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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Belvedere - Betz

die Gedrosische Wüste der Alten, wo ein großer Teil von Alexanders Heer unterging, ist im Sommer unpassierbar. Der Boden ist meist steinig und nur bei Gandawa reich. Gold, Silber, Kupfer, Blei, Eisen, Zinn, Antimon, Bimsstein, Alaun, Ammoniak, Salpeter und mehrere Salze finden sich. - Pflanzen gedeihen vorzüglich in den gut bewässerten Thälern, besonders die Obstarten der Mittelmeerflora: Aprikosen, Pfirsiche, Trauben, Mandeln, Pistazien, Äpfel, Birnen, Pflaumen, Kirschen, Quitten, Feigen, Granatäpfel, Maulbeeren, Bananen und die ind. Guava. Neben den europ. Getreidearten wird Reis und eine Hülsenfrucht Dschoar, desgleichen Tabak sowie Baumwolle und vorzüglicher Indigo gebaut. Der Dattelkultur wird in Mekran viel Sorgfalt zugewandt. - An Tieren sind Tiger, Leoparden, .Hyänen, Wölfe, Schakale, Tigerkatzen, wilde Hunde, Füchse, Hasen, Ichneumons, Antilopen, verschiedene wilde Schaf- und Ziegenarten, darunter die Bezoarziege und der Steinbock (Capra aegagrus Gm.), wilde Esel (Equus onager Schreb.) zu erwähnen. Die Vogelwelt gleicht der Persiens und Afghanistans.

Bevölkerung. Diese, etwa 400 000 Seelen auf etwa 315 000 qkm, zerfällt in Belutschen und Brahui. Die Belutschen sind ein iranischer, den Afghanen in einzelnen Zügen ähnelnder Stamm. Sie sprechen einen iran. Dialekt, das Belutschī (s. Iranische Sprachen). Die Brahui (s. d.), ein wahrscheinlich dravidischer Stamm, haben sprachlich und ethnologisch sowie auch im bürgerlichen Leben nichts mit den Belutschen gemein. Die Brahui sind die herrschende Rasse; aus ihnen gehen die Herrscher hervor. Beide Stämme sind wie die Afghanen sunnitische Mohammedaner. Das Land ist in 7 Provinzen geteilt: 1) Katschi-Gandawa und 2) das Land der Marri und Bugti im NO, 3) Dschhalawan im O., 4) Lus im SO., 5) Mekran im S., 6) Kohistan im W., 7) Kelat im N. Die wichtigsten Städte sind Kelat, Mastung, Bagh, Dadar, Gandawa, Nuschki, Dera Bugti und Sunmiani. Die Distrikte wählen ihre Oberhäupter (Chane). Der Chan von Kelat übt die Oberhoheit aus; er steht unter engl. Schutze, erhält ein Jahresgehalt und muß die Anlage engl. Militärstationen, besonders zum Schutze des Bolanpasses, gestatten. Ein engl. Agent hat seinen Sitz in Kelat. (S. Britisch-Belutschistan.)

Geschichte. Die ersten sichern Nachrichten über B. geben uns die Geschichtschreiber Alexanders d. Gr., z. B. Arrian. Im 8. Jahrh. wurde B. von einem Heere der Chalifen von Bagdad durchzogen. Wann die Brahui und die Belutschen das Land eingenommen haben, steht nicht fest. Es scheint, als ob das vordem von einer Hindudynastie regierte Land von den Brahui erobert worden, und als ob die Belutschen später hinzugewandert seien. Die Belutschen behaupten arab. Ursprungs zu sein und aus der Gegend von Haleb zu stammen. Ihr Führer habe Tschâkur (Kâkur) geheißen. Der Name des Brahuichans, der zuerst das Land erobert haben soll, war Kumbar. Sein vierter Nachfolger, Abdullah-Chan, eroberte Katschi-Gandawa, welches damals zu Sindh gehörte. Noch während der Kriege der Kumbarâni (Nachfolger Kumbars) schickte Nadir Schah, der große pers. Eroberer, von Kandahar Expeditionen nach B. und unterwarf es. Dem tapfern Abdullah-Chan, der im Kampfe gegen die Nawwabs (Nabobs) von Sindh fiel, folgte sein verschwenderischer und tyrannischer ältester Sohn Hadschi Muhammed-Chan. Die Mißregierung und Bedrückung dieses Fürsten veranlaßten seinen Bruder Naßir-Chan, einen bewährten Heerführer im Gefolge Nadir Schahs, nach Kelat zu eilen und, da Vorstellungen nichts nützten, seinen Bruder zu erstechen. Naßir-Chan, nachmals der Große genannt, bestieg unter dem Jubel des Volks den Thron und wurde von Nadir Schah als Herrscher anerkannt (1739). Naßir verstand es, seine Herrschaft nach innen und außen zu festigen. Nach Nadir Schahs Tode (1747) erkannte Naßir zwar anfangs Ahmad Schah Durrani als König von Kabul an, erklärte sich aber später unabhängig. Ein Heer, welches Ahmad Schah gegen den kühnen Naßir sandte, wurde vollständig geschlagen. Nun zog der große Eroberer selbst nach Süden, schlug die Brahui und schloß sie in Kelat ein. Da er aber die Festung nicht bezwingen konnte, schloß er einen Friedens- und Freundschaftsvertrag, wonach er Naßirs Base heimführte, Naßir aber keinen Tribut zu zahlen hatte, sondern nur im Kriegsfalle ein Hilfskorps gegen Geldentschädigung aufbieten sollte. Naßir hatte häufig Gelegenheit, seine Lehnstreue zu beweisen, so besonders in der Schlacht bei Meschhed, die er zu Gunsten Ahmed Schahs entschied. Er starb hochbetagt 1795. Seine Nachfolger Mahmud und Mihrâb waren unbedeutend. Letzterer kam 1839 in einem Kriege gegen die Engländer um. Sein Sohn Naßir II. kam 1841 zur Herrschaft. Er ließ sich 1854 von den Engländern einen Vertrag aufnötigen, wonach er u. a. die Belegung belutschischer Orte durch brit. Truppen dulden mußte und ihm ein Jahrgeld von 100 000 M. zugesagt wurde; der Vertrag kam indes nicht zur Ausführung. Sein Nachfolger Chudadâd-Chan hatte mit vielen Unruhen zu kämpfen und mußte sich wieder den Engländern in die Arme werfen, die bei dieser Gelegenheit Quetta besetzten und es später einzogen. Durch Abmachungen vom 8. Dez. 1876 und 8. Juni 1883 ist der gegenwärtige Zustand geschaffen worden. Beim Durchzug der brit. Truppen durch B. bei Gelegenheit des afghan. Krieges 1887 leistete Chudadâd-Chan den Engländern Beistand.

Belvedere (ital., gleichbedeutend mit dem franz. Bellevue [s. d.], d. h. schöne Aussicht), Benennung für Punkte mit schöner Fernsicht, später aber auch auf die an solchen Punkten errichteten Bauwerke mit turm- oder tempelartigem Charakter übertragen. Auch ist dieser Name verschiedenen Lustschlössern, die an besonders schönen Punkten liegen, gegeben worden, z. B. einem nach Plänen Bramantes erbauten Teile des Vatikanischen Palastes zu Rom, in dem sich die berühmte Statue des Apollon von B. (s. Apollon) befindet; ferner dem 1693-1724 von Hildebrand im Auftrage des Prinzen Eugen von Savoyen erbauten Lustschlosse in Wien (in dem sich bis Okt. 1891 die kaiserl., jetzt in das kunsthistor. Museum übertragene Gemäldesammlung befand), Lustschlössern bei Weimar, Neubrandenburg u. a. Im Mittelalter nannte man solche Stellen oder die an ihnen errichteten Türme meist Luginsland; so z. B. in Augsburg, Nürnberg.

Betz, Stadt in der österr. Bezirkshauptmannschaft Sokal (im ehemaligen Zolkiewer Kreise) in Ostgalizien, an der links zum Bug gehenden Sołokija und der Linie Jaroslau-Sokal der Karl-Ludwigsbahn, hat (1890) 773, als Gemeinde 4960 meist poln. E., Post, Bezirksgericht (374 qkm, 38 Gemeinden, 40 Ortschaften, 34 Gutsgebiete, 27 949 E.), Steueramt, Ackerbau, Viehzucht, und war einst der