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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Benzalchlorid; Benzaldehyd; Benzalgrün; Benzel-Sternau; Benzenberg; Benzert; Benzidam; Benzidin; Benzidinblau; Benziger

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Benzalchlorid - Benziger & Co.

tschatka verwiesen. B. veranlaßte daselbst die Erbauung eines öffentlichen Schulhauses, machte den Vorschlag, mit seinen Mitverbannten die südl. Landspitze Kamtschatkas anzubauen, und erhielt dafür seine Freiheit sowie die Hand der Tochter des Statthalters Nilow. Inzwischen hatte er den Plan entworfen, mit mehrern Mitverschworenen zu entfliehen. In Begleitung seiner Gattin Aphanasia verließ er Kamtschatka im Mai 1771 mit 96 Personen, nachdem es ihm gelungen war, das gegen ihn abgeschickte Kommando zurückzuschlagen, sich der Festung Botscherezk und der hier befindlichen 1 1/2 Mill. Piaster zu bemächtigen. Er segelte nach Formosa, dann nach Macao, wo viele von seinen Begleitern starben, unter ihnen auch Aphanasia. Darauf verdang er sich auf ein franz. Schiff, kam so nach Frankreich, erhielt ein Infanterieregiment und dann den Auftrag, auf Madagaskar eine Niederlassung zu gründen. 1774 begründete er die zu Foul-Point und wußte zugleich das Vertrauen verschiedener einheimischer Stämme zu gewinnen, die ihn 1776 zu ihrem König ernannten. Als er, nach Europa zurückgekehrt, um der Kolonie neue Unterstützung zu verschaffen, auf seiten des franz. Ministeriums kein Entgegenkommen fand, trat er wieder in österr. Dienste. 1783 suchte er in England und Baltimore Unterstützung für eine Expedition nach Madagaskar und reiste im Okt. 1784 dahin ab. Als er indes hier 1785 Feindseligkeiten gegen die Franzosen begann, schickte die Regierung von Mauritius aus Truppen gegen ihn. In einem Gefecht mit diesen, 23. Mai 1786, ward er tödlich verwundet. Seine Autobiographie gab Nicholson heraus (2 Bde., Lond. 1790; französisch Par. 1791), deutsch von Förster (2 Bde., Lpz. 1791) und Ebeling i2 Bde., Hamb. 1791), ungarisch von M. Jókai (Budapest 1888). Kotzebue hat in seiner "Verschwörung in Kamtschatka" (1795) B. auf die Bühne gebracht, Luise Mühlbach B. zum Helden eines Romans (4 Bde., Jena 1865), Slowacki zu dem eines Epos (1841) gemacht.

Benzalchlorid, C6H5.CHCl2 ^[C<sub>6</sub>H<sub>5</sub>.CHCl<sub>2</sub>], die Chlorverbindung des Radikals Benzal oder Benzyliden, (C6H5.CH: ^[C<sub>6</sub>H<sub>5</sub>.CH], wird beim Einleiten von Chlor in siedendes Toluol (s. d.) gewonnen. Man benutzt es zur Darstellung von Benzaldehyd (s. Bittermandelöl), indem man es mit Kalkmilch behandelt. Es ist eine bei 206° siedende Flüssigkeit.

Benzaldehyd, s. Bittermandelöl.

Benzalgrün, soviel wie Malachitgrün (s. d.).

Benzel-Sternau, Karl Christian Ernst, Graf zu, Staatsmann und Schriftsteller, geb. 9. April 1767 zu Mainz, wurde 1791 kurfürstl. mainzischer Regierungsrat zu Erfurt, 1804 Geb. Staatsrat, 1806 Direktor des bad. Ministeriums des Innern, 1812 Staats- und Finanzminister des Großherzogs von Frankfurt. Seit 1814 lebte er teils zu Mariahalden am Züricher See, teils auf seinem Gute Emrichshofen bei Aschaffenburg, trat mit seinem Bruder Gottfried 1827 zum Protestantismus über und starb 13. Aug. 1849 zu Mariahalden. Aufsehen erregten schon die "Novellen für das Herz" (2 Bde., Hamb. 1795-96: 2. Aufl. 1806); aber erst "Das goldene Kalb" (4 Bde., Gotha 1802-3; 2. Aufl. 1804) erwarb ihm den Ruhm eines ausgezeichneten Humoristen in Jean Paulscher Art. Dieses Werk, 1797-98 entstanden, bildet den Anfang einer Roman-Tetralogie, zu der noch "Der steinerne Gast" (4 Bde., Gotha 1808), "Der alte Adam" (4Bde., ebd. 1319-20) und "Der Meister vom Stuhle" (ungedruckt) gehören. Von B.s übrigen Schriften sind zu erwähnen: "Lebensgeister aus dem Klarfeldschen Archive" (4 Bde., Gotha 1804), "Proteus" (Regensb. 1806), "Pigmäenbriefe" (2 Bde., Gotha 1808) u. a. 1808-11 leitete B. die Zeitschrift "Jason". Seine dramat. Arbeiten zeigen lediglich satir. Anlage; am glücklichsten sind die geistreichen "Sprichwortspiele" in dem "Hoftheater von Barataria" (4 Bde., Lpz. 1828). Durchweg, besonders in den satir. Romanen, bekundet sich B. als scharfer, selbständiger Denker, voll Scharfsinn, Witz und Welt- und Menschenkenntnis; als tüchtigen Politiker und Vorkämpfer für Recht und Freiheit zeigen ihn namentlich seine "Bayernbriefe" (4 Bde., Stuttg. 1831-32). Proben von B.s Schriften in der "Deutschen Nationallitteratur", Bd. 137 (ebd. 1886).

Benzenberg, Joh. Friedr., Physiker und Publizist, geb. 5. Mai 1777 in Schöller bei Elberfeld, studierte in Marburg Theologie, dann in Göttingen Physik und Mathematik. Der Kurfürst von Bayern ernannte ihn 1805 zum Professor der Physik und Astronomie am Lyceum zu Düsseldorf; auch wurde ihm die Leitung der Landesvermessung übertragen. B. gründete eine eigene Schule für Landmesser, für die er das "Handbuch der angewandten Geometrie" (3 Bde., Düsseld. 1815) schrieb, und entwarf eine Landmesserordnung. Infolge der Regierungsveränderung im Bergischen ging er 1810 nach der Schweiz. Nach dem Sturze Napoleons wandte er sich nach Paris, später nach Deutschland zurück. Er veröffentlichte: "Wünsche und Hoffnungen eines Rheinländers" (2. Aufl., Dortm. 1815), "Über das Kataster" (2 Bde., Bonn 1818), "Über Handel und Gewerbe, Steuern und Zölle" (Elberf. 1819), "Über Provinzialverfassung, mit besonderer Rücksicht auf Jülich, Cleve, Berg und Mark" (2 Bde., Hamm 1819-22), "Über Preußens Geldhaushalt und neues Steuersystem" (Lpz. 1820) sowie eine Reihe polit. Gelegenheitsschriften, namentlich zwei über Fürst Hardenberg und König Friedrich Wilhelm III. (ebd. 1821), durch die er sich und deren Verleger (Brockhaus in Leipzig) die Ungunst der preuß. Regierung zuzog. Später ließ er noch mehrere physik. Schriften, darunter "Versuche über die Umdrehung der Erde" (Düsseld. 1845) und "Die Sternschnuppen" (Hamb. 1839), erscheinen. Er starb 8. Juni 1846 zu Bilk bei Düsseldorf. Hier hatte er sich 1844 eine Sternwarte erbaut.

Benzert, Stadt in Timis, s. Biserta.

Benzidam, soviel wie Anilin (s. d.).

Benzidin, Diparadiamidodiphenyl, eine organische Base von der Zusammensetzung C12H12N2 ^[C<sub>12</sub>H<sub>12</sub>N<sub>2</sub>], die sich aus Hydrazobenzol bei der Einwirkung von konzentrierter Salzsäure durch Umlagerung nach folgender Gleichung bildet:

C6H5.NH.NH.C6H5 = NH2.C6H4.C6H4.NH2

Das B. krystallisiert aus heißem Wasser in silberglänzenden Blättchen, schmilzt bei 122° und bildet mit Säuren beständige Salze. Das Sulfat ist in Wasser fast unlöslich. Das B. ist als Ausgangsmaterial der Benzidinazofarbstoffe wertvoll, welche die Eigenschaft besitzen, die Pflanzenfaser ohne Beizen direkt seifenecht anzufärben.

Benzidinblau, ein nur noch wenig gebräuchlicher Teerfarbstoff, ein bronzeglänzendes Pulver, das sich mit blauer Farbe in Wasser löst.

Benziger & Co., Verlag kath. Bücher und Bilder, Kunst- und Devotionalienhandlung nebst künstlerischen und technischen Zweigen in Einsiedeln