Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

696

Bellas - Bellegarde

Telugu, in der westlichen die Kanarasprache vorherrschend (s. Indische Sprachen). - 2) Hauptstadt des Distrikts B. und Festung unter 15" 9' nördl. Br. und 76° 57¼' östl. L., auf einer trocknen Ebene, in 480 m Höhe, an der großen, von Bombay nach Madras führenden Eisenbahn, mit (1891) einschließlich Militär 59 467 E., darunter 37 217 Hindu, 17 692 Mohammedaner, 4314 Christen und 239 Dschain. Die Temperatur beträgt schon im April durchschnittlich 34° C. und steigert sich bis zum Juni ganz bedeutend. Die jährliche Regenhöhe beträgt nur 419 mm. Das sog. obere Fort daselbst ist ein 140 m hoher Granitberg, auf dessen abgeplatteter Höhe sich das eigentliche, jetzt als Gefängnis dienende Fort befindet. Ein zweites Fort, das untere genannt, enthält das Zeughaus, verschiedene Magazine, eine prot. Kirche, die Wohnungen der Civilbeamten, einiger Offiziere und anderer Europäer. Südöstlich von letzterm liegt der Pet oder die Stadt der Eingeborenen, wohin diese, früher innerhalb der Stadt wohnhaft, 1816 verwiesen wurden. Die Stadt ist gut gebaut und besitzt viele Hindutempel, einige Moscheen, eine Missions- und Bibelgesellschaft, Schulen u. s. w.; 38 km im NW. von B. liegen die Ruinen von Visnagar und 75 km im O. von ihm, an der Eisenbahnstation, die Militärstation Guti (Durga), engl. Gooty, eine Anzahl befestigter Hügel, welche ein Fort und eine Stadt mit 5500 E. einschließen. An ihrem nördl. Ende liegt auf einem ungeheuern, sich 620 m ü. d. M. erhebenden Felsblocke eine zum Aufenthalte von Staatsgefangenen dienende Festung. Die Stadt und der Distrikt B. gelangten 1800 in den Besitz der Engländer, als diese und der Nisam von Haidarabad sich nach dem Falle von Tipu-Sahib in dessen Gebiet teilten.

Bellas, Stadt im portug. Distrikt Lissabon, 12 km nordwestlich der Hauptstadt, hat (1878) 2645 E., Post, ein Schloß, viele Villen, eisenhaltige Quellen und ist Sommerfrische, Badeort und Ausgangspunkt der berühmten Wasserleitung nach Lissabon, des Aqueducto das Aguas Livres.

Bellatrix (lat., Kriegerin), der Stern γ im Orion.

Bellay (spr. belläh), Joachim du, franz. Schriftsteller, neben Ronsard der bedeutendste Vertreter der Plejade (s. d.), geb. um 1524 zu Liré in Anjou, gest. 1. Jan. 1560 zu Paris. B. erhielt nur eine ungenügende Erziehung, holte dieselbe aber durch eisernen Fleiß nach und lernte durch eigenes Studium die klassischen Dichter und die Frankreichs kennen. Sein Hauptwerk ist die "Défense et illustration de la langue française" (1549), worin er gegen die alten Formen der nationalen Dichtung eifert und die klassischen Dichter als Vorbilder aufstellt. Seine sonstigen Dichtungen erschienen 1560, es sind Oden, Sonette und Übersetzungen; sie zeigen mehr Natürlichkeit als die Gedichte Ronsards und der meisten Dichter der Plejade. B.s Werke gab heraus: Marty-Laveaux (Par. 1866-67); einen Neudruck der "Défense": E. Person (ebd. 1882).

Belle (frz.), im 17.Jahrh. aus Italien nach Paris gebrachtes Hasardspiel. Es besteht aus einer Nummerntafel mit 13 Reihen zu je 8 Nummern, auf die gesetzt wird, und aus einer gleichen Anzahl Nummern in einem Beutel, aus denen eine Gewinnnummer gezogen wird. B., Fluß und Einunddreißig, Hasardspiel mit Karten in drei Touren, mit gleichzeitigem Einsatz für jede Tour in drei Tellern.

Belle-Alliance (spr. bäll alliángß), Meierhof im Arrondissement Nivelles der belg. Provinz Südbrabant, liegt ungefähr 20 km südöstlich von Brüssel, zwischen Waterloo und Genappe, an der Straße nach Charleroi. Nach demselben benannten die Preußen die Schlacht von Waterloo (s. d.).

Belleau (spr. belloh), Remy, franz. Dichter, Mitglied der Plejade (s. d.), geb. 1528 in Nogent le Rotrou, gest. 16. März 1577 zu Paris. Seinen Ruf begründete B. namentlich durch treffliche Naturschilderungen sowie durch seine Übersetzungen, unter denen ihm die des Anakreon den Beinamen eines "französischen Anakreon" eintrug. Von seinen Werken sind zu nennen: "Petites inventions" (1557), "Amours et nouveaux échanges des pierres précieuses" (1566), das sich an die mittelalterlichen Steingedichte anlehnt, und die "Bergerie" (1565). Seine Komödie "Reconnue" wurde 1565 aufgeführt. Ausgaben seiner Werke von Patisson (Par. 1578), Gouverneur (in der "Bibliothèque elzévirienne), 2 Bde., 1879).

Bellegarde (spr. bällgárd), häufiger Ortsname in Frankreich. Darunter 1) Flecken im Kanton (Chatillon-de-Michaille, Arrondissement Nantua, des Depart. Ain, an der Rhône, bei der Mündung der Valserine, in 374 m Höhe, hat (1891) 2012, als Gemeinde 2222 E. und ist Anfangspunkt der Schiffahrt auf der Rhône, deren mechan. Kraft (10 000 Pferdekräfte) verschiedene Fabriken, Papier- und Schneidemühlen treibt. Hier, bei der sog. Perte du Rhône, die nur bei niedrigem Wasserstande sichtbar ist, öffnen sich malerische Schluchten, deren längste, die Perte de la Valserine, etwa 400 Schritt mißt. - 2) Hauptstadt des Kantons B. (149,30 qkm, 12 Gemeinden, 7554 E.) im Arrondissement Montargis des Depart. Loiret, an der zum Loing gehenden Bézonde und an den Linien Orleans-Montargis der Mittelmeer- und Bourges-Beaune-la-Rolande der Orléansbahn, liegt in 121 m Höhe und hat 1164 E. und Handel mit Safran, Wachs und Holz. - 3) Festung zweiter Klasse in der Gemeinde du Perthus im franz. Depart. Pyrénées Orientales, in 130 m Höhe, beherrscht die Heerstraße von Perpignan nach Figueras.

Bellegarde (spr. bällgárd), Heinr., Graf von, österr. Feldmarschall und Staatsminister, geb. 29. Aug. 1756 zu Dresden, trat zuerst in sächs., dann in österr. Kriegsdienste, kämpfte mit Auszeichnung im Türkenkriege (1788) und wurde 1792 Generalmajor. In den ersten Feldzügen gegen Frankreich wirkte er besonders als Generalstabschef Wurmsers (s. d.) am Oberrhein; 1796 Feldmarschalllieutenant, folgte er dem Erzherzog Karl 1797 nach Friaul, wo er den Waffenstillstand von Leoben abschloß. Im Dez. 1797 wurde er mit besondern Aufträgen an den Kongreß zu Rastatt gesandt. 1799 führte er den Befehl über das Korps, welches die Verbindung zwischen Erzherzog Karl und Suworow erhalten sollte, behauptete sich gegen Lecourbe 20. März bei Finstermünz, unterlag aber in der Schlacht bei Casina Grossa (20. Juni) gegen Moreau. Nach dem Feldzuge von 1800 in Italien, in welchem er Chef des Generalstabes war, erhielt er eine Stelle im Hofkriegsrat, in dem er seit 1805, nach dem Abgange des Erzherzogs Karl, das Präsidium führte. Im Feldzuge von 1805 befehligte B. in der Schlacht von Caldiero den rechten Flügel der Österreicher und fungierte als Generalgouverneur im Venetianischen. Im folgenden Jahre versah er denselben Posten in Galizien und wurde Feldmarschall. Im Feldzuge von 1809 operierte er mit dem 1. und 2. Armeekorps auf dem linken Donauufer und nahm an den Schlachten von Aspern und