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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Beiwort; Beize; Beizeichen; Beizeisen; Beizen

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Beiwort - Beizen

deutschen Volks günstig aufgenommen wurde. Außerdem schrieb B.: «Geschichte des russ. Kriegs im J. 1812» (Berl. 1856), «Geschichte des Jahres 1815» (2 Bde., ebd. 1865) und «Das preuß. Heer vor und nach der Reorganisation» (ebd. 1867). Auch gab er heraus: «Hinterlassene Schriften des Generalauditors Dr. Karl Friccius, nebst einer Lebensskizze desselben» (Berl. 1866).

Beiwort, s. Adjektiv.

Beize (Baize), diejenige Art des Jagdbetriebs, bei der mittels abgerichteter Raubvögel, vorzüglich Falken, Habichte und Sperber, verschiedene Arten von Feder- und Haarwild erlegt werden. Diese Jagd bildete im Mittelalter und bis zu Anfang des 18. Jahrh. eins der vornehmsten ritterlichen Vergnügen, dem auch die Edelfrauen mit Vorliebe huldigten. B. ist eine der ältesten Jagdarten, sie wurde nachweislich zuerst von mittelasiat. Nomadenstämmen betrieben und steht bei ihnen bis auf die Gegenwart in hohem Ansehen. In China und Japan soll die B. schon in vorhistor. Zeit betrieben worden sein; positive Nachrichten hierüber sind aber bis jetzt nicht bekannt. Nach Mitteleuropa scheint die B. mit der Völkerwanderung gekommen zu sein, denn während sie sich vorher nicht nachweisen läßt, setzen die Gesetzbücher aus dem 5. bis 7. Jahrh. der verschiedenen german. Stämme schwere Strafen auf Entwendung oder Beschädigung der Beizvögel. Durch die Kreuzzüge fand die B. erst allgemeine Verbreitung, war aber, in Deutschland wenigstens, fast stets ein Privilegium des Adels. Ganz besondere Vorliebe hatten die Edeldamen für die B., die mit solcher Leidenschaft betrieben wurde, daß manche Familie dadurch zu Grunde ging. Selbst in die Kirche wurden die Falken mitgenommen. Einer der leidenschaftlichsten Liebhaber der B. war Markgraf Wilhelm Friedrich von Ansbach, der in zwei Revieren 1730‒55 1763 Milane, 4174 Reiher, 4857 Krähen, 1647 Elstern, 14087 Rebhühner, 985 Fasanen, 398 Wildenten und 959 Hasen beizte. Das allmähliche Erlöschen der feudalen Vorrechte und die Verbesserung der Feuerwaffen, die fortschreitende Kultur überhaupt, drängten in Europa die B. gänzlich in den Hintergrund, und gegenwärtig zählt sie bei uns nur noch zu den allerseltensten Jagdvergnügen. In Asien, insbesondere in Persien, wird sie hingegen noch häufig ausgeübt, ebenso im Sudan. Während in Europa mit den Beizvögeln fast nur auf Reiher, Kraniche, Enten, Feldhühner, Schwäne, Wildtauben, Krähen, Raben, Kaninchen und Hasen gejagt wurde, werden sie in Asien hauptsächlich zur Jagd auf Gazellen, selbst Antilopen benutzt. Die Angriffe der Beizvögel werden dort durch Windhunde unterstützt, im Sudan durch syr. und tunes. Fanghunde. In Deutschland brauchte man die Beizhunde nur zum Aufspüren des Wildes, die dieselben Dienste thun mußten wie unsere Vorstehhunde. – Vgl. Prätorius, Reliqua librorum Frederici Ⅱ imperatoris de arte venandi cum avibus: cum Manfredi regis additionibus ex membranis vetustis nunc primum edita, verfaßt im 13. Jahrh. (Wien oder Augsb. 1596; mit zwei andern Schriften über die Falknerei hg. von J. G. Schneider, 2 Bde., Lpz. 1788); Verster van Wulverhorst und Schlegel, Traité de fauconnerie (Prachtwerk; Leiden und Düsseld. 1844‒53); von Dombrowski, Geschichte der Beizjagd (Wien 1886).

Beize, in der Technologie Lösungen saurer, salziger oder sonst scharfer und ätzender Stoffe, mit denen man gewisse feste Substanzen benetzt oder tränkt, um denselben dadurch gewisse Eigenschaften der Färbung, der Struktur und Oberflächenbeschaffenheit, ferner des Geschmacks u. s. w. zu erteilen, die ihnen ursprünglich nicht zukommen, oder um sie zu spätern chem. Arbeiten vorzubereiten. B. nennt man z. B. die zum Einpökeln von Fleisch angewendete Lösung von Kochsalz und andern Substanzen; in der Gerberei heißt B. die saure Lohbrühe oder die durch Gärung von Kleie und Wasser entstandene saure Flüssigkeit. B. wird auch in der Metallbearbeitung die saure Flüssigkeit genannt, mit der zu vergoldende, versilbernde oder zu verzierende Gegenstände aus Messing, Bronze, Eisen u. s. w. vorher gereinigt werden (s. Dekapieren). Mittels B. wird auf der Oberfläche der Metalle eine dauernde Veränderung (chem. Bronzierung oder Metallfärbung) erzeugt, oder es werden Hochätzungen auf Metall- oder Kalksteinplatten (lithographischer Schiefer) hervorgerufen, indem die hoch zu ätzenden Teile vorher mit einem Firnis bedeckt werden, der diese vor dem Angriff der B. schützt. Haare, Horn und ähnliche Körper färbt man durch B., die namentlich aus Lösungen von Metallen (Blei, Silber) bestehen. Holzbeizen sind Abkochungen von Farbhölzern (s. d.). In der Färberei und dem Zeugdruck spielt die B. (gewöhnlich Mordant genannt) eine große Rolle; in vielen Fällen läuft hier ihre Wirkung darauf hinaus, daß sie die Farbstoffe aus ihren Lösungen auf die Gespinstfasern niederschlägt, indem ihre Bestandteile unlösliche Verbindungen mit den Farbstoffen eingehen. Die wichtigsten der in der Färberei angewendeten B. sind Alaun, essigsaure Thonerde, essigsaures Eisen, Zinnsalz, Tannin, Albumin, Kleber und fettes Öl. Die B. haben aber nicht nur den Zweck, die Verbindung der Faser mit dem Farbstoff zu bewerkstelligen, sie können auch dazu dienen, auf dem Zeuge an gewissen Stellen die Farbe zu zerstören. In diesem Falle werden sie als entfärbende B. oder Enlevagen (s. d.) bezeichnet.

Beizeichen, kleine Wappenbilder, wie Turnierkragen, Ringe, Sterne, die einzelne Linien desselben Geschlechts dem gemeinsamen Stammwappen zur Unterscheidung der Geschlechtslinien beifügten.

Beizeisen, Steinmetzwerkzeug (s. d.).

Beizen, das Anlocken des Wildes mit dem Köder oder das Herbeibringen desselben durch den Jagd- (Beiz-) Falken (s. Beize).

Beizen, eine Behandlung des Getreides, die den Zweck hat, die an dem Saatkorn der Gramineen, namentlich des Weizens, des Roggens, der Gerste und des Hafers befindlichen Pilzsporen und zwar besonders die Sporen des Stein- oder Stinkbrandes, Tilletia, und diejenigen des Staub- oder Flugbrandes, Ustilago, zu zerstören. Gegen die erstern hat sich die Anwendung des Kupfervitriols (schwefelsaures Kupfer) ausgezeichnet bewährt. Man nimmt auf 3 hl Saat 0,5 kg Kupfervitriol, löst dasselbe in Wasser und giebt hierzu in einem Bottiche so viel Wasser, daß die Saat vollständig von letzterm bedeckt ist. Nach 24stündigem Liegen in dieser Lösung ist die Keimkraft aller Pilzsporen getötet, während die Getreidekörner selbst völlig unversehrt geblieben sind und nach dem Trocknen ohne weiteres zum Aussäen benutzt werden können. Beim B. des Korns gegen den Staubbrand verfährt man ebenso, nur mit dem Unterschied, daß man auf 100 kg Wasser 1,5 kg engl. Schwefelsäure von 66° Beaumé