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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bébé; Bebeerīn; Bebeerurinde; Bebek; Bebel

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Bébé - Bebel (Ferd. Aug.)

haben, dafern nicht zur Durchführung eines städtischen Expropriationsgesetzes und zur Niederreißung ganzer Straßen außerordentliche Mittel verfügbar sind, wie in Paris unter Napoleon Ⅲ. und der dritten Republik (Anlage der Rue de Rivoli, der Boulevards de Sébastopol, St. Germain und der äußern Boulevards, der Avenue de l'Opéra und anderer großen Straßen), in London (die großartigen Embankment genannten Uferstraßen an der Themse, die Straßenüberführung Holborn-Viadukt und viele andere), in Wien (Anlage der Ringstraße, Straßendurchbrüche in der innern Stadt), in Berlin (Kaiser-Wilhelmstraße, Neue Friedrichstraße), in Dresden (König-Johannstraße), in Straßburg, Hannover u. a. deutschen Städten, besonders großartig aber in Italien: so in Rom (Via Nazionale, Durchbruch vom Corso zur Engelsburg, Tiberregulierung), in Florenz (Abbruch des Mercato vecchio), in Mailand (Freilegung des Domes), Neapel (Abbruch der von der Cholera betroffenen Stadtteile). In den meisten Fällen wird man sich bei Anlage von B. für alte Stadtteile damit begnügen müssen, die Baufluchten festzustellen und bei Neubauten deren Einhaltung anzuordnen. Nach und nach kann auf diesem Wege eine bessere Bauordnung eingeführt werden (Kärntnerstraße in Wien, Hohestraße in Köln u. a.). Die Aufstellung eines B. kann nur in den seltensten Fällen durch einen Privatmann geschehen. Meist ist sie Sache der Gemeinden, die im Einvernehmen mit dem Staate die Straßen anlegen und die Bauordnungen aufstellen. Von großem Werte ist, daß sie dann auch im Besitz der anliegenden Baugrundstücke sind, deren steigender Wert die Kosten der Neuanlagen vielfach deckt. Dies ist namentlich der Fall, wo durch Auflassung von Festungsringen Stadterweiterungen stattfinden Wien, Magdeburg, Straßburg, Mainz, Köln u. a.). Den Besitzern der einzelnen Grundstücke werden dann im allgemeinen Interesse bestimmte Beschränkungen auferlegt, die oft durch besondere Lokalstatute verschärft werden, um neuen Straßen gewisse Vorrechte zu sichern, wie Vorgärten, nicht zu hohe Häuser u. s. w. – Vgl. R. Baumeister, Stadterweiterungen (Berl. 1876); C. Sitte, Der Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen (Wien 1889); J. Stübben, Der Städtebau (im «Handbuch der Architektur», Tl. 4, Darmst. 1890).

Bébé (frz.), kleines Kind, Puppe.

Bebeerīn, s. Bebeerurinde.

Bebeerurinde, Bibirurinde (Cortex Bibiru, engl. Greenheart-Bark), harte, geruchlose, bitterschmeckende Rinde von zimmetbrauner Farbe, stammt von Nectandra Rodiei Schomb., einem in Britisch-Guayana heimischen Baum aus der Familie der Lauraceen, der das Grünholz (s. d.) liefert. In der B. findet sich ein amorphes, geruchloses, sehr bitter schmeckendes Alkaloid, das Bebeerin oder Bebirin, C19H26NO3 ^[C<sub>19</sub>H<sub>26</sub>NO<sub>3</sub>], welches als Ersatzmittel des Chinins empfohlen wird.

Bebek (im Altertum Chelai), Ortschaft am europ. Ufer des Bosporus, 10 km von Konstantinopel, an einer geschützten, aber klippenreichen Bucht, von Griechen und Armeniern bewohnt und beliebter Sommeraufenthalt der Franken. Am Ufer ein kaiserl. Kiosk, Humajun-Abad, berühmt durch die geheimen Konferenzen, welche hier die Sultane und Großwesire mit europ. Gesandten abhielten.

Bebel, Ferd. Aug., einer der Führer der socialdemokratischen Partei in Deutschland, geb. 22. Febr. 1840 zu Köln, erhielt in der Dorfschule des nahe gelegenen Brauweiler, dann in der Bürgerschule zu Wetzlar seinen Jugendunterricht, erlernte nachher das Drechslerhandwerk, kam 1860 nach Leipzig und ließ sich 1864 dort als Drechslermeister nieder. Seit 1861 hatte sich B. mit großem Eifer der deutschen Arbeiterbewegung angeschlossen, die seit Lassalles Auftreten einen wesentlich socialistischen Charakter angenommen hatte. B. leitete in diesem Sinne den Leipziger Arbeiterbildungsverein, dessen Präsident er seit 1865 war. Auch als Mitglied des ständigen Ausschusses der deutschen Arbeitervereine übte er in socialdemokratischem Sinne Einfluß. Der 17. Wahlkreis des Königreichs Sachsen (Glauchau-Meerane) wählte ihn 1867 in den Norddeutschen Reichstag, ins Zollparlament und 1871 in den Deutschen Reichstag. Hier sowohl wie in der Presse zeigte sich B. als einer der begabtesten Führer seiner Partei, die sich im Unterschiede von der sog. Lassalleschen, national gesinnten, bis 1875 die Eisenacher Arbeiterpartei nannte, und die mit dem von Marx in London geleiteten Internationalen Arbeiterbund in engerer Beziehung stand. (S. Socialdemokratie.) 1872 der Vorbereitung des Hochverrats gegen das Deutsche Reich angeklagt, wurde er nebst Liebknecht zu zwei Jahren Festungshaft und wegen Beleidigung des Deutschen Kaisers zu neunmonatiger Gefängnisstrafe verurteilt. Das ihm gleichzeitig aberkannte Reichstagsmandat erhielt er bei einer Neuwahl im Jan. 1873 von seinem alten Wahlkreise wieder. 1877 nahm er ein Mandat für Dresden an, und 1881 wurde er von Leipzig-Land auch in den sächs. Landtag gewählt. Bei der Reichstagswahl dieses Jahres unterlag er viermal in der Stichwahl, erhielt aber 1883 in einer Nachwahl das Mandat für den ersten Hamburger Wahlkreis, den er bis März 1893 vertrat. Auf Grund des Socialistengesetzes aus Leipzig ausgewiesen, nahm B. seinen Aufenthalt in Plauen bei Dresden. 1886 wurde er nebst andern socialistischen Führern wegen Geheimbündelei zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Nach Erlöschen des Socialistengesetzes (1. Okt. 1890) siedelte er nach Berlin über, infolgedessen er sein sächs. Landtagsmandat niederlegte (Sept. 1891), beteiligte sich dort an der Redaktion des socialistischen Hauptorgans, des «Vorwärts», und gehört dem Parteivorstand (seit 1892 neben Singer als Vorsitzender) an. Bei der Neuorganisation der Partei im Herbste 1890 trat er für die Wirksamkeit der Partei auf gesetzlichem Boden, insbesondere durch Beteiligung am Parlamentarismus, ein. Auf den internationalen Kongressen in Paris 1889, Brüssel 1891 und Zürich 1893 spielte er eine hervorragende Rolle. 1893 zweimal in den Reichstag gewählt, nahm er das Mandat für Straßburg (Stadt) an. Auf dem Parteitag 1894 geriet er in betreff der Landagitation mit den bayr. Parteigenossen unter von Vollmar in einen harten Konflikt, der sich auch noch später fortsetzte. Auch in Agitationsschriften und größern Arbeiten hat B. gewirkt: «Unsere Ziele», «Der deutsche Bauernkrieg» (Braunschw. 1876), «Die parlamentarische Thätigkeit des Deutschen Reichstags und der Landtage» (Berl. 1876), «Christentum und Socialismus», «Die Frau in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft» (Zür. 1883; 23. Aufl. u. d. T. «Die Frau und der Socialismus», Stuttg. 1894), «Die mohammed.-arab. Kulturperiode im Orient und Spanien» (Stuttg. 1884; 2. Aufl. 1889), «Charles Fourier» (ebd. 1888), «Die