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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Beck (Heinr.); Beck (Joh. Nepomuk); Beck (Joh. Tobias); Beck (Karl); Becken (anatomisch)

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Beck (Heinr.) – Becken (anatomisch)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Beck (Friedrich, Freiherr von)'

nieren und dem ehemaligen Generalquartiermeisterstabe und nahm auch 1848 und 1849 an den Gefechten in Ungarn sowie an der Erstürmung von Brescia teil. 1854 zum Hauptmann ernannt, war er 1859 Generalstabschef der Division Reischach, zeichnete sich als solcher 1859 in Italien besonders in den Gefechten bei Candia und in der Schlacht bei Magenta aus, wo er schwer verwundet wurde, und war 1860–61 als Protokollführer der Militärkommission beim Deutschen Bunde thätig. 1861 avancierte B. zum Major und war bis 1864 Flügeladjutant des Feldmarschalls Freiherrn von Heß; dann bis 1867 Major, Oberstlieutenant und Oberst bei der Generaladjutantur des Kaisers, von dem er in dem Feldzuge von 1866 und später bei der Occupation von Bosnien (1878) mehrmals in Specialmissionen nach dem Kriegsschauplatze entsendet wurde, was ihn zuerst in weitern Kreisen bekannt machte. 1867 zum Vorstande der Militärkanzlei, 1874 zum Generaladjutant des Kaisers und auch zum Geheimrat ernannt, avancierte B. 1878 zum Feldmarschalllieutenant und wurde in den Freiherrenstand erhoben. 1881 wurde er zum Chef des Generalstabes, 1882 zum Oberstinhaber des Infanterieregiments Nr. 47 und 1888 zum Feldzeugmeister ernannt, 1885 auch in das Herrenhaus des Reichsrates berufen. 1867 nahm B. in hervorragender Weise an den Beratungen über die Neuorganisation der königl. ungar. Honvedarmee teil. 1893 erhielt er den preuß. Schwarzen Adlerorden.

Beck, Heinr., Schauspieler, geb. 1760 in Gotha, ging 1777 zur dortigen Bühne, die unter Ekhofs Leitung stand. Nach dessen Tode siedelte er mit den meisten Gothaer Künstlern ans Mannheimer Nationaltheater über. Seine Freundschaft mit Beil und Iffland förderte die Leistungen der gediegenen Schauspielgesellschaft ungemein. Während sich Schiller in Mannheim aufhielt, trat B. zu ihm in ein freundschaftliches Verhältnis. Als Iffland 1796 Mannheim verließ, wurde B. von seinen Kunstgenossen zum Nachfolger erwählt. Der Kurfürst von Bayern berief ihn 1800 als Regisseur nach München, wo er 6. Mai 1803 starb. B. spielte Helden, Liebhaber und Bonvivants. Von seinen Dramen erhielten sich die Lustspiele «Die Schachmaschine» (Berl. 1798), «Die Quälgeister» (Frankf. 1802) und «Das Kamäleon» (Frankf. 1803) am längsten. – B.s erste Gattin war Karoline geborene Ziegler, eine hochbegabte, namentlich von Schiller bewunderte Schauspielerin, geb. 3. Jan. 1766 zu Mannheim, gest. 14. Juli 1784 daselbst.

Beck, Joh. Nepomuk, Baritonist, geb. 5. Mai 1828 zu Pest, besuchte das Piaristengymnasium seiner Vaterstadt und debütierte 1846 als Opernsänger mit Erfolg auf dem Deutschen Theater zu Pest. Nachdem er zu Wien seine künstlerische Ausbildung vollendet hatte, folgte er einem Rufe nach Hamburg, ging 1848 nach Bremen und war hierauf nacheinander in Köln, Mainz, Würzburg, Wiesbaden und seit 1851 in Frankfurt engagiert. 1853 wurde B. erster Bariton an der kaiserl. Oper in Wien, 1862 Kammersänger; 1885 trat er in den Ruhestand. B. besaß eine wunderbar schöne, gewaltige und biegsame Stimme und ein außerordentliches Talent für die Darstellung leidenschaftlicher Partien.

Beck, Joh. Tobias, evang. Theolog, geb. 22. Febr. 1804 zu Balingen in Württemberg, studierte seit 1822 in Tübingen, wurde 1827 Pfarrer zu Waldthann bei Creilsheim, 1829 Stadtpfarrer zu ↔ Mergentheim, 1836 außerord. Professor in Basel, 1843 ord. Professor in Tübingen, wo er 28. Dez. 1878 starb. Gegenüber der kritisch-spekulativen Schule Baurs (s. d.) begründete B. eine eigene, oft als specifisch württembergisch bezeichnete, realistisch biblische und theosophische Richtung; auf kirchlich-praktischem Gebiete ist seine Geringschätzung aller kirchlichen Anstalten und des Missionswesens charakteristisch. Unter seinen Schriften sind die bedeutendsten: «Einleitung in das System der christl. Lehre» (Stuttg. 1838; 2. Aufl. 1870), «Die christl. Lehrwissenschaft nach den biblischen Urkunden» (Tl. 1, ebd. 1841;. 2. Aufl. 1875), «Umriß der biblischen Seelenlehre» (ebd. 1843; 3. Aufl. 1872), «Gedanken aus und nach der Schrift» (Frankf. 1859; 3. Aufl., Heilbr. 1876; Neue Folge, ebd. 1878), «Leitfaden der christl. Glaubenslehre» (Stuttg. 1862; 2. Aufl. 1869), «Die christl. Liebeslehre» (Fortsetzung des vorigen; 2 Abteil., ebd. 1872 u. 1874); seine «Christl. Reden» sind gesammelt (6 Bde., ebd. 1833–70) erschienen. Aus seinem Nachlaß erschienen: «Erklärung der zwei Briefe Pauli an Timotheus» (Gütersloh 1879), «Pastorallehren des Neuen Testaments» (ebd. 1880), «Vorlesungen über christl. Ethik» (3 Bde., ebd. 1882–83), «Erklärung des Briefs Pauli an die Römer»" (2 Bde., ebd. 1884), «Erklärung der Offenbarung Johannis» (ebd. 1884), «Vorlesungen über christl. Glaubenslehre» (2 Bde., ebd. 1886–87), «Die Vollendung des Reichs Gottes» (ebd. 1887), «Erklärung des Briefs Pauli an die Epheser» (ebd. 1891). – Vgl. Riggenbach, J. T. B. (Bas. 1888).

Beck, Karl, Dichter, geb. 1. Mai 1817 in der ungar. Stadt Baja als Sohn jüd. Eltern, aber der reform. Kirche angehörig, siedelte mit ihnen nach Pest über und studierte in Wien Medizin. 1833 verließ er krankheitshalber die Universität, um sich dem Geschäft seines Vaters zu widmen, gab sehr bald diesen Plan auf und setzte die Studien in Leipzig fort. 1841 ging er nach Pest, 1843 nach Wien, wo er in innigen Verkehr mit Lenau trat, 1844 nach Berlin, nach Ausbruch der Bewegung von 1848 wieder nach Wien und nahm hier, nach mehrjährigem Wanderleben, bleibenden Aufenthalt als Feuilletonredacteur des ministeriellen «Lloyd». Er starb 10. April 1879 zu Währing bei Wien. B.s erstem, mit vielem Beifall aufgenommenen Werke «Nächte. Gepanzerte Lieder» (Lpz. 1838) folgten «Der fahrende Poet» (ebd. 1838), «Stille Lieder» (ebd. 1839), das trotz aller Pracht der Sprache undramat. Trauerspiel «Saul» (ebd. 1841), ein Roman in Versen: «Janko, der ungar. Roßhirt» (ebd. 1842; 3. Aufl. 1870), «Gesammelte Gedichte» (Berl. 1844; 9. Aufl. 1869), «Lieder vom armen Manne» (ebd. 1846; 4. Aufl. 1861), «Aus der Heimat» (Dresd. 1852; 4. Aufl. 1862), «Mater dolorosa» (Roman, Berl. 1853; 2. Aufl. 1854), «Jadwiga» (Lpz. 1863), Erzählung in Versen, «Still und bewegt, zweite Sammlung der Gedichte» (Berl. 1870). B.s Gedichte spiegeln die leidenschaftliche Erregbarkeit seiner Landsleute und die eigentümliche Natur seiner Heimat in klangreichen formvollendeten Versen und lebensvollen, oft jedoch überladenen Bildern wieder. Namentlich in «Janko» tritt sein dichterisches Talent glänzend hervor.

Becken (Pelvis), in der Anatomie die am untern Teile des Rumpfes befindliche knöcherne, oben und unten offene Höhle, welche einen umge-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 610.