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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bell (Sir Charles) - Bell (Robert)

Unterrichtssystem) kennen zu lernen und weiter auszubilden. Vom 1. Juni 1795 an wurde die Schule zu Madras einzig von Schülern selbst gehalten. Da er nach seiner Rückkehr die Hoffnung, die Regierung für das "Unterrichtssystem von Madras" zu interessieren, zunächst nicht in Erfüllung geben sah, zog er sich auf das Land zurück, übernahm aber später die Errichtung und Leitung zahlreicher Schulen seines Systems. Von 1796 an bekleidete er eine einträgliche Pfründe in der Westminsterabtei. Er starb 27. Jan. 1832 zu Cheltenham und vermachte von seinem Vermögen 120 000 Pfd. St. an Nationalinstitute und Wohlthätigkeitsanstalten. B. stellte sein System zuerst in der Schrift "An experiment in education made in the asylum of Madras" dar (Lond. 1797; neue Ausg., ebd. 1812, u. d. T. "Elements of tuition"). Außerdem gab er heraus: "Instructions for conducting schools through the agency of the schoolers themselves" (Lond. 1789; 6. Aufl. 1817) und "The wrongs of children" (ebd. 1819). - Vgl. Southey, Life of Andrew B. (3 Bde., Lond. 1844).

Bell, Sir Charles, Wundarzt und Anatom, der jüngste Bruder des vorigen, geb. 1774 zu Edinburgh, erhielt daselbst seine Bildung und schrieb noch vor der Aufnahme in das Edinburgher College of Surgeons ein "System of dissections" (2 Tle., Edinb. 1799-1801). Bald erwarb er sich den Ruf eines geschickten Operateurs und ging 1806 nach London, wo er in Hunters Medizinischer Schule über Anatomie und Wundarzneikunde Vorlesungen hielt und ein "System of operative surgery" (Lond. 1807) herausgab. Letzteres erschien später umgearbeitet als "A system of operative surgery founded on anatomy" (2 Bde., Lond. 1814; deutsch von Kosmaly, 2 Bde., Berl. 1815). Ferner veröffentlichte er "Essays on the anatomy of expression in painting" (Lond. 1806), die später u. d. T. "The anatomy and philosophy of expression as connected with the fine arts" (ebd. 1847) neu erschienen; "On the diseases of the urethra" (ebd. 1810; 2. Aufl. 1822), "Idea of a new anatomy of the brain" (ebd. 1811) und "Engravings from specimens of the morbid parts" (ebd. 1813, mit Zeichnungen). B. wurde 1812 Mitglied des Royal College of Surgeons in London, bald darauf Wundarzt am Middlesex-Hospital und Professor an der klinischen Schule desselben. In den "Surgical observations" (2 Bde., Lond. 1816-18) erstattete er über die im Middlesex-Hospital vorkommenden interessantesten Fälle Bericht. Seine Hauptwerke aber, die ihm einen europ. Ruf verschafften, waren "An exposition of the natural system of the nerves of the human body" (Lond. 1824) und dessen neue Bearbeitung "The nervous system of the human body" (ebd. 1830; 3. Aufl., Edinb. 1844; deutsch von Romberg, Berl. 1832), worin er seine wichtige Entdeckung (Bellscher Lehrsatz) mitteilte, daß die vordere Wurzel der Rückenmarksnerven aus motorischen, die hintere aus sensiblen Nerven besteht. Von König Wilhelm IV. erhielt er 1832 die Ritterwürde; 1836 wurde er Professor der Chirurgie an der Edinburgher Universität. Er schrieb noch "The human hand" (Lond. 1834; deutsch Stuttg. 1836), "Institutes of surgery" (2 Bde., Edinb. 1838) und "Practical essays" (ebd. 1841). B. starb 28. April 1842 in Worcestershire. - Vgl. Pichot, Vie et traveaux de Sir Charles B. (Par. 1858).

Bell, Currer und Ellis, s. Brontë.

Bell, John, engl. Anatom und Wundarzt, Bruder von Andrew und Charles B., geb. 12. Mai 1763 in Edinburgh, widmete sich daselbst dem Studium der Medizin und eröffnete 1790 auf seinem anatom. Privattheater vielbesuchte Vorlesungen. Mit seiner ersten schriftstellerischen Arbeit, dem "System of the anatomy of the human body" (2 Bde., Edinb. 1793-98; 7. Aufl. 1831; deutsch von Heinroth und Rosenmüller, 2 Bde., Lpz. 1806-7), welchem sein Bruder Charles B. einen 3. und 4. Band (1823) hinzufügte, erschienen gleichzeitig die "Discourses on the nature and cure of wounds" (2 Bde., Edinb. 1793-95; deutsch von Leune, 2 Bde., Lpz. 1798), denen die "Priciples of surgery" (3 Bde., Edinb. 1801; neue Aufl. von Charles B., 1826) folgten. Nachdem er noch eine Reihe von anatom. Kupferwerken veröffentlicht hatte, legte er sein Lehramt nieder und starb auf einer Reise durch Italien 15. April 1820 zu Rom. Aus seinem während dieser Reise geführten Tagebuche gab seine Witwe später "Observations on Italy" (Edinb. 1825) heraus.

Bell, John, amerik. Staatsmann, geb. 15. Febr. 1797 bei Nashville (Tennessee), studierte die Rechte, wurde schon 1817 in den Senat von Tennessee gewählt und war 1827-41 Mitglied des Repräsentantenhauses, wo er Anhänger Calhouns (s. d.) war. Die Bankfrage veranlaßte ihn, sich von seinen Parteigenossen loszusagen und zu den Whigs überzugehen. Unter Präsident Harrison war er 1841 eine kurze Zeit Kriegssekretär. 1847 und 1853 wurde er in den Senat der Vereinigten Staaten gewählt und 1860 von der konstitutionellen Unionspartei gegen Lincoln als Präsidentschaftskandidat aufgestellt; doch erhielt er nur das Votum dreier Staaten. An dem Secessionskriege nahm er keinen Anteil, sympathisierte aber mit den Südstaaten. Er starb 10. Sept. 1869 in seinem Geburtsort.

Bell, Robert, engl. Schriftsteller, geb. 10. Jan. 1800 zu Cork in Irland, schrieb früh Schauspiele, von denen "The double disguise" und "Comic lectures" zur Aufführung kamen, rief den "Dublin Inquisitor" neu ins Leben und ging nach London, wo er "Reminiscences" im "New Monthly Magazine" veröffentlichte und das polit.- belletristische Wochenblatt "Atlas" vortrefflich leitete. Für Lardners "Cabinet Cyclopædia" schrieb er "A history of Russia" (3 Bde., Lond. 1836-38), ferner "Lives of the English poets" (2 Bde., ebd. 1839), "Lives of the English dramatists" (2 Bde., ebd. 1837) und den letzten Band von Southeys "Naval history of England" (ebd. 1837). Um 1840 gründete er mit Bulwer und Lardner die "Monthly Chronicle", deren Eigentümer er nachmals wurde. Er starb zu London 19. April 1867. B. schrieb mit Beifall aufgenommene Lustspiele: "Marriage" (Lond. 1842), "Mothers and daughters" (ebd. 1843) und "Temper" (ebd. 1847), den Roman "The ladder of gold" (3 Bde., ebd. 1850) und mehrere histor. Werke: "Outlines of China" (ebd. 1845), "Life of George Canning" (ebd. 1846), panegyrisch gehalten, u. a. Außerdem gab er mit G. W. Johnson "Memorials of the civil war: the correspondence of the Fairfax family" (Lond. 1849), eine "Annotated edition of the British poets" (24 Bde., ebd. 1854-57), Anthologien engl. Dichtungen, "Golden leaves from the works of the poets and painters" (ebd. 1863; neue Aufl. 1872) und "Art and song" (ebd. 1867), mehrere engl. Klassiker, z. B. Chaucer, Green, Marlow und Jonson, Butler und Howard,