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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bema - Benares

angestellt. Auf Österreichs und Rußlands Einsprache wurde B. 1850 nach Haleb geschickt, wo er im November an der Spitze türk. Truppen den blutigen Aufstand der arab. Bevölkerung gegen die Christen niederschlug. Er starb 10. Dez. 1850. 1880 wurde ihm in Maros-Vásárhely ein Denkmal errrichtet. Außer andern Schriften erschien von ihm «Exposé général de la méthode mnémonique polonaise etc.» (Par. und Lpz. 1839). – Vgl. Czetz, B.s Feldzug in Siebenbürgen (Hamb. 1850); Pataky, B. in Siebenbürgen (Lpz. 1850).

Bēma (grch.), in den griech. Kirchen der umgitterte Raum für die Geistlichkeit und besonders der in ihm befindliche Sitz für den Bischof.

Bembasee, s. Bangweolo.

Bembe, Fluß in Südafrika, s. Limpopo.

Bembex Latr., s. Bastardwespe.

Bembo, Pietro, ital. Gelehrter, geb. 20. Mai 1470 zu Venedig, aus vornehmer Familie, studierte 1492‒94 das Griechische unter Konstantin Laskaris in Messina, verweilte 1498‒1500 in Ferrara, wo er bei Lucrezia Borgia in Gunst stand, war dann in Venedig eins der vorzüglichsten Mitglieder von Aldus Manutius’ Akademie und besorgte für dessen Druckerei die Ausgabe der ital. Gedichte Petrarcas (1501) und der «Göttlichen Komödie» (1502). 1506‒12 lebte er am Hofe von Urbino, ging nach Rom und ward 1513 von Leo Ⅹ. mit seinem Freunde Sadoleto zum päpstl. Sekretär ernannt. In Rom lernte B. seine Geliebte Morosina kennen, die ihm zwei Söhne und eine Tochter gebar. Seit 1520 lebte er in Padua, wo er sich eine herrliche Bibliothek und Antiquitätensammlung anlegte. 1530 erhielt er vom Rate der Zehn zu Venedig den Auftrag, Sabellicos «Venetianische Geschichte» fortzusetzen, und das Bibliothekariat der Markusbibliothek. Paul Ⅲ. verlieh ihm 1539 den Kardinalshut, 1541 das Bistum Gubbio und 1544 das von Bergamo. Er blieb aber in Rom, wo er 18. Jan. 1547 starb. Seine ital. und lat. Dichtungen («Carmina») zeichnet weniger Eigenart als hohe Formvollendung aus. Sein großes Verdienst war, daß er, obgleich eleganter Latinist, mit seinem großen Einflusse für das Italienische in der Litteratur eintrat und das reine Toscanisch zur gemeinsamen Schriftsprache der ganzen Halbinsel erhob. Unter seinen (auch vielfach einzeln gedruckten) Werken (4 Bde., Vened. 1729) sind am wichtigsten: «Historiae Venetae libri ⅩⅡ» (von 1487 bis 1513, ebd. 1551), die er selbst ins Italienische übersetzte (ebd. 1552; beste Ausgabe von Morelli, 2 Bde., ebd. 1790); ferner: «Prose» (ebd. 1525 u. ö.), Dialoge, die die Regeln der toscan. Sprache aufstellen; «Gli Asolani» (ebd. 1505 u. ö.), Dialoge über die Liebe, Lucrezia Borgia gewidmet; «Rime» (ebd. 1530 u. ö.), eine Sammlung von Sonetten und Kanzonen; Briefe, sowohl italienisch als lateinisch geschrieben. – Vgl. Cian, Un decennio della vita di P. B. 1521‒31 (Turin 1885).

Bemeselis, Ort in Palästina, s. Bethome.

Bommel, Malerfamilie, die aus Burgund wegen Religionsbedrückung nach Utrecht ausgewandert war. Ihr Stammvater ist Wilhelm von B., geb. 1630 in Utrecht. Er lernte bei Saftleven die Landschaftsmalerei und trat dann auf 6 Jahre in den Dienst des Landgrafen von Hessen-Cassel, für den er viele Landschaften, meist Motive aus Tivoli, malte. Seit 1662 lebte er in Nürnberg, wo er 20. Dez. 1708 starb. Seine Bilder sind gut gezeichnet, wahr in der Auffassung, etwas kühl in der Farbe. Er war auch Radierer. Die Dresdener Galerie besitzt von ihm: Abendlandschaft mit Wasserfall (1660) und Morgenlandschaft mit Bergsee (1661); andere Bilder von ihm sind in Frankfurt a. M., Braunschweig, Breslau u. s. w.

Einer seiner Söhne, Peter von B., geb. 1685 zu Nürnberg, gest. 1754 zu Regensburg, wurde besonders vom Fürstbischof von Bamberg, Franz Konrad von Stadion, beschäftigt, dessen Schlösser er mit Gemälden schmückte. Er war wie der Vater Landschaftsmaler und ist nächst diesem der bedeutendste Künstler aus der Familie B.; am besten gelangen ihm Winter- und Gewitterscenen. Bilder von ihm sind in Braunschweig und Bamberg.

Karl Sebastian von B., Enkel des vorigen, geb. 1743 zu Bamberg, gest. 26. Nov. 1796 zu Nürnberg, bildete sich in der Schule der Brüder Lang daselbst und stellte am liebsten Seestücke, Stürme, Feuersbrünste, Morgen-und Nachtscenen dar; seine Landschaften zeichnen sich durch gute Perspektive und Naturwahrheit aus.

Bémol, in der Musik der franz. Name für das Versetzungszeichen ♭. Die ital. Form ist Bemolle.

Ben, im Hebräischen «Sohn»; es wird zu näherer Bezeichnung der Person dem Namen auch der des Vaters beigefügt, daher B. in solcher Verbindung «Sohn des ....» bezeichnet, z. B. David B. Salomo, Ali B. Hassan. Daher haben, analog den deutschen Namen auf -sohn, manche Juden neuerer Zeit aus der Zusammensetzung des B. und des väterlichen Namens neue Familiennamen gebildet, z. B. Benary (= Löwensohn).

Ben (Bhein), im Gälischen soviel wie Berggipfel, bei schott. Bergnamen häufig, so Ben-Nevis (s. d.), Ben-Cruachan, Ben-Lomond, Ben-More.

Benachrichtigungsposten, s. Avertissement.

Benācus lacus, röm. Name des Gardasees.

Benadirküste, s. Somalland.

Benaluka, s. Banjaluka.

Benannte Zahl, s. Zahl.

Bénarde (frz.), ein Thürschloß, das sich von beiden Seiten schließen läßt.

Benāres (oder Banaras; im Sanskrit Vārānasī). 1) Division der Lieutenant-Gouverneurschaft der Nordwestprovinzen des Indobritischen Reichs, grenzt im N. und O. an die Division Patna der Präsidentschaft Bengalen, im S. an tributpflichtige Staaten Centralindiens, im W. an die Divisionen Allahabad und Mirath (engl. Meerut) der Nordwestprovinzen, hat 47491 qkm, (1891) 10632190, (1881) 9820728 E., darunter 8759446 Hindu und 1056351 Mohammedaner, und 7 Distrikte: Asamgarh, Mirsapur, B., Ghasipur, Gorakhpur, Basti und Ballia. – 2) Hauptstadt der Division und des Distrikts B., das Rom der Hindu, die heiligste Stadt derselben, etwa 8 km lang, unter 25° 18½’ nördl. Br. und 83° 3’ östl. L., amphitheatralisch auf dem linken Ufer des Ganges, der daselbst eine hafenförmige Einbuchtung in das Land bildet und eine nach der Jahreszeit wechselnde Breite von 550 bis 850 m bei einer Tiefe von 25 bis 30 m besitzt. Eine Holzbrücke und eine 1888 vollendete Eisenbahnbrücke vermitteln den Verkehr mit dem rechten Ufer. Die am Ufer liegende Stadt der Hindu bildet ein Labyrinth dunkler, feuchter, schmutziger und so enger Straßen, daß kaum der Elefant allenthalben durchkommen kann. Wagen sind in ihnen nicht zu brauchen. Die Häuser, deren Zahl sich 1872 auf 35741 belief, sind drei-, häufig aber fünf- bis sechsstöckig, meist mit