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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bedr Honein; Bedrohung; Bedscha; Bedschapur; Beduīnen; Będzin; Beecher; Beecher-Stowe; Beechey

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Bedr Honein - Beechey (Frederick William)

Bedr Honein, Stadt in Arabien, s. Bedr.

Bedrohung, s. Drohung.

Bedscha, Volksstamm, s. Bischarin.

Bedschapur, früheres mohammed. Königreich in Ostindien, s. Bidschapur.

Beduīnen (entstanden aus dem arab. Bedwi oder Bedawî, Plur. Bedâwî, d. i. Bewohner des flachen Landes oder der Wüste), Bezeichnung für alle diejenigen arab. Stämme und Völkerschaften, die in den Wüstenlandschaften Arabiens und der benachbarten Ländergebiete sowie im Innern von Nordafrika ein patriarchalisches Hirten- und Räuberleben führen. Sie wohnen stammweise in Zelten oder Hütten zusammen; die Dörfer stehen unter Scheichs, ein Stamm von 40 bis 50 Zeltdörfern unter einem Kadi, der gleichzeitig Richter und Heerführer ist. Die B. führen die lange Lanze, Flinte und den an der innern Seite geschärften krummen Yatagan, sind gute Reiter, tapfer, aber wild und ungestüm; auf ihren Raubzügen nehmen sie für mehrere Wochen Mehl und geröstetes Getreide auf dem Pferde mit. Anfänglich wurde der Name B. nur den nomadisierenden Bewohnern der arab. Wüsten zuerteilt, im Gegensatze zu den Ackerbau oder Handel treibenden Bewohnern der Städte (den Hadari). Doch schon im Altertum verbreiteten sich wandernde Horden arabischer B. und mit ihnen der Name über die syr. und ägypt. Wüste, später, nach dem Untergange der alten Kultur, in Syrien, Mesopotamien und Chaldäa, zuletzt mit der Eroberung Afrikas durch die moslemit. Araber im 7. Jahrh. auch über dieses und die große Wüste vom Roten bis zum Atlantischen Meere. Es haben somit Beduinenstämme arab. Ursprungs ein Gebiet eingenommen, das von der Westgrenze Persiens bis zum Atlantischen Ocean und von den Gebirgen Kurdistans bis zu den Kulturstaaten der Negervölker des Sudan reicht. Doch werden, namentlich in Afrika, viele nomadisierende Stämme unter dem Namen B. zusammengefaßt, die keineswegs arab., sondern hamitischen Ursprungs sind, obschon dieselben teilweise im Laufe der Zeit die arab. Sprache angenommen haben und sich selbst für echte, aus Arabien stammende B. fälschlich auszugeben pflegen. Über Stämme, Lebensart und Sitte der arabischen B. s. Arabien (Bd. 1, S. 783 a).

Będzin oder Będzyn (spr. bendsin), Stadt in Russisch-Polen, s. Bendin.

Beecher (spr. bihtsch'r), Henry Ward, amerik. Kanzelredner, Sohn des folgenden, geb. 24. Juni 1813 zu Litchfield (Connecticut), ward 1837 Prediger einer Presbyterianergemeinde zu Lawrenceburg in Indiana, 1839 in Indianapolis, 1847 Pastor zu Brooklyn (Neuyork), wo er als Mitarbeiter und vorübergehend als Herausgeber der vielgelesenen Wochenschrift «The Independent» 1851‒63 eine rege Thätigkeit entwickelte. Unter den Agitatoren der Abolitionisten ragt B. hervor. Als Redner zeichneten ihn derber Realismus, scharfe Beobachtung der menschlichen Natur und warme Empfindung aus. B.s Predigten wurden stenographisch nachgeschrieben und erschienen jahrelang wöchentlich als «The Plymouth Pulpit» (10 Bde., 1859‒72). 1863 besuchte er England und trug dort durch seine Reden viel zur Umstimmung der öffentlichen Meinung zu Gunsten der Nordstaaten bei; seine in England gehaltenen Reden erschienen 1887 («Patriotic Addresses»). Seit 1870 gab er «The Christian Union» heraus und wollte darin, wie in seinen Predigten, das Christentum mit der modernen Wissenschaft vereinigen. Ein Skandalprozeß wegen Ehebruchs mit der Frau seines Freundes Tilton (4. Jan. bis 2. Juli 1875 in Brooklyn) schädigte sein Ansehen stark. 1884 bekämpfte B. energisch das einseitige Regiment der republikanischen Partei und trat für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Cleveland ein. Er starb 8. März 1887 zu Brooklyn. Von seinen zahlreichen Schriften sind zu nennen: «Lectures to young men» (1844, 1850 u. ö.), «The Star Papers» (Ⅰ, 1855; Ⅱ, 1858), B.s Beiträge aus «The Independent» enthaltend; «Life thoughts» (1858), «Sermons» (1858), «Eyes and Ears» (1864), «Norwood» (1867, Roman), «Life of Jesus the Christ: Earlier Scenes» (1871), «Yale Lectures on Preaching» (1872 fg.), «Evolution and Religion» (1885); «Religion and Duty, Sunday Readings» (Lond. 1887; deutsch von Leoni, Stuttg. 1889), «Last Sermons» (Lond. 1887); «Bible studies» (hg. von Howard, 1893); deutsche Auswahl aus der Predigtsammlung «The Plymouth Pulpit» (1859‒75 umfassend) von Tollin (Berl. 1870) und Kannegießer (ebd. 1873). – Vgl. Lyman Abbott, H. W. B. (Lond. 1883); J. T. Lloyd, H.W. B., his life and work (ebd. 1887); Beecher-Memorial (ebd. 1887); Howard, H. W. B., a study of his personality, career and influence (Neuyork 1891). Seine Schwester ist Harriet Beecher-Stowe (s. Stowe).

Beecher (spr. bihtsch'r), Lyman, amerik. Theolog, geb. 12. Okt. 1775 zu Newhaven, wurde 1798 Prediger zu East-Hampton auf Long-Island, 1810 zu Litchfield, 1826 zu Boston und 1832 Vorstand des Lane Seminary für Theologen zu Walnut-Hills bei Cincinnati. Seit 1852 privatisierte er zu Boston, später zu Brooklyn, wo er 10. Jan. 1863 starb. B. war einer der berühmtesten Prediger seiner Zeit und Mitbegründer der Missionsgesellschaft in Connecticut, der amerik. Bibelgesellschaft und Vorkämpfer der Mäßigkeitsbewegung («Sermons on temperance»). Seine Werke («Sermons on various occasions») erschienen 1852‒53 (3 Bde., Boston), seine «Autobiography and Correspondence» 1864.

Beecher-Stowe, Harriet, s. Stowe.

Beechey (spr. bihtschĭ), Frederick William, engl. Seemann und Reisender, Sohn des folgenden, geb. 17. Febr. 1796 in London, machte als Offizier 1818 auf dem Trent mit Franklin die Expedition nach Spitzbergen mit, nahm 1819 an einer zweiten arktischen Expedition unter Parry auf dem Schiffe Hecla teil und unternahm alsdann 1821 eine Reise nach der Nordküste Afrikas zur Erforschung der Großen Syrte und Kyrenaikas. Zum Commandeur erhoben, erhielt er den Auftrag, 1825 mit der Sloop Blossom nach dem Stillen Ocean und der Nordwestküste Amerikas zu segeln, um sich womöglich über den Kotzebue-Sund mit dem vom Lande her vordringenden Franklin zu vereinigen. Da er das nicht erreichte, kehrte er im Okt. 1828 nach England (Woolwich) zurück. Von 1837 ab war er mit hydrogr. Arbeiten im Irischen Kanal beschäftigt und erhielt 1847 die Leitung des Marinedepartements im Handelsministerium, die er bis zu seinem Tode führte. Nachdem er 1854 Konteradmiral und 1855 Präsident der Geographischen Gesellschaft geworden, starb er 29. Nov. 1856 zu London. Er veröffentlichte: «Voyage of discovery towards the North Pole 1818» (Lond. 1843), «Proceedings of the expedition to explore the northern coast of Africa» (ebd. 1827), «Narrative of a voyage to the Pacific and Behring's Strait» (2 Bde., ebd. 1831).