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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: B-Dur; B. C. L.; B. D.; Bché.; Bchst.; Bco.; Bdellatomie; Bdellĭum; Bdellomēter; Be; Beach; Beachy-Head; Beaconsfield

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Bché. - Beaconsfield

Bché., als Abkürzung bei botan. Namen soviel wie Bouché (s. d.).

Bchst., bei naturwissenschaftlichen Namen Abkürzung für Joh. Matthäus Bechstein (s. d.).

B. C. L., Abkürzung für Bachelor of Civil Law, der erste (unterste) Grad der jurist. Fakultät in England.

Bco., Abkürzung für Banco (s. d.).

B. D., Abkürzung für Bachelor of Divinity, in England etwa soviel wie Kandidat der Theologie.

Bdellatomie (grch.), ein von J. Beer in Berlin angegebenes Verfahren, bei dem der Blutegel, noch während er saugt, an seinem hintern Ende angeschnitten wird, um hierdurch den Abfluß des von ihm eingesogenen Blutes zu bewirken, während er unausgesetzt fortsaugt; man gewinnt hierdurch eine reichlichere Blutentziehung.

Bdellĭum, ein früher als Heilmittel gebrauchtes, der Myrrhe ähnlich riechendes, bitter schmeckendes Gummiharz, von Balsamodendron africanum Arnott herrührend, das nicht selten in käuflicher Myrrhe und im Senegalgummi gefunden wird. Es wird aus Arabien eingeführt. Eine andere Sorte kommt aus Sind in Ostindien und Belutschistan und stammt von Balsamodendron Mukal Hook. Das afrikanische B. enthält bis 70 Proz. Harz, das in Kali unlöslich ist. Das B. ist vollständig aus dem Handel verschwunden.

Bdellomēter (grch.), s. Blutegel (künstlicher).

B-Dur (ital. be-maggiore; frz. bé-mi; engl. b flat major), Tonleiter b, c, d, es, f, g, a, b; Dreiklang b d f; Vorzeichnung zwei b (für h und e); die parallele Moll-Tonart ist G-moll (s. Ton und Tonarten).

Be, chem. Zeichen für Beryllium (s. d.).

Beach (spr. bihtsch), Sir Michael Hicks, engl. Politiker, geb. 1837 in London, wurde in Eton und Oxford erzogen, 1864 als toryistischer Kandidat für East-Gloucestershire ins Unterhaus gewählt und fand, da er sich durch Kenntnisse und Redetalent bemerkbar machte, schon 1868 eine Anstellung als Sekretär für das Armenwesen im ersten Ministerium Disraeli (Beaconsfield). In dessen zweitem Ministerium wurde er Febr. 1874 Hauptsekretär für Irland und erhielt 1877 einen Sitz im Kabinett. Im Febr. 1878 wurde B. Kolonialminister, und dieses Amt verwaltete er unter schwierigen Verhältnissen (s. Großbritannien und Irland) mit Geschick und Energie bis zum Sturz des Ministeriums Beaconsfield im April 1880. Im Kabinett Salisbury (Juni 1885 bis Febr. 1886) war er Kanzler der Schatzkammer und Führer des Unterhauses, im Ministerium Salisbury 1886 bis März 1887 Generalsekretär für Irland, später (Febr. 1888 bis Aug. 1892) Präsident des Handelsamtes. Er vertritt Bristol im Unterhaus.

Beachy-Head (spr. bihtschi hedd), Vorgebirge an der Südküste Englands, Ausläufer der South-Downs, zwischen Brighton und Hastings, bekannt durch einen Seesieg der Franzosen unter Admiral Tourville über das engl.-holländ. Geschwader unter dem engl. Admiral Herbert Lord Torrington 10. Juli 1690, in dem sog. zweiten Koalitionskriege gegen Ludwig ⅩⅣ. von Frankreich.

Beaconsfield (spr. beck'nsfihld oder bihk'nsfihld), Marktstadt in der engl. Grafschaft Buckingham, 36 km westnordwestlich von London, hat (1891) 1773 E. B. war Lieblingsaufenthalt des Dichters E. Waller und Wohnsitz Edmund Burkes, die beide hier starben und begraben liegen. Nach diesem Orte erhielt Benjamin Disraeli bei seiner Erhebung in die Peerage (1876) den Titel Earl of B. ^[Spaltenwechsel]

Beaconsfield (spr. beck'nsfihld oder bihk'nsfihld), Benjamin Disraeli, seit 1876 Graf von B., engl. Staatsmann und Schriftsteller, geb. 21. Dez. 1804 zu London, stammte aus einer jüdischen, ursprünglich in Spanien angesessenen Familie, die Ende des 15. Jahrh. vor der Inquisition nach Venedig geflüchtet und von dort, Mitte des 18. Jahrh., in England eingewandert war. Er wurde mit seinem Vater Isaak Disraeli (s. d.) 31. Juli 1817 getauft. Die erste Erziehung erhielt B. durch Privatunterricht, arbeitete seit 1821 mehrere Jahre bei einem Londoner Sachwalter, gab aber diesen Beruf 1831 endgültig auf, als sein erster Roman «Vivian Grey» (5 Bde., Lond. 1825–27) mit seiner vortrefflichen Schilderung des höhern engl. Gesellschaftslebens einen glänzenden Erfolg errang und ihn plötzlich zum berühmten Schriftsteller machte. 1828–31 unternahm er eine Reise nach Spanien, Italien und dem Orient, die auf seine Anschauungen maßgebenden Einfluß übte, vor allem gegenüber dem Judentum, das in ihm einen warmen Verteidiger fand. Dieser orient. Einfluß zeigte sich besonders in seinem Roman «The wondrous tale of David Alrov» (1833); vor demselben war erschienen eine Swift nachgebildete Satire «The adventures of Popanilla» (1828) und die Romane «The young Duke» (3 Bde., Lond. 1830) und der bedeutendere «Contarini Fleming, a psychological autobiography» (4 Bde., ebd. 1832); später verfaßte er noch die Romane «Henrietta Temple» (1836) und «Venetia» (1837). Nach der Rückkehr von seiner Reise stürzte B. sich mit Eifer in das polit. Leben, welches damals ganz von dem Kampf um die Parlamentsreform beherrscht war. In einer Broschüre «What is he?» (1832) legte er ein ganz demokratisches Glaubensbekenntnis ab und gab ein die Revolution verherrlichendes «Revolutionary epic» (Lond. 1834; neue Aufl. 1864) heraus. Seine gleichzeitige Bewerbung um einen Parlamentssitz schlug fehl, und es folgte bei ihm eine Annäherung an die Konservativen, so daß er endlich 1837 als Anhänger Peels in das Unterhaus gewählt wurde. Er suchte durch eine auffallende äußere Erscheinung in Kleidung, Gebaren und Redeweise die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, wurde aber bei seinem ersten Auftreten durch das lärmende Gelächter der Zuhörer zum Abbrechen seiner Rede gezwungen. Durch seine Heirat mit Mrs. Wyndham Lewis, einer vermögenden Witwe, Aug. 1839, wurde er äußerlich unabhängig und gewann zugleich in seiner Gattin eine treue, an seiner ganzen Lebensarbeit teilnehmende Gefährtin. Mit zäher Ausdauer erwarb er sich einen allmählich wachsenden polit. Einfluß und gründete zu Anfang der vierziger Jahre mit Lord Manners, George Smythe u. a. die Partei des Jungen Englands (s. d.). Er forderte eine verjüngte Torypartei, die mit demokratischen Grundsätzen für das Volk einträte, darüber aber ein starkes und populäres Königtum; auf Kirche, Monarchie und Volk sollte diese Partei sich stützen. Eine Schilderung des «Jungen England» gab er in einem seiner besten Romane «Coningsby, or the new generation» (3 Bde., Lond. 1844). Ihm folgten mit ähnlichen polit. Ideen «Sybil, or the two nations» (3 Bde., ebd. 1845) und «Tancred, or the new crusade» (3 Bde., ebd. 1847).

Mit seiner wachsenden litterar. wuchs auch seine polit. Bedeutung. Nachdem er Peel zuerst unterstützt hatte, stand er 1846 zu dessen schärfsten schutzzöllnerischen Gegnern. Er griff ihn mit allen