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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bene meritus; Beneplacito; Beneschau; Benevent

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Bene meritus - Benevent

Grundwissenschaft auszubilden vorzugsweise bemüht gewesen ist. Auch die Ethik wird auf gegebene psychische Wertverhältnisse basiert, wonach moralisch gefordert wird, was in der objektiven und subjektiven Wertschätzung unmittelbar als das Höchste erscheint. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: «Erfahrungsseelenlehre, als Grundlage alles Wissens, in ihren Hauptzügen dargestellt» (Berl. 1820), «Erkenntnislehre nach dein Bewußtsein der reinen Vernunft, in ihren Grundzügen dargelegt» (Jena 1820), «Neue Grundlegung zur Metaphysik» (Berl. 1822), «Psychologische Skizzen» (2 Bde., Gött. 1825-27), «Über das Verhältnis von Seele und Leib» (ebd. 1826), «Lehrbuch der Psychologie als Naturwissenschaft» (Berl. 1833; 4.Aufl. 1877), «Erziehungs- und Unterrichtslehre» (2 Bde., ebd.1835-36; 4. Aufl., von Dreßler, ebd. 1876), «Grundlinien des natürlichen Systems der praktischen Philosophie» (3 Bde., ebd. 1837-41), «System der Metaphysik und Religionsphilosophie aus den natürlichen Grundverhältnissen des menschlichen Geistes abgeleitet» (ebd. 1840), «System der Logik als Kunstlehre des Denkens» l2 Bde., ebd. 1842), «Pragmatische Psychologie oder Seelenlehre in der Anwendung auf das Leben» (2 Bde., ebd. 1850), «Archiv für die pragmatische Psychologie» (3 Bde., ebd. 1851-53). Ein unbestreitbares Verdienst hat sich B. durch seine Lehre von den Verhältnissen der Vorstellungsreihen und durch seine auf Herbart basierte Kritik der bisher von der Psychologie als wahr angenommenen abstrakten Seelenvermögen, besonders für die Pädagogik, erworben. - Vgl. Raue, Die neue Seelenlehre B.'s u.s.w. (5. Aufl., bearbeitet von Dreßler, Mainz (1876).

Bene meritus (lat.), wohlverdient.

Beneplacito (ital., spr.-plahtsch-), Wohlgefallen, Belieben; a beneplacito (in der Musik), nach Belieben, kommt selten vor; in der Regel wird geschrieben: ad lib., d.h. ad libitum (s. d.).

Beneschau. 1) Bezirkshauptmannschaft in Böhmen, hat 899,09 qkm, (1890) 69077 E., 8896 Häuser, 14494 Wohnparteien, hatte 1880 unter 69222 (33317 männl., 35905 weibl.) E. 589 Evangelische, 66838 Katholiken und 1793 Israeliten; 105 Gemeinden mit 293 Ortschaften und umfaßt die Gerichtsbezirke B., Neweklau und Wlaschim. - 2) B., czech. Benešov, Stadt und Sitz der Bezirkshauptmannschaft sowie eines Bezirksgerichts (310 qkm, 37 Gemeinden, 108 Ortschaften, 27488 E.), an der Linie Prag-Gmünd der Österr. Staatsbahnen, hat (1890) 5589 czech. E., in Garnison ein Bataillon des 102. böhm. Infanterieregiments «Freiherr von Catty», Post, Telegraph, altes Rathaus, Piaristenkollegium, czech. Untergymnasium; Lederfabrikation, Aktienmalzfabrik mit Brauerei, eine Dampfmühle und Ackerbau. B. wurde 1420 von dem Hussitenführer Ziška erobert und teilweise, 1664 von den Schweden gänzlich zerstört. Unweit Dorf und Schloß (424 m) Konopischt (391E., als Gemeinde759E.) des Erzherzogs Franz Ferdinand von Österreich-Este, mit alter Burg, 58 m hoher Warte, Brauerei, Dampfbrettsäge und Tiergarten, und das Dorf Brodetz mit Baumwollspinnerei. - 3) B., Deutsch-Beneschau, Stadt (seit 1881) im Gerichtsbezirk Gratzen der österr. Bezirkshauptmannschaft Kaplitz in Böhmen, in 668 m Höhe, an der zur Maltsch gehenden Schwarzau, hat (1890) 1450, als Gemeinde 2215 deutsche E., Post, Telegraph, eine aus dem 14. Jahrh. stammende Kirche mit schönem Altarbilde, Sparkasse; Holzwollefabrik, drei amerik. Kunstmühlen und eine Brettsäge. In der Nähe am Fuße des Haselberges (776 m) die großen Eisenhütten und Hammerwerke «Gabrielen Eisenwerk».

Benevent (Benevento). 1) Provinz in Mittelitalien, im Norden der Landschaft Campanien, früher mit einem Teile zum Kirchenstaate gehörig, grenzt im N. an die Provinz Campobasso, im O. an Foggia, im S. an Avellino, i:n W. an Caserta, hat 1751,51 (nach Strelbitskij 2168) qkm, (1881) 238425 E. und zerfällt in die drei Kreise B. (104290 E.), Cerreto Sannita (75931 E.), San Bartolommeo in Galdo (58204 E.) mit zusammen 73 Gemeinden. 1891 wurden 245135 E. berechnet. Das Land wird vom Apennin durchzogen und ist im Bereiche der westl. Vorterrassen fruchtbar; es wird vom Calore, einem Nebenfluß des Volturno, und seinen Nebenflüssen bewässert und bietet zur Ausfuhr Rinder, Getreide, Wein, Öl, Südfrüchte, Tabak und Wildbret. Die Provinz wird von Westen nach Osten von einer Bahnlinie durchschnitten, die Neapel und Caserta mit Ariano und Foggia verbindet und die Provinzialhauptstadt B. berührt. 2) Hauptstadt der Provinz B., auf einem Hügel zwischen den Flüssen Sabato und Calore, an den Linien Concello-Avellino-B. des Mittelmeer- und Foggia-Neapel des Adriatischen Netzes, ist Sitz eines 969 gestifteten Erzbistums (mit den Bistümern Alife, Ariano, Ascoli und Cerignola, Avellino, Bojano, Bovino, Larino, Lucera, San Severo, Sant'Agata de' Goti, Telese und Termoli), hat enge, unsaubere Straßen, (1881) 18242, als Gemeinde 21631 (1891: 26000) E., einen Dom aus dem 12. Jahrh. mit bronzenen Thüren und schönen Gemälden, viele Kirchen und Klöster, sowie ägypt. Obelisken auf verschiedenen Plätzen, mehrere Fabriken für gold- und silberplattierte Waren, Leder und Pergament, beträchtlichen Getreidehandel. Unter den Resten des Altertums in B., wo beinahe jede Mauer aus Bruchstücken von Altären, Grabmälern, Säulen und Gebälken besteht, zeichnet sich der wohlerhaltene, 114 n. Chr. erbaute Triumphbogen Trajans (15½ m hoch) aus, jetzt unter dem Namen des Goldenen Thors (Porta aurea) ein Stadtthor von B. Dieser Triumphbogen besteht aus einem einfachen und sehr wohl erhaltenen Bogen von parischem Marmor mit einer auf beiden Seiten gleichen, noch lesbaren Inschrift; daneben befinden sich Darstellungen aus Trajans Leben in halberhabener Arbeit. - B., das Maleventum der Samniten, erhielt nach dem hier erfochtenen Siege der Römer über Pyrrhus 275 v. Chr. und nach Entsendung einer Militärkolonie 269 den Namen Beneventum. In den Punischen Kriegen hielt B. treu zu Rom, weshalb Hannibal es nach seinem Siege bei Cannä (216) der Plünderung preisgab. Unter Kaiser Augustus Colonia Julia Augusta Felix genannt, wurde es von Totilas 545 zerstört, von Narses wieder aufgebaut. Unter der Langobardenherrschaft war es die Hauptstadt eines selbständigen Herzogtums, das auch nach Desiderius' Sturz seine Selbständigkeit gegenüber den Griechen wie Karl d. Gr. zu wahren wußte. 840 zerfiel das Herzogtum in die Fürstentümer B., Salerno, Neapel und Capua. In der Folgezeit rangen Saracenen und Griechen, die Herzöge von Spoleto und die Grafen von Capua um den Besitz von B., bis sich 1049 Papst Leo IX. seiner bemächtigte, was ihm Kaiser Heinrich III. gegen Abtretungen in Franken bestätigte. Zwar mußte Leo nach seiner Niederlage gegen die Nor- ^[folgende Seite]