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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bay-Inseln; Bayerwald; Bayeux; Bayle

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Bayerwald - Bayle

Rechtsverfassung der Baiwaren (Nürnb. 1866); Heigel und Riezler, Das Herzogtum B. zur Zeit Heinrichs des Löwen und Ottos von Wittelsbach (Münch. 1867). – Zur neuern Geschichte: Heigel, Die Wittelsbacher (Münch. 1880); ders., Aus drei Jahrhunderten (Wien 1881); ders., Neue histor. Vorträge und Aufsätze (Münch. 1883); ders., Quellen und Abhandlungen (ebd. 1884: Neue Folge 1890); ders., Histor. Vorträge und Studien, 3. Folge (ebd. 1887); ders., Der österr. Erbfolgestreit (Nördl. 1877); ders., Ludwig Ⅰ., König von B. (2. Aufl., Lpz. 1888); Sepp, Ludwig Augustus (Schaffh. 1869); Lerchenfeld, Geschichte B.s unter König Maximilian Joseph Ⅰ. (Berl. 1854); Du Moulin Eckart, B. unter dem Ministerium Montgelas 1799–1817 (Bd. l, Münch. 1894); Venanz Müller, Maximilian Ⅱ., König von B. (Regensb. 1864).

Bayerwald, s. Böhmerwald.

Bayeux (spr. bajöh). 1) Arrondissement im franz. Depart. Calvados, hat 948,89 qkm, (1891) 68745 E., 136 Gemeinden und zerfällt in die 6 Kantone Balleroy (221,31 qkm, 13164 E.), B. (80,49 qkm, 12463 E.), Caumont (142,05 qkm, 9186 E.), Isigny (209,18 qkm, 14526 E.), Ryes (121,43 qkm, 9272 E.), Trévières (174,43 qkm, 10134 E.). – 2) Hauptstadt des Arrondissements B. im franz. Depart. Calvados in der Normandie, im fruchtbaren Thale der Aure, 8 km vom Meere, an der Linie Mantes-Cherbourg der Franz. Westbahn, ist altertümlich und, außer der Hauptstraße, schlecht gebaut, aber ein wohlhabender Ort. Die Kathedrale, die vom Bischof Robert des Ableiges (gest. 1231) angefangen, später mehrmals verschönert wurde, zeichnet sich durch ihre herrlichen Portale und ihre drei Glockentürme von überraschender Kühnheit aus. B. ist der Sitz eines Bischofs, eines Civil- und Handelsgerichts, einer Handelskammer, hat ein großes und ein kleines Seminar, Kommunal-Collège, Museum, öffentliche Bibliothek von 15000 Bänden, Gesellschaften für Kunst, Wissenschaft, Litteratur und Ackerbau, 2 Zeitungen und 1 Theater, 1 Mönchs- und 6 Nonnenklöster. Die Stadt hat mit ihren vier Vorstädten (1891) 7147, als Gemeinde 8102 E., ansehnliche Porzellan-, Spitzen- und Mützenfabriken, Baumwollspinnereien und lebhaften Handel mit Schlachtvieh und Pferden, mit Butter, Getreide, Geflügel und Äpfeln sowie mit Cider und Wein. In der öffentlichen Bibliothek wird die im 18. Jahrh. wieder aufgefundene berühmte Tapisserie de B. aufbewahrt, eine ausgezeichnete, 50 cm in der Höhe, 70,3 m in der Länge messende Stickerei auf feiner weißer Leinwand, die in meisterhafter Anordnung und mit lat. Erläuterungen versehen, in 58 Gruppen die Hauptereignisse der Eroberung Englands durch Wilhelm den Eroberer darstellt. Die Arbeit soll von Mathilde, der Gemahlin Wilhelms, gefertigt sein; gewiß ist nur, daß sie dem 11. Jahrh. angehört. Das nicht nur in künstlerischer, sondern auch geschichtlicher Beziehung bedeutende Werk wurde von Thierry in dessen «Histoire de la conquête de l'Angleterre par les Normands» (Bd. 1) beschrieben und seitdem mehrfach in Stahlstich und 1879 von J. Comte in 79 Blättern photographisch vervielfältigt.

B., die alte Hauptstadt der gallischen Baiocasses, war in der Römerzeit als Augustomagnus, wie Reste einer Wasserleitung und eines Gymnasiums beweisen, eine bedeutende Stadt. Im frühern Mittelalter Baiocassis und Baiocä (Baiocum), wurde es seit etwa 360 Bischofssitz (Baioca) und Hauptort einer fränk. Gaugrafschaft, Baiocassinus, der spätern Landschaft Bessin, des Litus Saxonicum, wo Karl d. Gr. überwundene Sachsen angesiedelt hatte. Im 9. Jahrh. wurde es von dem Normannen Rollo erstürmt und hielt sich als Mittelpunkt der normann. Herrschaft am längsten frei von franz. Art und Sitte. Im engl. Kriege wurde die Stadt 1346 von Eduard Ⅲ., 1417 von Heinrich Ⅴ., 1450 von Dunois erobert. Im 16. Jahrh. litt sie viel durch die Hugenottenkriege, erlebte unter Ludwig ⅩⅢ die blutige Bestrafung der rebellischen «Va-nu-pieds», unter Ludwig ⅩⅣ. die grausame Verfolgung der Protestanten. In der Revolutionszeit hielt sie mit ihrer zahlreichen Geistlichkeit treu zu den Bourbonen. – Vgl. F. Pluquet, Essai historique sur B. (1830). ^[Spaltenwechsel]

Bay-Inseln, s. Bai-Inseln.

Bayle (spr. behl), Pierre, franz. Freidenker und Dialektiker, geb. 18. Nov. 1647 zu Carlat in der Grafschaft Foix, empfing den ersten Unterricht von seinem Vater, einem reform. Geistlichen, besuchte dann die Schule zu Puy-Laurens, wo anhaltende Studien seine Gesundheit für immer schwächten, und studierte zu Toulouse Philosophie bei den Jesuiten. Hier wurde er bewogen, zum Katholicismus überzutreten; aber seine Familie that alles, ihn wieder für die reform. Kirche zu gewinnen, und so kehrte er nach 17 Monaten zu ihr zurück. Hierauf studierte er in Genf und Coppet die Philosophie des Descartes. Nach einigen Jahren kehrte B. nach Frankreich zurück, ließ sich zuerst in Rouen nieder und lebte dann in Paris, wo er Unterricht erteilte, bis er 1675 den philos. Lehrstuhl zu Sedan erhielt, auf welchem er mit Auszeichnung bis zur Aufhebung dieser Akademie, 1681, lehrte. Hierauf ward er auf den philos. Lehrstuhl nach Rotterdam berufen. Infolge seiner freisinnigen Ansichten namentlich vom Theologen Jurieu heftig angegriffen, wurde er 1693 seines Amtes entsetzt und ihm selbst die Erteilung von Privatunterricht verboten. Fortwährende Angriffe und Streitigkeiten verbitterten seine letzten Lebensjahre. Er starb 28. Dez. 1706.

Veranlaßt durch die Erscheinung eines Kometen 1680, gab er seine «Pensées diverses écrites à un docteur de Sorbonne, à l'occasion de la comète qui parut au mois de décembre 1680» (Rotterd. 1682 u. ö.; nebst «Addition» [1694] und «Continuation» [2 Bde., 1705]; in 5. Aufl. vereinigt, 4 Bde., 1721) heraus, ein Werk voll Gelehrsamkeit, in welchem viele Gegenstände aus der Metaphysik, Moral, Theologie, Geschichte und Politik abgehandelt werden. Diesem folgte die «Critique générale de l'histoire du Calvinisme de Mr. Maimbourg» (4 Bde., Villefranche 1684). Die in Holland herrschende Preßfreiheit veranlaßte ihn, mehrere in Frankreich unterdrückte Bücher herauszugeben, u. a. einige auf Descartes sich beziehende Schriften. Er unternahm 1684 mit Bernard, La Roque u. a. eine periodische Schrift: «Nouvelles de la république des lettres» (56 Bde., Amsterd. 1684–1718). Die Religionsverfolgungen in Frankreich gaben ihm Veranlassung zu dem angeblich aus dem Englischen übersetzten «Commentaire philosophique sur ces paroles de Jésus Christ: Contrains-les d'entrer» (3 Bde., Canterbury 1686), der eine kräftige Verteidigung der Grundsätze der Toleranz enthält. Sein «Dictionnaire historique et critique» (zuerst 2 Bde., Rotterd. 1695 u. 1697; neuere Aufl. 1702; am vollständigsten von Desmaiseaux, 4 Bde., Amsterd. und