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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Becker

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Becker (Karl Ferd.) - Becker (Oskar)

Deutschen Reichs errichtet wurde, trat er als Direktor desselben in den Reichsdienst. 1878 wurde er Geh. Oberregierungsrat, 1891 trat er in den Ruhestand. Unter seiner Leitung sind außer den «Vierteljahrsheften» (1873‒76), später «Monatshefte zur Statistik des Deutschen Reichs» (1877 fg.), an 120 Bände «Statistik des Deutschen Reichs» erschienen. Von andern litterar. Arbeiten ist besonders eine Abhandlung «Zur Berechnung von Sterbetafeln an die Bevölkerungsstatistik zu stellende Anforderungen» (Berl. 1874) zu nennen, worin er eine elementare Darstellung der von ihm mit angebahnten neuern Methode der Sterblichkeitsstatistik giebt.

Becker, Karl Ferd.,Sprachforscher, geb. 14. April 1775 zu Lieser an der Mosel, besuchte das Priesterseminar zu Hildesheim, wurde hier 1794 Lehrer am Josephinum, studierte seit 1799 in Göttingen Medizin, wirkte seit 1803 als Arzt zu Höxter, wurde 1810 Unterdirektor der Pulver- und Salpeterbereitung im westfäl. Depart. der Leine und des Harzes, 1814 Vorstand mehrerer Kriegshospitäler, 1815 Arzt in Offenbach, wo er 1823 eine Erziehungsanstalt begründete und 5. Sept. 1849 starb. Durch naturwissenschaftliche und philos. Bildung unterstützt, betrachtete B., als er sich in vorgerückten Jahren der Erforschung der Sprache widmete, diese als einen nach streng logischen Gesetzen geordneten Organismus; er glaubte durch Nachweis der Denkformen und ihrer Anwendung in der Sprache eine gemeingültige Grammatik zu schaffen, da die Unterschiede der Sprachen nach ihm nur auf ihrer leiblichen, d. h. lautlichen Seite beruhten. Seine Forschungen trugen für die deutsche Syntax und Stilistik reiche Frucht, wenn sie sich auch mit den Ergebnissen der histor. und vergleichenden Grammatik, die B. fern lag, nur zum Teil decken. B. gewann in einer der philos. Sprachforschung sehr geneigten Zeit großen Einfluß. Auf «Deutsche Wortbildung» (Frankf. 1824) folgte «Organismus der Sprache» als erster Teil einer «Deutschen Sprachlehre» (ebd. 1827), deren zweiter die «Deutsche Grammatik» (ebd. 1829) ist; eine Erweiterung beider erschien als «Ausführliche deutsche Grammatik» (3 Abteil., ebd. 1836‒39; 2. Aufl., 2 Bde., Prag 1870). Dazu traten außer vielbenutzten Schulbüchern namentlich «Das Wort in seiner organischen Verwandlung» (Frankf. 1833) und sein treffliches Buch «Der deutsche Stil» (ebd. 1848; 3. Aufl., neu bearbeitet von Lyon, Lpz. 1884). – Vgl. Helmsdörfer, B. der Grammatiker (Frankf. 1854).

Becker, Karl Ferd., Organist und musikalischer Schriftsteller, geb. 17. Juli 1804 zu Leipzig, wurde dort 1825 Organist an der Peterskirche, 1837 an der Nikolaikirche und 1843 an dem neugegründeten Konservatorium Lehrer des Orgelspiels. Allgemeine Verdienste erwarb sich B. als Sammler und Statistiker. Zu nennen sind in dieser Beziehung: «Sammlung von Chorälen aus dem 16. und 17. Jahrh.» (Lpz. 1831), «66 vierstimmige Choralmelodien zu Spittas Psalter und Harfe» (ebd. 1841), desgleichen zu den sämtlichen geistlichen Liedern von P. Gerhardt (ebd. 1843), und die Choräle von J. S. Bach in Partitur (ebd. 1844); ferner: «Systematisch-chronol. Darstellung der musikalischem Litteratur» (2. Abteil., ebd. 1836; Nachtrag 1839), «Die Hausmusik in Deutschland in dem 16., 17. und 18. Jahrh.» (ebd. 1840), «Die Tonwerke des 16. und 17. Jahrh.» (ebd. 1847). B. gab 1854 seine Stellen auf und starb 26. Okt. 1877. Seine musikalische Bibliothek hatte er der Leipziger Stadtbibliothek vermacht, der sie als musikalische Abteilung unter dem Namen Beckers Stiftung einverleibt wurde. ^[Spaltenwechsel]

Becker, Karl Friedr., Geschichtschreiber, geb. 1777 in Berlin, studierte in Halle Philosophie und Geschichte und war eine Zeit lang Hauslehrer in Cottbus, dann 1798‒1800 Mitglied des Seminars für gelehrte Schulen in Berlin. Seine schwächliche Gesundheit nötigte ihn jedoch, dieser Thätigkeit zu entsagen; er beschäftigte sich seitdem mit geschichtlichen Arbeiten und starb 15. März 1806. Außer einer jetzt vergessenen Schrift: «Die Dichtkunst aus dem Gesichtspunkte des Historikers» (Berl. 1803), erschien von ihm «Die Weltgeschichte für Kinder und Kinderlehrer» (10 Bde., ebd. 1801‒9), ein Werk, das durch zweckentsprechende Auswahl und Darstellung zu großer Berühmtheit und Verbreitung gelangte. Die Fortsetzer und Umarbeiter des Werkes: Woltmann, A. Menzel (1824), Adolf Schmidt (18 Bde., Berl. 1860‒64), von Loebell, E. Arnd (22 Bde., bis 1871), Bulle (bis 1877 ergänzt, Lpz. 1874‒79) und neuerdings W. Müller (12 Bde., Stuttg. 1884‒86; 3. Aufl. 1891‒93), haben dem populären Geschichtswerke mehr wissenschaftliche Gediegenheit verliehen, aber freilich auch das ursprüngliche Gepräge und den Reiz der Beckerschen Darstellung verwischt. In gleichem Geiste schrieb B. auch die «Erzählungen aus der Alten Welt» (3 Bde., Halle 1801‒3; 18. Aufl. von Masius, ebd. 1890), welche Günther durch «Die Perserkriege» (ebd. 1842; 3. Aufl. 1861) und G. F. Hertzberg durch die «Geschichte der Messenischen Kriege» (3. Aufl., ebd. 1875) selbständig vermehrten.

Becker, Nikol., der Dichter des «Rheinliedes», geb. 8. Jan. 1809 zu Bonn, studierte daselbst die Rechte und ward 1838 Auskultator. Hier dichtete er 1840 unter den Eindrücken, die der Waffenruf der nach dem linken Rheinufer trachtenden franz. Kriegspartei auf den deutschen Patriotismus hervorbrachte, das Lied «Sie sollen ihn nicht haben, den freien deutschen Rhein», das durch ganz Deutschland rauschenden Beifall fand, B. berühmt machte und ihm eine Stelle als königl. Friedensgerichtsschreiber eintrug. Auch die Musik bemächtigte sich des Liedes: über 70 Kompositionen erschienen, von denen jedoch keine wirklich volkstümlich wurde. A. de Musset antwortete 1841 mit dem übermütigen «Nous l'avons eu, votre Rhin allemand»; versöhnlicher war Lamartines «Friedensmarseillaise» (1841). B. starb zu Hunshoven-Geilenkirchen 28. Aug. 1845. Seine «Gedichte» (Köln 1841) enttäuschten sehr.

Becker, Oskar, bekannt durch sein Attentat auf König Wilhelm von Preußen, wurde 18. Juni 1839 zu Odessa geboren als Sohn des Lyceumsdirektors B., studierte seit Ostern 1859 in Leipzig Rechts- und Staatswissenschaften. 1861 reiste er nach Baden-Baden, wo sich der König zur Kur aufhielt, und schoß am Morgen des 14. Juli auf denselben in der Lichtenthaler Allee. Der König erlitt indes nur eine ganz leichte Verletzung am Halse. B. erklärte als sein Motiv: der König sei den Umständen nicht gewachsen, die Einigung Deutschlands herbeizuführen. Nachdem die gerichtliche Voruntersuchung jeden Verdacht einer Mitwissenschaft anderer Personen beseitigt, wurde B. zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt. Auf Fürsprache des Königs von Preußen wurde er 1866 aus der Haft entlassen, worauf er über Belgien nach Nordamerika ging; dann besuchte er den Orient und starb 16. Juli 1868 in Alexandria.