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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Belliard - Bellingshausen

röm. Dialektdichter (in den "Akademischen Monatsheften", 1890, VI, 9).

Belliard (spr. -ahr), Augustin Daniel, Graf, franz. Generallieutnant und Diplomat, geb. 25. März 1769 zu Fontenay le Comte in Poitou, trat zu Anfang der Revolution als Freiwilliger in die franz. Armee, wurde 1791 von den Freiwilligen der Armee zum Hauptmann erwählt und zeichnete sich bei der Nordarmee als Adjutant Dumouriez' aus; darauf abgesetzt, trat er als Chasseur à cheval wieder ein, und nachdem er als solcher einen Feldzug mitgemacht hatte, wurde er wieder in seine Charge eingesetzt, that sich als Generaladjutant Hoches hervor und ging 1796 zur ital. Armee, wo er unter Napoleon sich vielfach auszeichnete und bei Arcole zum Brigadegeneral ernannt wurde. B. kämpfte dann in Tirol und Ägypten (bei Heliopolis befehligte er eine Division und schlug die feindliche Kavallerie znrück) und mußte 1801 in Kairo kapitulieren. Als Generalstabschef Murats machte er die Feldzüge 1805, 1806 und 1807 mit und ward dann Gouverneur von Madrid. Als Aide-major-general der Kavallerie der Großen Armee nahm B. am Feldzug in Rußland teil, zeichnete sich besonders bei Borodino aus, wo eine von ihm errichtete Batterie den Rückzug der russ. Garde vor Ney wesentlich herbeiführte. Im Dez. 1812 zum Generaloberst der Kürassiere ernannt, war er nach Rückkehr aus Rußland auf preuß. Gebiet für die Reorganisation der Kavallerie thätig und schlug die Schlachten bei Dresden und Leipzig mit; in letzterer zerschmetterte ihm eine Kugel einen Arm. Kaum genesen, wurde er nach der Schlacht bei Craonne (7. März 1814) zum Befehlshaber der Kavallerie ernannt und entwickelte nun bis zur Abdankung Napoleons eine außerordentliche Thätigkeit. Sodann unterwarf er sich Ludwig XVIII. und wurde von diesem zum Pair von Frankreich ernannt. 1815 trat er wieder auf Seite Napoleons, wurde von ihm als Gesandter nach Neapel geschickt, kam jedoch zu spät, um die Fehler Murats wieder gut machen zu können. Nach Frankreich zurückgeeilt, um das Kommando der 3. und 4. Militärdivision zu übernehmen, kam er nicht mehr zu nennenswerter militär. Thätigkeit. Nach der Restauration fiel er bei Ludwig XVIII. in Ungnade, wurde im Nov. 1815 gefangen gesetzt und aus der Liste der Pairs gestrichen. 1816 wieder freigelassen, erhielt er 1819 die Pairswürde wieder zurück. Als Gesandter Ludwig Philipps in Brüssel war er der Reorganisation der belg. Armee sehr förderlich und starb 28. Jan. 1832 in Brüssel, wo ihm 1836 ein Denkmal (Marmorstandbild) errichtet wurde. - Vgl. B.s Mémoires écrits par lui-même (3 Bde.,Par. 1842-43).

Belling, Wilhelm Sebast. von, preuß. Generallieutenant, geb. 15. Febr. 1719 zu Paulsdorf in Ostpreußen, aus einer altpomm. Familie. Von 23 Trägern dieses Namens, die im siebenjährigen Kriege im preuß. Dienst waren, fielen 20. - B. kam 1737 aus dem Kadettenkorps wegen seiner Kleinheit zu einem Garnisonbataillon, wurde aber von Friedrich Wilhelm I., dem er aufgefallen war, 1739 zu dem litauischen Husarenregiment versetzt. Von 1741 bis 1747 war er im Zietenschen Husarenregiment. Es gelang ihm aber erst 1757, sich besonders auszuzeichnen. 1758 wurde B. Commandeur eines neuerrichteten Husarenbataillons (der schwarzen Husaren), verbreitete mit diesem in der Oberpfalz im Rücken des Feindes weithin Schrecken und nahm 1759 mit einem kleinen Detachement zwei kaiserl. Regimenter bei Basberg gefangen. Den größten Ruhm erwarb er aber in Pommern, wo er mit seinem schwarzen Husarenregiment und weniger Infanterie der ganzen schwed. Armee die Spitze bot und drei glückliche Feldzüge führte. 1762 kämpfte B. unter Prinz Heinrich in der Schlacht bei Freiberg. Noch im Siebenjährigen Kriege zum Generalmajor befördert, wurde B. 1776 Generallieutenant und that sich als solcher im Bayrischen Erbfolgekriege bei Gabel 1778 hervor. Nach der Rückkehr aus dem Feldzuge starb B. in seiner Garnison Stolp 28. Nov. 1778. - Durch B. ward Blücher, der als schwed. Kornett 1760 beim Kavelpaß in Mecklenburg gefangen war, bewogen, in preuß. Dienste zu treten. - Vgl. Graf Lippe-Weißenfeld, Husarenbuch (Potsd. 1863).

Bellinghausen, s. Münch-Bellinghausen.

Bellingrath, Ewald, Ingenieur, geb. 18. April 1838 in Barmen, besuchte die polytechnischen Schulen in Lüttich, Karlsruhe und Zürich. Nach mehrjähriger Bethätigung in der Stahlindustrie widmete sich B. (seit 1868) dem Schiffahrtsbetriebe und begründete 1869, nachdem die Kettenschiffahrt (seit 1866) auf kürzern Strecken der Elbe eingerichtet worden war, eine Gesellschaft in Dresden, die sich zunächst die Belegung der Elbe mit einer von Böhmen bis Magdeburg reichenden Kette zum Ziele setzte und 1. Nov. 1869 den Betrieb eröffnete. Nachdem die Kettenlegung 1874 auf der ganzen deutschen Elbe beendet war, wurden die Frachtschiffe, die bis dahin fast nur auf den Gebrauch der Segel angewiesen waren und nur eine Tragfähigkeit von 100 bis 150 t erreichten, bald durch solche von 400 bis 700 t ersetzt, die Fahrten erfolgten schneller und regelmäßiger, die Verkehrsmenge wurde in weniger als 10 Jahren auf das Dreifache gesteigert. B. als Generaldirektor der "Kette, Deutsche Elbschiffahrtsgesellschaft" in Dresden benutzte den gewonnenen Einfluß, um auch durch eine bessere Organisation, Errichtung von Schifferverbänden und Befrachtungscomptoiren, durch Wiederbelebung der Reihenschiffahrt, wie sie unter den frühern Schiffergilden bestanden hatte, durch Besserung der Ladegebräuche und insbesondere der Verfrachtungsbedingungen die Schiffahrt zu heben. Die über letztere zwischen Vertretern des Handels und der Schiffahrt allmählich erzielten Vereinbarungen können als die praktischen Grundlagen für die vielbegehrte Reform des Binnenschiffahrtsrechtes angesehen werden; 1878 leitete B. den Bau und die Organisation der Kettenschiffahrt auf dem Neckar (von Mannheim bis Heilbronn), 1881 auf dem Main (von Mainz bis Aschaffenburg). Er schrieb "Studien über Bau- und Betriebsweise eines deutschen Kanalnetzes" (Berl. 1879), "Reform der Mainschiffahrt" (Dresd. 1880).

Bellingshausen, Fabian Gottlieb von, bei den Russen Faddej Faddejewitsch, russ. Admiral und Seefahrer, geb. 9. (20.) Sept. 1778 auf der Insel Ösel, kam mit 8 Jahren in das Seekadettenkorps nach Kronstadt und 1797 als Offizier in die bei Reval stationierte Flottenabteilung. B. machte 1803 die erste russ. Weltumsegelung unter Krusenstern (s. d.) mit und kreuzte 1809 als Korvettenkapitän gegen die schwed. Flotte. Im Juli 1819 trat er im Auftrag der russ. Regierung eine Expedition in die Südpolargegenden an, aus welcher er im Dez. 1819 die Traversay-Inseln entdeckte, im Aug. 1820 bis zum 70. Breitengrad vordrang und die Peters-Insel und Alexanders-Land auffand. Über Rio de Janeiro und Lissabon kehrte die Expedition nach