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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bennigsen

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Bennigsen (Alexander Levin, Graf von) - Bennigsen (Rudolf von)

und sich nach der von ihr erbauten Burg B. bei dem Pfarrdorfe gleichen Namens im hannov. Kreise Springe benannte. Hier erscheinen die B. urkundlich zuerst 1311 als Vasallen der Grafen von Schaumburg. Mit den Söhnen Johanna von B., gest. 1618, entstanden die beiden noch gegenwärtig blühenden Linien zu Banteln und zu B. Der (ältern) Linie zu Banteln gehörte der 1813 in den russ. Grafenstand erhobene russ. General Levin Aug. Theophil von B. (s. d.) an. Sein Sohn ist Graf Alexander Levin von B. (s. d.), ehemaliger hannov. Minister. Zur (jüngern) Linie zu B. gehören der kursächs. Generallieutenant Gustav Adolf von B., der im Bayrischen Erbfolgekriege die kursächs. Armee in Böhmen befehligte, der gegenwärtige Besitzer des Ritterguts B., Rudolf von B. (s. d.), sowie der Zweig der von Bennigsen-Foerder.

Bennigsen, Alexander Levin, Graf von, hannov. Staatsmann, Sohn des folgenden, geb. 21. Juli 1899 zu Zakret bei Wilna, kam 1818 nach Hannover, studierte seit 1826 zu Göttingen Jurisprudenz, trat dann in den Staatsdienst und ward 1835 dem Ministerium des Innern zugeteilt, nahm aber 1840 aus Gesundheitsrücksichten seine Entlassung. 1841 trat er in die Erste Kammer der hannov. Ständeversammlung und wurde in demselben Jahr zum Mitgliede des Obersteuerkollegiums und der Generaldirektion der indirekten Steuern ernannt. 1848 beauftragte ihn der König mit der Bildung eines neuen Ministeriums, in dem er außer dem Präsidium das Portefeuille des Auswärtigen und des königl. Hauses übernahm. Mit Stüve vertrat er in demselben gemäßigt liberale Anschauungen. Ende Febr. 1850 wurde B. mit einer Sendung nach Wien in betreff der deutschen Angelegenheiten betraut. Am 28. Okt. trat das Ministerium zurück. B., der bereits 1849 von den größern Grundbesitzern des 9. Wahlbezirks in die Erste Kammer gewählt worden war, wurde 185l deren Präsident; 1856 trat er für Osnabrück in die Zweite Kammer und wurde auch hier zum Präsidenten gewählt. Aber da er mit großer Energie die ständischen Rechte gegen die reaktionären Bestrebungen des Ministeriums Borries vertrat, verweigerte die Regierung ihm als pensionierten Staatsminister den Urlaub zur Teilnahme an der Ständeversammlung. Erst 1864 nahm B. als Vertreter der Hauptstadt wieder seinen Sitz in der Zweiten Kammer ein, die ihn abermals zum Präsidenten wählte. Nach der Annexion Hannovers schloß sich B. der wölfischen Partei an und war als Reichstagsmitglied (1881-83) Hospitant der Centrumspartei. Er starb 27. Febr. 1893 in Banteln (Reg.-Bez. Hildesheim).

Bennigsen, Levin Aug. Theophil, Graf von, russ. Feldherr, Sohn des braunschw. Oberst B., geb. 10. Febr. 1745 zu Braunschweig, wurde 1755 Page am kurhannov. Hofe, 1759 Fähnrich in der hannov. Fußgarde und rückte im Lauf des Siebenjährigen Krieges, erst 17 J. alt, zum Kapitän auf, nahm aber schon 1764 den Abschied. 1773 als Premiermajor in der russ. Armee angestellt, focht B. 1774 unter Rumjanzow gegen die Türken, 1788 als Oberst unter Potemkin bei dem Sturm von Otschakow. Als Brigadier zeichnete er sich 1792 in Litauen im kleinen Kriege aus. In dem poln. Kriege 1793-94 führte B. ein Kommando mit solchem Erfolge, daß ihm die höchsten Orden und ein Ehrensäbel zu teil wurden. In dem Kriege gegen Persien, 1796, trug er wesentlich zur Eroberung von Derbent bei. Unter Kaiser Paul wurde er 1798 Generallieutenant, fiel dann aber in Ungnade und beteiligte sich infolgedessen an der gegen das Leben des Kaisers gerichteten Verschwörung. Er führte in der Nacht vom 23. März 1801 die Verschworenen in das Schlafzimmer des Kaisers und trug durch seine Energie das meiste zum Gelingen der Mordthat bei. Alexander I. ernannte ihn 1802 zum General der Kavallerie. In den beginnenden Kämpfen mit Frankreich erhielt B. das Kommando der sog. Nordarmee, die aber 1805 nicht zur Verwendung kam; 1806 bildete dieses Korps wieder unter B.s Befehlen einen Teil der Armee in Preußen. Am 26. Dez. 1806 gelang es B., bei Pultusk die Angriffe des Marschalls Lannes zurückzuschlagen. Durch die blutige Schlacht bei Evlau (s. d.) gewann A. den Ruhm, zum erstenmal den Zauber der Unüberwindlichkeit Napoleons gebrochen zu haben. Am 14. Juni 1807 erlitt er jedoch bei Friedland eine entscheidende Niederlage. Nach dem Tilsiter Frieden lebte B. einige Jahre auf seinen Gütern in Litauen; 1812 erschien er ohne Amt wieder bei der Armee, wo er den thätigsten Anteil an den Intriguen gegen Barclay (s. d.) nahm. Unter Kutusow wurde er Chef des Generalstabes. Als solcher focht er 7. Sept. in der Schlacht bei Vorodino. Am 18. Okt. kämpfte er bei Tarutino mit Glück gegen Murat. Von Kutusow nur mangelhaft unterstützt, klagte er diesen bei Araktschejew und beim Kaiser an, er habe Moskau ohne alle Notwendigkeit dem Feinde überlassen und 18. Okt. den Erfolg absichtlich hintertrieben. Der Kaiser sendete B.s Denunziationen Kutusow selber zu, und B. erhielt darauf von diesem den Befehl, die Armee augenblicklich zu verlassen. Nach Kutusows Tode wußte es aber B. wieder dahin zu bringen, daß er das Kommando der in Polen gebildeten Reservearmee erhielt. Mit dieser sog. Polnischen Armee marschierte er im Aug. 1813 nach Böhmen und von dort mit der Hauptarmee nach Sachsen. In der Schlacht bei Leipzig 18. Okt. führte er die dritte Hauptkolonne, 59000 Mann stark, focht siegreich und wurde am Abend dieses Tages vom Kaiser Alexander in den Grafenstand erhoben. Dann wurde ihm die Belagerung Hamburgs aufgetragen, das die Franzosen aber erst nach dem Frieden räumten. Nach dem Frieden erhielt er 1815 das Kommando der zweiten Armee im südl. Rußland; Kränklichkeit nötigte ihn, 1815 seine Entlassung zu nehmen. Er starb 3. Okt. 1826, erblindet, auf seinem Stammgut Banteln bei Hannover. B. ist auch als militär. Schriftsteller aufgetreten in «Gedanken über einige Kenntnisse, die einem Offizier der leichten Kavallerie nötig sind» (Wilna 1805). Seine handschriftlichen Memoiren sind bis jetzt nicht veröffentlicht.

Bennigsen, Rudolf von, Politiker, geb. 10. Juli 1824 zu Lüneburg, wo sein Vater, Generalmajor Karl von B., in Garnison stand, studierte 1842-45 zu Göttingen und Heidelberg die Rechte, wurde 1846 Amtsauditor in Lüchow, später in Osnabrück, 1850 Justizkanzleiassessor in Aurich und Osnabrück, dann Vertreter des Staatsanwalts beim Obergericht in Hannover, 1854 Richter am Obergericht zu Göttingen. Als ihm 1855 und 1856 vom Justizminister der Urlaub zur Ausübung eines Abgeordnetenmandats verweigert wurde, trat er von seiner amtlichen Stellung zurück und unterzog sich der Bewirtschaftung seines väterlichen Gutes B. Bei den Neuwahlen von 1856 ward er von Göttingen in die Kammer gewählt und stellte sich hier an die Spitze der wenigen Oppositionsmitglieder. Als