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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Beira (Stadt); Beiram; Beiramar; Beiräte; Beireis; Beirut

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Beira (Stadt) – Beirut

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Beĭra'

Küstenstrich (Coimbra und Aveiro). B. Baixa ist vorwiegend hügelig; B. Alta schließt sich an die Hochfläche von Salamanca an, steigt vom Douro terrassenförmig bis zu einer mittlern Erhebung von 700 m empor und trägt mehrere Ketten, vor allem die Serra d'Estrella (den Mons Herminius der Alten). Diese, vorwiegend aus Granit, bildet auf 60 km den Grenzwall zwischen den Thälern des Mondego und Zezere, enthält die höchste Erhebung Portugals (1993 m) und entsendet nach SW. die Serra de Lousa und niedrige, aus Jura und Kreideschichten bestehende Ketten und zuletzt die granitene Serra de Cintra nach Estremadura. Nach NW. reihen sich die Serra de Bussaco (547 m), de Caramullo (1070 m) und mehr östlich die Serra de Lapa (998 m) an. Gegen den Douro fällt B. Alta in Terrassen ab und bildet hier mit Alto-Douro zu beiden Seiten des Flusses das mit Weinreben, Obsthainen, Laubgehölzen und Gutsgebäuden bedeckte Hügelland. B. wird vom Mondego und Zezere, vom Vouga, vom Coa u.a. Zuflüssen des Douro durchschnitten. Der Boden der Provinz ist sandig und felsig. Die Gebirge sind meist kahl. Dagegen wird in den ungeheuern Strandsümpfen um Aveiro sowie an der Mündung des Mondego sehr viel Seesalz gewonnen. Auch giebt es viele Mineralquellen, von denen manche zu Bädern (Banhos) benutzt werden. Die Hauptprodukte des Ackerbaues sind Mais, Gemüse und Gartenfrüchte aller Art, Wein, Öl, Obst und Kastanien, im Westen auch Orangen. Nächst dem Ackerbau bilden an der Küste Fischfang und Viehzucht die Haupterwerbszweige. Die früher berühmte Schafzucht ist stark gesunken. Doch züchtet Ober-Beira immer noch die meisten und durch ihre Wolle ausgezeichneten Beiraschafe in Portugal. Auch Rinder, Ziegen und Schweine sind zahlreich, letztere namentlich um Lamego, von wo die besten Schinken Portugals (Lissaboner Schinken) kommen. Industrie und Handel sind unbedeutend, da es noch an Verkehrswegen fehlt. Nur ein kleiner Teil der Wege kann mit Karren befahren werden, Chausseen giebt es nur wenige; von Eisenbahnen durchschneiden B. die Linien Lissabon-Coimbra-Oporto und Coimbra-Salamanca. Hauptstadt und wichtigster Platz ist Coimbra (s. d.). – Seit Johann V. führt der älteste Sohn des Kronprinzen von Portugal den Titel Prinz von B.

Beĭra, rasch emporblühende portug. Hafenstadt an der Ostküste von Südafrika, an der Mündung des Pungwe, nordnordöstlich von Sofala und 56 km entfernt von Neves Ferreira, dem Ausgangspunkt der Beirabahn, mit deren Bau 1892 begonnen wurde und die die kürzeste Verbindung zwischen dem goldreichen Maschonalande (s. d.) und der Küste herstellen soll.

Beirâm, türk. Fest, s. Bairâm.

Beiramar, portug. Küstenstrich, s. Algarve.

Beiräte, s. Eisenbahnbeiräte.

Beireis, Gottfr. Christoph, ein gelehrter Sonderling, geb. 2. März 1730 zu Mühlhausen i. Th., studierte in Helmstedt Rechts- und Naturwissenschaften, machte dann größere Reisen, wandte sich 1756 in Helmstedt der Medizin zu und wurde daselbst 1759 ord. Professor der Physik, später der Medizin, 1803 Leibarzt des Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig. B. starb 12. Sept. 1809. Er hatte 17 verschiedene Sammlungen von Gegenständen der Kunst, Wissenschaft, Natur, Mechanik u.s.w., die nach seinem Tode größtenteils versteigert wurden. Besondere Kenntnisse, die er praktisch zu verwerten wußte, hatte er in der Chemie. Über einen ↔ Besuch Goethes bei ihm 1805 berichtet jener in den «Tages- und Jahresheften». Seine physiol. Schriften sind unbedeutend. – Vgl. Heister, Nachrichten über Gottfried Christoph B. (Berl. 1860).

Beirût oder Bairût, Hauptstadt eines asiat.-türk. Wilajets (13300 qkm mit 400000 E.) in Syrien und in neuerer Zeit die wichtigste Seestadt dieser Provinz, liegt auf einem Küstenvorsprunge zwischen Saida (Sidon) und Tarabulus (Tripolis) und wird schon von Abulfeda als der Hafen von Damaskus bezeichnet, mit dem es durch eine Kunststraße in Verbindung steht.

Anlage, Gebäude und Anstalten. Die Stadt steht am Abhange eines Hügels, gewährt die Aussicht auf den Libanon und gilt, zumal seit Vollendung der Wasserleitung (1875), als der gesündeste Ort der syr. Küste. Die Altstadt hat meist enge, schlecht gepflasterte Straßen, ist aber von einer Menge von Vorstädten mit schönen Häusern (Hotels) und Gärten umgeben. Keine türk. Ortschaft hat in neuerer Zeit einen ähnlichen Aufschwung genommen wie B. Die Einwohnerzahl beträgt (1889) 105400 E., darunter etwa 2000 Europäer, unter denen die franz. Sprache vorherrscht. Es befinden sich in B. eine Quarantäne, ein Zollamt, engl., franz., russ. und türk. Postanstalten, europ. Ärzte, eine Apotheke nach preuß. Muster, ein deutsches Waisenhaus mit Pensionat und prot. Kapelle, amerik. Missionsstation mit Kirche, Jesuitenschule, zahlreiche Druckereien und Zeitungen, eine mediz. Schule, Realschule und astron. Observatorium, ein prot. Knabeninstitut, franz. Waisenhaus mit Schule und Pensionat (2000 Mädchen), Franziskanerkloster und viele Schulen aller Konfessionen. B. ist der Sitz eines Paschas, eines griech. Bischofs, eines maronit. Erzbischofs und eines päpstl. Delegaten. Es giebt 23 Moscheen und 36 christl. (evang., griech.-orthodoxe, armenisch-griech.-unierte) Kirchen. Die Hauptmoschee von B. ist eine ehemalige christl. Kirche aus der Kreuzfahrerzeit. Außerdem ist die Stadt der alte Sammelplatz der nach Mekka gehenden Karawanen, deren Zahl hier seit Eröffnung des Sueskanals allerdings abgenommen hat, und der gewöhnliche Landungspunkt aller Reisenden nach Syrien und Palästina mit zunehmendem internationalem Gepräge.

Industrie, Handel und Verkehr. Neben starker Seiden- und Baumwollweberei wird Gold- und Silberdrahtfabrikation betrieben. Außerdem verfertigt man hier die in ganz Syrien und Ägypten berühmten, mit Nägeln verzierten bunten Koffer für Leinenzeug, die namentlich zu Brautgeschenken dienen. Die Umgegend gewinnt ausgezeichnete Seide, Baumwolle und vortrefflichen Tabak. Für diese Produkte finden auch die Drusen in B. ihren Hauptabsatzmarkt. Viel stärker ist die Einfuhr, vor allem in Bekleidungsgegenständen, Nahrungsmitteln, Zucker, Bauholz, Tabak und Luxusartikeln. 1891 wertete die Einfuhr 51 Mill., die Ausfuhr 12,51 Mill. M. Die Imperial-Ottoman-Bank besitzt hier bereits seit 1865 eine bedeutende Filiale. 1893 wurde der neue Hafen eröffnet; früher blieben die Schiffe auf der Reede oder in den verschiedenen Buchten der gegen Osten sich ausdehnenden St. Georgsbai, in die von Süden her der Nahr B. (Magoras der Alten) und 10 km im Nordosten der Nahr el-Kelb (bei den Alten Lykos) münden, an dessen Felswänden sich berühmte Skulpturen mit pers. Keilinschriften und ägypt. Hieroglyphen sowie auch arab. Inschriften befinden. Von

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 650.