanspruchung" rühren von ihm her. Außer Abhandlungen in Fachzeitschriften veröffentlichte B.: "Indikator-Versuche an Lokomotiven" (Lpz. 1869), "Elemente der graphischen Statik" (Münch. 1871; 2. Aufl. 1880); "Mitteilungen aus dem mechan.-technischen Laboratorium der Technischen Hochschule in München" (22 Hefte, ebd. 1873-93; im letzten ein Nachruf an B. von Martens). Er starb 25. Nov. 1893 in München.

Bauscht, s. Papier.

Bauschulen, die zur Ausbildung in der Baukunst und Bauwissenschaft errichteten Lehranstalten. Solche bestanden bereits im frühen Mittelalter in den Klöstern. Berühmt waren die B. von Cluny, Fulda, St. Gallen. Bei den Steinmetzen der spätern Zeit bestand eine unmittelbare Übertragung des Wissens der Meister auf den Gesellen in den Bauhütten (s. d.). Durch diese können die Dombauten als B. betrachtet werden. Berühmt waren im 15. Jahrh. die Jungherren von Prag als Lehrer der Baukunst. Eine Bauschule in modernem Sinne scheint zuerst von Bernardo Buontalenti (geb. 1536, gest. 1608) in Florenz gegründet worden zu sein. Von hervorragender Bedeutung war die Gründung einer Bauakademie durch den Minister Colbert zu Paris (1660), deren erster Leiter François Blondel (1617-86) wurde. Dies Beispiel fand bald mehrfache Nachahmung. So entstand in Berlin an der Akademie der Künste eine Bauschule unter Leitung von Andreas Schlüter. Seit 1799 bestand ferner dort eine Bauakademie, die seit 1835 ein hervorragendes, von Schinkel errichtetes Gebäude innehatte und 1879 mit der Gewerbeakademie zur Technischen Hochschule vereinigt wurde. Von großem Einfluß auf die Bildung der Geschmacksrichtung wurde namentlich die Bauschule an der Dresdener Akademie. Zu Anfang dieses Jahrhunderts begann man mit der Gründung niederer B. vorzugehen. Es entstanden die Baugewerkenschulen (s. d.), deren Zweck ist, Handwerksmeister für das Baufach vorzubilden. Heute sind dergleichen Anstalten im ganzen Reich verteilt. Die höhern B. (Polytechnische Schule, Technische Hochschule, s. d.) lehren dagegen die Baukunst und die Bauwissenschaften in allen ihren Teilen. Sie finden eine Ergänzung in den namentlich in Frankreich, aber auch in Wien, Berlin, Dresden vorhandenen Meisterateliers und den deutschen Bauakademien, die dem vorgebildeten jungen Manne Gelegenheit bieten, sich in der künstlerischen Seite seines Faches weiter auszubilden. Auch die Gewerbeschulen (s. d.) sind zum Teil B.

Bausch und Bogen, eine Wortverbindung, die nur in der Redensart: In Bausch und Bogen, d. h. soviel wie im ganzen, ohne Rücksichtnahme auf Einzelheiten, vorkommt. Ein Kauf in B. u. B. (en bloc) ist ein solcher, der sich über einen ganzen Vorrat einer Ware erstreckt. Ebenso kann die Seefracht in B. u. B., d. h. in einer runden Summe für das ganze Schiff oder einen Teil desselben bedungen werden. Entsprechend ist der ebenfalls beim Seefrachtwesen übliche Ausdruck: in der Ruse (affréter en entier), das Schiff für eine Fahrt ganz mieten.