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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Berberis; Berberitze; Berberlöwe; Berbern; Berbice; Berceau; Berceto

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Berberis – Berceto

Berbĕris L., Berberitze oder Sauerdorn, Pflanzengattung aus der Familie der Berberideen (s. d.). Alle Arten sind Sträucher mit gelben Blüten, die einen zweireihigen, sechsblätterigen Kelch, eine sechsblätterige Blumenkrone und 6 Staubgefäße besitzen, deren Fäden, wenn sie am Grunde berührt werden, einen bedeutenden Grad von Reizbarkeit zeigen, indem sie sich schnell zum Stempel hinbiegen und dadurch Ausstreuen des Pollens bewirken. Die Blüten stehen in hängenden Trauben; die Frucht ist eine längliche, zwei- bis achtsamige, saftige Beere. Die meist büschelförmig gestellten Blätter sind einfach, ganz, gewimpert-gezähnt oder ganzrandig. Von den etwa 50 bekannten Arten, die über die gemäßigten und subtropischen Zonen beider Hemisphären verstreut sind, ist die bekannteste die in ganz Europa und im westl. Asien einheimische und bei uns oft in Zäunen und Anlagen angepflanzte gemeine Berberitze oder der gemeine Sauerdorn (B. vulgaris L., s. Tafel: Polycarpen, Fig. 3). Ihre ovallänglichen, bei der Reife lebhaft roten Beeren, Berberitzenbeeren (auch Weinnägelein oder Erbsele genannt), besitzen sehr sauern Geschmack, da sie viel freie Apfel- und Citronensäure enthalten; doch wird auch eine Spielart mit ganz süßen Beeren und eine mit kernlosen Beeren kultiviert. Medizinisch gebraucht wird die Wurzelrinde von B. vulgaris und B. aquilegifolia, beide in der Form des Fluidextraktes, als Tonikum und Alterativum. Aus den sauern Beeren wird besonders in Frankreich Apfelsäure gewonnen; auch ein wohlschmeckender Sirup, desgleichen Gelee, Marmelade und Eis (Berberitzeneis). Den Berberitzensaft verwendet man zur Bereitung der Berberitzenküchel, roter, halbrunder Zuckerscheibchen von angenehm sauerm, kühlendem Geschmack. Die gelbe Wurzel, vorzüglich der Bast derselben, wie auch der des Stammes und der Äste, dient zum Färben. Zu gleichem Zwecke dienen einige in Südamerika und auf den Südsee-Inseln einheimische Arten. Über den auf der Unterseite der Blätter häufigen gelbroten Schmarotzerpilz (Aecidium Berberidis) s. Puccinia.

Berberitze, s. Berberis.

Berberlöwe, s. Löwe.

Berbern oder Berber, der allgemeine Name für die seit dem 7. Jahrh. von den Arabern überflutete und dem Islam unterworfene Urbevölkerung des nördl. Afrikas, welche von dem Westrande der Nilländer über die Sahara und deren Oasen bis zum Atlantischen Ocean einerseits und von den Negerstaaten des Sudan bis zum Mittelmeere andererseits ausgebreitet ist und trotz aller innerhalb dieser weiten Gebiete auftretenden Verschiedenheiten in Bezug auf Sprache wie auf Leibesgestalt, Hautfarbe und Gesichtsbildung doch ziemlich gleichförmig ist und dem hamitischen Völker- und Sprachstamme angehört. Unzweifelhaft sind die gegenwärtigen Berbervölker desselben Stammes wie die im Altertume auftretenden Mauri oder Mauretanier und Numidier, Gätuler und Phazanier, Nasamonen und Hamamientes, die eigentlichen Libyer um das Syrtenmeer, in Kyrenaica (Barka), Marmarica und den binnenländischen Oasen Audschila und Ammonium (Siwah). Der Name B. ist den meisten von den Europäern so benannten Völkerschaften selbst unbekannt. Die wichtigsten Glieder der Berbervölker sind folgende fünf:

  • 1) Die sog. Amazirghen (Imoscharh), d. h. die Freien, Unabhängigen, die, 2–2½ Mill. Köpfe stark, das nördl. Marokko, das ↔ ganze Rif (als gefürchtete Seeräuber oder Rifpiraten) und den nördlichsten Teil des Atlas bis zur Provinz Tedla bewohnen, teils unter eigenen Häuptlingen und erblichen Fürsten stehen, teils kleine republikanische Gemeinwesen bilden.
  • 2) Die Schilluh (Schellah, Schuluh) im südl. Marokko, auf 1450000 Köpfe geschätzt, wohnen teils in der großen Ebene längs dem Um-er-Rebia und Tensift, teils im südl. Atlas bis zu dessen äußersten Verzweigungen am Atlantischen Ocean. In welchem Verhältnis zu diesen marokk. Berberstämmen
  • 3) die Guanchen (s. d.), die ausgestorbenen sicher berber. Urbewohner der Canarischen Inseln, gestanden haben, ist unbekannt.
  • 4) Die Kabylen (s. d.) in Algerien und dem Gebiete von Tunis, deren Anzahl in ersterm offiziell auf 760000 angegeben wird.
  • 5) Die B. der Sahara leben, als Bewohner der Oasen, meist durch ungeheure Räume voneinander getrennt. Die merkwürdigsten von ihnen sind die Beni Msab (s. d.) oder M'zsabiten, die B. von Ghadames, von Sokna an der Grenze von Fessan, von Audschila, von Siwah, vor allem aber das weitverbreitete und weithin herrschende Volk der Tuareg (s. d.). –

Sämtliche Berbervölker und Berbersprachen bilden die libysche Gruppe des hamitischen Völker- und Sprachstammes. – Vgl. Reise der österr. Fregatte Novara um die Erde (linguistischer Teil, von Fr. Müller, Wien 1867); Fr. Müller, Allgemeine Ethnographie (2. Aufl., ebd. 1879). Grammatische Arbeiten über die Sprachen der Kabylen und Tuareg lieferte in neuester Zeit Hanoteau und René Basset.

Berbice (spr. -bihß). 1) Die östlichste der drei Grafschaften des brit. Gouvernements Guayana, am Flusse B., zwischen den Grafschaften Demerara und Essequibo im W. und dem Corentyne, dem Grenzfluß gegen Niederländisch-Guayana, im O. gelegen, hat, soweit sie wirklich Kolonialgebiet und nicht zum Lande der unabhängigen Indianer des Innern gehört, etwa 4000 qkm und (1891) 51176 E. B. ist eine ursprünglich 1626 von van Peere begründete holländ. Kolonie. Nach vorübergehender Besetzung durch die Engländer 1781 wurde sie im Frieden von 1783 an die Niederländer zurückgegeben, aber 1796 von den Engländern wieder genommen, im Frieden von Amiens 1802 an die Batavische Republik abgetreten, jedoch 1803 abermals besetzt und nebst Demerara und Essequibo durch die zu London 13. Aug. 1814 abgeschlossene und 12. Aug. 1815 vervollständigte Konvention an Großbritannien überlassen. Bis zu der neuen Verfassung vom 21. Juli 1831 bildete B. eine abgesonderte Kolonie, seitdem ist dieselbe mit jenen beiden, nun in zwei Grafschaften getrennten Gebieten zu einer Kolonie Britisch-Guayana, s. Guayana) vereinigt. –

2) B. oder Neu-Amsterdam, Stadt in der Grafschaft B., ungefähr 3 km von der Mündung des gleichnamigen Flusses, auf der Ostseite desselben, ist Sitz eines deutschen Konsuls und hat (1881) 8124 E., 3 Kirchen, ansehnliches Regierungs- und andere öffentliche Gebäude, darunter ein vortreffliches Hospital, Mission für Neger, bedeutenden Handelsverkehr. B. ist 1796, nach Aufgabe der ältern, 80 km weiter stromaufwärts gelegenen Stadt gegründet.

Berceau (frz., spr. bärrßoh), Wiege; in der Baukunst Gewölbbogen, Bogenlaube, Laubengang.

Berceto (spr. -tschehto), Ort im Kreis Borgotaro der ital. Provinz Parma, an der Straße Parma-Pontremoli, die den Apennin in 1041 m Höhe (La Cisa) überschreitet, und an der Linie

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 744.