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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bélidor - Bell (Andrew)

retisch-praktische Kompositionslehre, Bd. 1, Budapest 1891; auf 5 Bde. berechnet).

Belidor, Bernard Forest de, franz. Ingenieur und General, geb. 1698 in Catalonien als Sohn eines franz. Offiziers, studierte Mathematik und wurde an der neuerrichteten Artillerieschule zu La Fère Professor; er ist der Begründer des modernen Minenkrieges. Nachdem er seine Professur aufgegeben hatte, machte er als Offizier mehrere Feldzüge mit, war 1744 mit dem Prinzen von Conti in Italien und 1745 in den Niederlanden, wo er wegen seiner Verdienste bei den Eroberungen von Charleroi zum Oberst befördert wurde. Nachdem er 1758 Direktor des Arsenals und bald darauf Brigadier und Generalinspektor der Minierer geworden war, starb er zu Paris 8. Sept. 1761. Von seinen Werken sind hervorzuheben: "Cours de methématique à l'usage de l'artillerie (1725), "La science des ingénieurs" (1729), "Le bombardier français" (1731), "Traité des fortifications" (2 Bde., Par. 1735), "Architecture hydraulique" (4 Bde., ebd. 1737-51). Vermischte Werke B.s über die Befestigungskunst und Artillerie sind von Schneller ins Deutsche übertragen (Braunschw. 1769).

Belimarkowitsch, Jovan, serb. General, geb. 1828 in Belgrad, erhielt eine gründliche militär. Vorbildung, zum Teil im preuß. Heere, war Professor an der Belgrader Kriegsschule, dann Major des Generalstabes und 1868-73 Kriegsminister; diese Stellung soll er eigennützig ausgebeutet haben, was ihm eine Anklage von der Skupschtina zuzog; jedoch erkannte eine ad hoc eingesetzte richterliche Kommission auf seine Freisprechung. In den Kriegen 1876-78 zeichnete sich B. als General besonders bei der Einnahme von Nisch aus, verließ 1880 als Liberaler aus Unzufriedenheit mit dem Regime der Fortschrittspartei den aktiven Dienst, wurde aber 1889 bei der Abdankung des Königs Milan von diesem neben Ristitsch und Protitsch zum Reichsregenten für den minderjährigen König Alexander I. ernannt, jedoch 13. April 1893 durch den Staatsstreich Alexanders seines Amtes entsetzt.

Belinskij, russ. Kritiker, s. Bjelinskij.

Belisana, der 178. Planetoid.

Belisar, Feldherr des byzant. Kaisers Justinian I., von unbekannter Herkunft, geb. um 505 n. Chr., diente anfangs in Justinians Leibwache und ward nach seinen ersten Waffenthaten im pers. Kriege zum Feldherrn des Ostens erhoben. Als solcher bekämpfte er König Chosroes I. mit Glück, bis ein Mißerfolg B.s den stets mißtrauischen Kaiser bestimmte, B. gegen Ende des J. 531 nach Byzanz zurückzurufen. Hier rettete er 532 bei dem Nikaaufstande (s. d.) dem Kaiser Thron und Leben. Darauf nach Afrika gegen die Vandalen gesandt, landete B. daselbst 533 mit 15 000 Mann, besiegte den König Gelimer 534 und nahm ihn gefangen. 536 setzte er zur Eroberung des Ostgotischen Reichs nach Unteritalien über, eroberte Neapel und gewann Dez. 536 auch Rom. Hier von den Goten eingeschlossen, hielt er sich ein Jahr lang, bis jene selbst die Belagerung aufhoben. Zwistigkeiten, die zwischen ihm und dem im Juni 538 mit einem Hilfsheer nach Italien gesandten Narses (s. d.) aufbrachen, verhinderten die Entsetzung des zu Byzanz übergetretenen Mailands, das Anfang 539 von den Goten erobert und zerstört wurde; auf sein Betreiben wurde dann Narses abberufen. Als die in Ravenna (539) hart bedrängten Goten B. die Herrschaft über Italien anboten, ging er scheinbar darauf ein, bemächtigte sich zu Anfang des J. 540 der Stadt und nahm sie für den Kaiser in Besitz. Noch ehe er jedoch die feindlichen Scharen in Oberitalien besiegen konnte, ward er von Justinian abberufen und kehrte, den Gotenkönig Vitiges und die vornehmsten Goten sowie den königl. Schatz mit sich führend, nach Konstantinopel zurück. Hierauf zog er 541 gegen die Perser, die nach der Eroberung Antiochias Jerusalem bedrohten. Doch auch aus diesem Kriege ward er von dem mißtrauischen Justinian Ende 542 zurückberufen und wegen der Intriguen seiner eigenen Gattin, Antonina (s. d.), hart behandelt. Als die Goten unter Totilas sich Italiens von neuem bemächtigt hatten, wurde B. 544 wieder gegen diese gesandt. Trotz seiner geringen Streitkräfte wußte er sich 5 Jahre lang gegen dieselben zu halten, ja es gelang ihm sogar, sich 547 Roms zu bemächtigen. Da ihm trotz aller Bitten der Kaiser keine Hilfe sandte, verlangte er Ende 548 seine Zurückberufung, und Narses ward sein Nachfolger. 559 rettete B. noch einmal das Reich, indem er die Hunnen, welche die Donau überschritten und selbst die Hauptstadt bedrohten, mutig zurückdrängte.

Trotz seiner Verdienste wurde B. im Dez. 562 der Teilnahme an einer Verschwörung beschuldigt und seiner Würden und der Freiheit beraubt. Zwar erlangte er im Juli 563 seine Freiheit wieder, starb aber bald darauf 13. März 565. Sage und Dichtung haben die Geschichte B.s später vielfach entstellt. Nach Tzetzes, einem byzant. Schriftsteller des 12. Jahrh., soll B. vom Gefängnis aus die Vorübergehenden angesprochen haben: "Gebt dem B., den die Tugend erhoben, der Neid unterdrückt hat, einen Obolus." Ebenso stellen mittel-griech. Volksdichtungen seit dem 15. Jahrh. B. als einen blinden Bettler dar. So erscheint er auch bei Marmontel in seinem Roman "Bélisaire". Doch gedenkt dieser Umstände kein gleichzeitiger Geschichtschreiber. Die franz. Malerschule beschäftigte sich öfters mit diesem Thema, z. B. David und dessen Schüler Gerard lieferten einen Blinden B. B.s Geschichte wurde von E. von Schenk zu einem Trauerspiel, von Donizetti zu einer Oper benutzt.

Belize (spr. bellihs), s. Britisch-Honduras.

Belka (El-Belka), Landschaft Palästinas im Osten des Jordans, zwischen den Flüssen Nahr ez-Zerka (Jabbok) und Wadi el-Modschib (Arnon). Hauptort Es-Salt. Östlich davon ist eine Hochebene, die trefflichen Weizen trägt.

Belkovsky, Handelsplatz, s. Alaska.

Bell, Acton, s. Brontë.

Bell, Alexander Graham, Physiolog, geb. 3. März 1847 in Edinburgh, studierte daselbst, ging 1870 nach Canada und wurde dann Professor der Physiologie der Sprachwerkzeuge in Boston. B. bemühte sich seit 1872 ein sprechendes Telephon (s. d.) herzustellen. Sein erstes Patent in Amerika datiert vom 6. April 1875. B. erfand 1880 im Verein mit Sumner Tainter auch das Photophon (s. d.).

Bell, Andrew, schott. Pädagog, geb. 1753 zu St. Andrews, ging als Geistlicher der Hochkirche erst nach dem brit. Amerika, später nach Madras in Ostindien, wo er, seit 1789 als Kaplan zu Fort St. George und Prediger bei der Kirche St. Mary angestellt, den Unterricht in dem Asyl der Militärwaisenknaben übernahm. Hier fand er Veranlassung, die bereits in den schülerreichen Missionsschulen für Kinder der Einheimischen angewandte Methode des gegenseitigen Unterrichts (s. Bell-Lancastersches