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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Becker

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Becker (Herm. Heinr.) - Becker (Karl)

Becker, Herm. Heinr., preuß. Politiker, geb. 15. Sept. 1820 zu Elberfeld, studierte zu Heidelberg, Bonn und Berlin Rechts- und Staatswissenschaft, wurde dann Auskultator und Referendar und ließ sich in letzterer Eigenschaft 1847 nach Köln versetzen. Hier beteiligte er sich an den revolutionären Bewegungen des J. 1848 als polit. Agitator und Journalist (daher der «rote» B. genannt); er wurde seines Amtes entsetzt und zu mehrjähriger Festungshaft verurteilt. Nach Verbüßung derselben arbeitete er einige Jahre in einem Handlungshause zu Dortmund, wobei er sich vielfach mit volkswirtschaftlichen und geschichtlichen Studien beschäftigte. Nachdem ihn der Wahlkreis Bochum-Dortmund im Winter 1861‒62 in das preuß. Abgeordnetenhaus gewählt hatte, gab er seine kaufmännische Thätigkeit auf. Zugleich erhielt er das Amt eines Stadtverordneten in Dortmund und wurde 1871 zum Oberbürgermeister dieser Stadt erwählt. Der Kreis Dortmund übertrug ihm 1867 ein Mandat für den Norddeutschen Reichstag und 1871 für den ersten Deutschen Reichstag, dem er bis 1874 angehörte. Er schloß sich der Fortschrittspartei an und trat namentlich bei kommunalen und wirtschaftlichen Angelegenheiten hervor; doch trennte er sich später in einzelnen Fragen von seiner Partei. 1872 wurde B. als Oberbürgermeister von Dortmund ins Herrenhaus berufen; 1875 beriefen ihn gleichzeitig Königsberg und Köln an die Spitze ihrer Gemeindeverwaltung; er folgte dem letztern Rufe und wurde auch im Herrenhause Vertreter von Köln. Bei der Erneuerung des Staatsrates wurde B. 1884 in denselben berufen. Er starb 9. Dez. 1885 in Köln.

Becker, Jak., Genremaler, geb. 15. März 1810 in Dittelsheim bei Worms, erhielt seit 1833 seine akademische Ausbildung in Düsseldorf, wo Schadow ihn besonders beeinflußte. Indes vertauschte er, besonders seit er 1840 als Professor an das Städelsche Institut nach Frankfurt a. M. übergesiedelt war, die romantische Richtung der Düsseldorfer Schule mit dem Realismus des volkstümlichen Genres. Vornehmlich wußte er das Leben des deutschen Landmanns mit lebendiger Frische zu behandeln. In seinen Gestalten und landschaftlichen Kompositionen ist das poet. Element des Volkslebens glücklich zur Geltung gebracht. Seine besten Werke sind: Die vom Gewitter ereilten Landleute (1840; Nationalgalerie zu Berlin), Der vom Blitz erschlagene Schäfer (1844; Städelsches Institut zu Frankfurt a. M.). Sein Erfolg verminderte sich bei seinen spätern Leistungen: Liebesantrag (Kunsthalle zu Karlsruhe), Die Schmollenden, Die Weinprobe, Die kriegsflüchtigen Dorfbewohner; gleichwohl blieb ihnen die solide und feine Zeichnung eigen. Er starb 22. Dez. 1872 in Frankfurt a. M.

Becker, Jean, Violinspieler, geb. 11. Mai 1833 zu Mannheim, wurde bad. Kammervirtuos, ging 1854 nach Paris, um seine Studien unter Alard abzuschließen. Seit 1857 machte er größere Kunstreisen in fast allen Ländern Europas. Später lebte er längere Zeit in Florenz, teils mit der Leitung der dortigen, von Basevi gegründeten Socièta del Quartetto, teils mit der Bildung eines eigenen Streichquartetts beschäftigt, das, seit 1866 aus B. selbst, den Italienern Masi und Chiostri (Violine und Viola) und dem Schweizer Hilpert (Violoncell) bestehend, zu hoher Vollkommenheit gelangte und als Florentiner Quartett erfolgreich Europa bereiste. B. starb 10. Okt. 1884 in Mannheim. ^[Spaltenwechsel]

Becker, Karl, Maler, geb. 18. Dez. 1820 zu Berlin, erhielt seine erste künstlerische Bildung auf der dortigen Akademie und trat dann in das Atelier A. von Klöbers. 1843 ging er nach München und erlernte hier unter H. Heß die Freskomalerei, darauf als Stipendiat der Berliner Akademie nach Paris und Rom, wo er sich 1845‒47 aufhielt und sich neben dem Studium von Land und Volk hauptsächlich mit der Ausführung mytholog. Bilder beschäftigte. Seine Wandgemälde im Niobidensaale des Neuen Museums zu Berlin, ebenso wie sein Belisar (Museum in Hannover) ließen kühl; erst seine Genrebilder, meist venet. Inhalts (Juwelenhändler beim Senator, 1855; Ravenésche Sammlung zu Berlin), begründeten seinen Ruf. Es folgten: Besuch des Senators, Sitzung des Geheimen Rats, Der Bravo, Karneval von Venedig, Venetianische Balkonscene, Gnadengesuch beim Dogen, Karl Ⅴ. bei Tizian, Dürer bei Tizian, Dürer in Venedig. Kulturhistor. Treue, eine kräftige Färbung, ein novellistischer Zug in dem oft sehr einfachen Vorgange zeichnen alle diese Bilder sowohl wie auch jene aus, deren Stoffe der deutschen Renaissance entnommen sind; so Besuch Karls Ⅴ. bei Fugger (1866; Nationalgalerie zu Berlin), Scene aus «Götz von Berlichingen», Geburtstag des Ratsherrn (Museum zu Königsberg), Abschied des Franz vom Bischof von Bamberg, aus «Götz von Berlichingen». Nicht minder glücklich war er in einigen Rokokostücken: In der Gemäldegalerie (1860) und Bartolo bekennt sich als Vater, aus «Figaros Hochzeit» (1874). In seinen spätern Werken empfindet man bereits die sinkende künstlerische Kraft; so in dem Erzählenden Othello (1880; Museum zu Breslau), im Karneval beim Dogen von Venedig (1884; Nationalgalerie), Othello und Brabantio (1886), Papst Julius Ⅱ. und der Apollo von Belvedere (1887), Don Juan d'Austria zum erstenmal vor seinem Vater Karl Ⅴ. in St. Just (1891; Kunstverein zu Barmen), Lachende Erben (1892 vom Deutschen Kaiser gekauft).

Becker, Karl, Statistiker, geb. 2. Okt. 1823 zu Strohausen in Oldenburg, besuchte seit 1838 die Militärschule zu Oldenburg, wurde 1842 zum Offizier ernannt, wohnte im oldenb. Kontingent den Feldzügen von 1848 und 1849 gegen Dänemark bei, trat 1850 als Hauptmann und Compagniechef in die schlesw.-holstein. Armee und nahm als solcher an dem Feldzuge von 1850 teil. Nach Auflösung der Armee im Frühjahr 1851 studierte B. Volkswirtschaft und Statistik an den Universitäten Göttingen und Berlin, organisierte nach Ablegung des Staatsexamens das zu Anfang 1855 errichtete Großherzoglich oldenburgische statist. Bureau und wurde als dessen Vorstand 1861 zum Ministerialrat ernannt. Unter seiner Leitung erschienen «Statist. Nachrichten über das Großherzogtum Oldenburg» (13 Hefte, Oldenb. 1857‒72) und die «Statistik der Rechtspflege im Großherzogtum Oldenburg»; auch beteiligte sich B. als verantwortlicher Mitredacteur an dem «Magazin für die Staats- und Gemeindeverwaltung im Großherzogtum Oldenburg» (9 Bde., 1860‒69) und nahm an den Konferenzen teil, welche die amtlichen Vertreter der Statistik zum Zwecke einer einheitlichen und in der Methode verbesserten Darstellung der nationalen und staatlichen Verhältnisse Deutschlands wiederholt abhielten. Als Theoretiker erwarb er sich um die richtige mathem. Auffassung der Bevölkerungsbewegung wesentliche Verdienste. Als 1872 das Statistische Amt des