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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Becken; Beckengürtel; Beckenhöhle; Beckenried; Becker

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Becken (Musikinstrument) - Becker (Christiane Luise Amalie)

Becken, Cinellen, türkische Teller (ital. piatti), das vorzüglich bei der Janitscharen- oder türk. Musik gebräuchliche Schlaginstrument aus zwei runden Scheiben oder Tellern von Metall (Komposition) mit einer halbrunden, beckenartigen Vertiefung in der Mitte. An der Außenseite der Scheiben ist je ein Griff von Leder befestigt, vermittelst dessen sie mit den Händen gehalten und streifend aneinandergeschlagen werden. Die B. geben einen hellen schwirrenden Klang von unbestimmter Tonhöhe und dienen nebst der großen Trommel zur schärfern Markierung des Rhythmus. Die Notierung für das B. geschieht auf einer beliebigen Linie des Notensystems oder bloß auf einer einzigen Linie, mit Vorsetzung eines Violin- oder Baßschlüssels. Ursprünglich nur bei Militärmusik verwendet, sind die B. nebst den übrigen Schlaginstrumenten nach und nach auch in die Konzert- und Theaterorchester gekommen und können hier, bei nicht mißbräuchlicher Verwendung, in Stücken glänzenden und festlichen Charakters von bedeutender Wirkung sein, wie z. B. in Glucks «Iphigenie in Tauris» im Skythenchor des ersten Akts. Einen unheimlich gellenden Klang geben sie beim Schlage mit einem Klöppel (z. B. in Wagners Tannhäuser-Ouverture); in Kennzeichnung des Entsetzens übertrifft sie nur das Tamtam (s. d.).

Beckengürtel, der im Rumpf gelegene Abschnitt der hintern Extremitäten der Wirbeltiere. Er setzt sich zusammen aus jederseitigem Darm-, Sitz- und Schambein: auch ein Abschnitt der Wirbelsäule (Kreuzbein) kann an seiner Bildung teilnehmen. Bei Beuteltieren und Monotremen kommen noch die Beutelknochen (s. d.) hinzu.

Beckenhöhle, Beckenmesser, s. Becken (in der Anatomie).

Beckenried, schweiz. Luftkurort, s. Buochs.

Becker, Albert, Komponist, geb. 13. Juni 1834 zu Quedlinburg, studierte in Berlin bei Haupt und Dehn Kontrapunkt. 1855 schrieb er seine erste Sinfonie, später eine zweite, die 1861 bei der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien den ersten Preis errang. 1875‒76 komponierte B. eine dritte Sinfonie und seine große B-moll-Messe, die 1879 vom Riedelschen Verein in Leipzig aufgeführt wurde. 1881 wurde er Professor, 1889 Direktor des königl. Domchors. Von ihm erschienen mehrere Hefte Lieder für eine Singstimme, mehrere Psalmen (darunter Psalm 23 hervorragend), Motetten, Kammermusik, Orgelstücke und Fugen, Kantaten für Solo, Chor und Orchester («Müllers Lust und Leid»), eine Reformationskantate u. a. Oft aufgeführt wird sein 1891 erschienenes Oratorium «Selig aus Gnaden». B.s Bedeutung liegt im Gebiet der Kirchenmusik, des kirchlichen a capella-Stils.

Becker, Alexander, Kupferstecher, geb. 21. Dez. 1828 in Berlin, bildete sich auf der dortigen Akademie anfangs als Maler, dann als Stecher aus. So hat er u. a. Die letzten Augenblicke Julius Cäsars, von Piloty, gestochen. Außer Stichen in Linienmanier hat er auch Schabkunstblätter geschaffen. – Sein Bruder, Karl B., geb. 31. Aug. 1827 in Berlin, gest. daselbst 26. April 1891, Schüler Mandels, verfolgte dieselbe Richtung. Er stach u. a.: Christus auf dem Meere, nach R. Richter; Christus auf dem Wege nach Emmaus, nach Plockhorst; das Heil. Abendmahl, nach Leonardo da Vinci.

Becker, August, Landschaftsmaler, geb. 27. Jan. 1821 zu Darmstadt, besuchte das Polytechnikum daselbst und trat 1837 in das Atelier des Hoftheatermalers Schilbach in Darmstadt. Nach mehrern Studienreisen durch das bayr. Hochland, die Schweiz und Norwegen siedelte B. 1852 nach Düsseldorf über, wo er sich mit August Leu aus Königsberg zu längern Studienfahrten in Norwegen sowie in den Tiroler und Schweizer Alpen verband. 1864‒69 hielt sich B. als Gast der Königin von England in Balmoral auf und hielt die Eindrücke der schott. Gebirgsnatur in zwei Cyklen von Landschaft fest, welche sich im Besitz der engl. Königsfamilie und des Königs Karl von Rumänien befinden. Hierauf folgte ein Aufenthalt des Künstlers am Hohenzollernschen Hofe in der Rauhen Alb, eine Studienreise in der östl. Schweiz und 1876 mit dem Grafen Andrássy eine Expedition durch die Karpaten und das Tatragebirge. Von seinen Gemälden besitzt die Galerie in Hannover: ein Mitternachtsbild aus dem Norden (1847), die Jungfrau im Berner Oberlande (1853), den Hardangerfjord in Norwegen (1854); die Galerie in Darmstadt: Norwegisches Hochgebirge (1863). B. starb 19. Dez. 1887 in Düsseldorf. ^[Spaltenwechsel]

Becker, Aug., Schriftsteller, geb. 27. April 1828 zu Klingenmünster in der Rheinpfalz, studierte 1847‒50 zu München Philosophie und Geschichte und trat in die Litteratur mit der Preisnovelle «Die Pestjungfrau» und einem volkstümlichen lyrischen Epos «Jung-Friedel, der Spielmann» (Stuttg. 1854) ein, das Bilder aus dem 16. Jahrh. mit eingestreuten lyrischen Stücken enthält und günstige Aufnahme als Gegenstück zu Redwitz' «Amaranth» fand. Seit 1855 Mitarbeiter der «Allgemeinen Zeitung», leitete er 1859‒64 die «Isar-Zeitung» großdeutsch-liberal und ging dann zur Belletristik über. Sein Roman «Verfehmt» (4 Bde., Berl. 1868) zog B. Angriffe zu, weil er in ihm Persönlichkeiten des bayr. Hofs geschildert haben sollte. Seit Jan. 1868 lebte er in Eisenach, wo er 23. März 1891 starb. Von seinen zum Teil kulturhistor. Romanen und Novellen sind u. a. zu nennen: «Des Rabbi Vermächtnis» (6 Bde., Berl. 1866‒67; neue Aufl., Lpz. 1884), «Hedwig» (2 Bde., Berl. 1868), «Der Nixenfischer» (2 Bde., ebd. 1871), «Das Turmkätherlein» (4 Bde., Lpz. 1872), «Meine Schwester» (4 Bde., Wism. 1876), worin das Treiben der Lola Montez und die 1848er Bewegung in Bayern dargestellt ist, «Maler Schönbart» (3. Aufl., Cassel 1878), «Auf Waldwegen» und «Das alte Bild» (Stuttg. 1881), «Mignons Eiertanz» (Lpz. 1882), «Eine Stimme» (3 Bde., 3. Aufl., Dresd. 1888), «Die Nonnensusel» (3 Bde., Jena 1886), «Der Küster von Horst» (2 Bde., ebd. 1889), «Die graue Jette» (ebd. 1890). B. schrieb technisch gewandt und spannend, ohne Effekthascherei. Die neuern Romane spielen in Norddeutschland, «Die graue Jette» und seine letzten beiden Erzählungen «Vor hundert Jahren» (Stuttg. 1891) in der Rheinpfalz.

Becker, Christiane Luise Amalie, Schauspielerin, geb. 15. Dez. 1778 zu Crossen als Tochter des Schauspielers Joh. Christian Neumann, trat zuerst 1787 in Weimar auf. Durch Corona Schröter ausgebildet, war sie mit 15 Jahren erste Liebhaberin. 1793 heiratete sie den Schauspieler Heinr. B., eigentlich von Blumenthal, starb aber schon 22. Sept. 1797 zu Weimar. Sie war wegen ihrer Natürlichkeit und poet. Art beliebt und bewundert, namentlich von Goethe (Elegie «Euphrosyne»), auch von Schiller und Wieland. Vortreffliches leistete sie als Emilia Galotti, Minna von Barnhelm, Marianne («Geschwister»), Amalie, Klärchen, Ophelia.