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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bazancourt

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Bazancourt

Die mexik. Expedition von 1862 bis 1864 verschaffte B. wirklichen militär. Ruf. Anfänglich war er Kommandant von Veracruz, dann führte er die 1. Division unter General Forey. Am 8. Mai 1863 schlug er den juaristischen General Comonfort bei San Lorenzo und bewirkte dadurch 18. Mai die Übergabe Pueblas. Nach der Abberufung Foreys übernahm B. 1. Okt. 1863 den Oberbefehl über die franz. Armee in Mexiko. Zunächst suchte B. die Häupter der liberalen Partei, den General Donaldo und den Expräsidenten Comonfort, an sich zu ziehen. Später suchte er die Maßregeln des Kaisers Maximilian zu vereiteln (s. Mexiko). Auch vermählte sich B. mit einer reichen Mexikanerin, deren Familie zu den entschiedensten Feinden des neuen Kaiserreichs gehörte. Sein Verhältnis zum Kaiser Maximilian blieb bis zum Abzug der Franzosen ein sehr gespanntes, und dieser erbat deshalb wiederholt, jedoch erfolglos, die Abberufung B.s. Anfang 1867 begann der Abzug der Franzosen; am 12. März schiffte sich B. mit dem Rest der Truppen zu Veracruz ein.

Durch Dekret vom 5. Sept. 1864 war B. zum Marschall von Frankreich erhoben worden. Nach Frankreich zurückgekehrt, befehligte er das 3. Armeekorps (Nancy), bis er 1869 als Oberbefehlshaber der Kaisergarde nach Paris berufen wurde. 1870 übernahm B. das Kommando des 3. Armeekorps der sog. Rheinarmee. Im August zum Oberbefehlshaber der Rheinarmee ernannt, versammelte er alle Korps bei Metz, wohin er auch den größten Teil des 6. Korps (Marschall Canrobert) von Châlons her heranzog. B. erkannte die Unmöglichkeit, die Mosellinie zu halten, und wollte das Heer hinter die Maas führen, um sich bei Châlons mit der Armee des Marschalls Mac-Mahon zu vereinigen. Durch die Schlachten bei Colombey-Nouilly (14. Aug.) und Mars-la-Tour-Vionville (16.Aug.) verzögerte sich jedoch der Abmarsch seines Heers, das bei Gravelotte (18. Aug.) geschlagen und nach Metz hineingeworfen wurde. Ein Teil der deutschen Streitkräfte schloß die Rheinarmee B.s im Lager von Metz ein. B. versuchte mehrmals, besonders am 31. Aug. und 1. Sept. (Schlacht von Noisseville), den ihn umgebenden eisernen Ring zu durchbrechen. Die Nachricht vom Sturze Napoleons veranlaßte B. zunächst, von größern Unternehmungen Abstand zu nehmen. Da jedoch seit der Kapitulation von Sedan die letzte Hoffnung auf Entsatz geschwunden war, überdies Mangel an Lebensmitteln, Krankheiten und allgemeine Hilflosigkeit der Truppen die Lage zu einer verzweifelten machten, so blieb B. nichts übrig, als sich 27. Okt. 1870 mit 173000 Mann und dem gesamten Kriegsmaterial dem Prinzen Friedrich Karl zu ergeben (s. Metz). Auf Grund der Kapitulation ging er mit seiner ganzen Armee in Kriegsgefangenschaft nach Deutschland; er selbst wurde zu Cassel interniert.

Von franz.Seite wurde gegen B. der Vorwurf erhoben, er habe seine Ausfälle nicht mit gehöriger Energie ausgeführt, weil er die Armee dem Napoleonischen Kaisertum in Hoffnung auf dessen Wiederherstellung habe erhalten wollen. Ein Manifest Gambettas beschuldigte B. sogar offen des Verrats. Diese Anklagen aber waren nicht gerechtfertigt. Nach Abschluß des Präliminarfriedens, der ihm seine Freiheit wiedergab, siedelte B. mit seiner Familie nach Genf über; später kehrte er nach Frankreich zurück, wurde zunächst unbelästigt gelassen, im Mai 1872 aber des Verrats angeklagt und verhaftet. Am 6. Okt. 1873 begannen die öffentlichen Verhandlungen des Kriegsgerichts unter Vorsitz des Herzogs von Aumale. Lachaud, der berühmteste Advokat Frankreichs, führte mit Unterstützung seines Sohnes die Verteidigung. Es wurden 272 Zeugen vorgeladen, deren Aussagen indes den objektiven Thatbestand der Anklage nicht feststellten. Am 10. Dez. wurde B. mit Stimmeneinhelligkeit zum Tode und zur Degradation u. s. w. verurteilt, indessen 12. Dez. vom Präsidenten der Republik, Mac-Mahon, unter Bestätigung der Degradation, zu 20jähriger Festungshaft begnadigt. B. wurde 26. Dez. 1873 in das Fort der Insel Ste. Marguerite bei Cannes gebracht, begleitet von seinem treu ergebenen Adjutanten, Oberst Villette; auch seine Gattin und sein Sohn erhielten die Erlaubnis, dort zu wohnen. In der Nacht vom 9. zum 10. Aug. 1874 gelang es jedoch der Gattin B.s, den Marschall aus der Haft zu befreien und an Bord eines genues. Dampfers zu bringen. B. reiste durch die Schweiz über Köln nach Belgien, wo er zunächst blieb. Anfang 1875 verlegte er seinen Wohnsitz nach Madrid und hielt sich seitdem von jeder polit. Thätigkeit fern. Er starb verlassen von seiner Frau in ärmlichen Verhältnissen 23. Sept. 1888 zu Madrid. B. schrieb: «Rapport sommaire sur les opérations de l'armée du Rhin du 13 Août au 29 Octobre 1870» (Berl. und Genf 1871; deutsch von Mels, Berl. 1871), «Bataille de Rezonville, le 16 Août 1870. Rapport du maréchal» (Brüss. 1870), «L'armee du Rhin depuis le 12 Août jusqu'au 29 Octobre 1870» (Par. 1872; deutsch Lpz. 1872). In Madrid veröffentlichte er noch zu seiner Rechtfertigung: «Épisodes de la guerre de 1870 et le blocus de Metz» (Madrid 1883; deutsch von Wevers, Berl. 1884). – Vgl. von Hanneken, Marschall B. und die Kapitulation von Metz (Darmst.und Lpz. 1873); Lefaure, Procès du maréchal B. Audiences du premier conseil de guerre etc. (Par. 1874); La Brugère, L'affaire B., compte-rendu officiel (ebd. 1874); Der Prozeß B. (Berl. 1874); Der Neue Pitaval, Neue Serie, Bd. 9 (Lpz. 1874); Marchi, La vérité sur l'évasion de B. (Par. 1883); Graf d'Hérisson, La Légende de Metz (ebd. 1888), eine Verteidigung B.s. ^[Spaltenwechsel]

Bazancourt (spr. basangkuhr), César Lécat, Baron de, franz. Schriftsteller, geb. 1810, gest. 25. Juni 1865, war unter Ludwig Philipp königl. Bibliothekar im Schloß von Compiègne. Während des Orientkrieges wurde er 1855 von der Regierung nach der Krim gesendet, um über die Lage Berichte zu erstatten, die als «Cinq mois au camp devant Sébastopol» (1855) erschienen. In der Krim sammelte er auch das Material zu dem interessanten Werke «L'expédition de Crimée jusqu'à la prise de Sébastopol; chronique de la guerre d'Orient» (1. bis 4. Aufl., 2 Bde., 1856; neue Ausg. 1860; deutsch, 2 Bde., Wien 1856). B. wurde 1859 von Napoleon Ⅲ. nach Italien beordert für ein Werk «La campagne d'Italie de 1859» (2 Bde., 1859; 3. Aufl. 1862; deutsch von Seybt, 2 Tle., Naumb. 1860). Vor dieser Thätigkeit hatte sich B. durch einige Salonromane bekannt gemacht: «L'escadron volant de la reine» (2 Bde., 1836), «Un dernier souvenir» (2 Bde., 1840), «A côté du bonheur» (1845), «Le comte de Rienny» (2 Bde., 1845), «Georges le Montagnard» (5 Bde., 1851), «Noblesse oblige» (1851), «La princesse Pallianci» (5 Bde., 1852) u. a. Auch schrieb er eine «Histoire de Sicile sous la domination des Normands» (2 Bde., 1846), die Dar-^[folgende Seite]