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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Berg

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Berg (Vorstadt und Dorf) - Berg (Friedr. Wilh. Rembert, Graf)

erst an den Herzog Heinrich IV. von Limburg, dessen Sohn als Graf Adolf VI. eine 1348 aussterbende Nebenlinie hier begründete; durch Heirat erbte es nun Gerhard, Graf von Jülich, dessen Sohn Wilhelm I. 1380 für B. die Herzogswürde erhielt. Des letztern Sohn Herzog Adolf I. erbte nach dem Tode Herzog Reinholds IV. von Jülich-Geldern (1423) auch Jülich. 1511 erbte Johann III. von Cleve die Herzogtümer Jülich und B. Als 1609 nach dem Tode des kinderlosen Herzogs Johann Wilhelm Kaiser, Rudolf II. Miene machte, den jülich-clevischen Gesamtbesitz als erledigtes Reichsleben für Habsburg zu belegen, gelang es mit Hilfe einer großen europ. Koalition den nächstberechtigten Erben, Brandenburg und Pfalz-Neuburg, sich im Lande festzusetzen. Bald verwandelte sich ihre Eintracht durch den Anspruch jedes Prätendenten auf das Ganze und den Übertritt des Neuburgers zum Katholicismus in den bittersten Hader. Durch den vorläufigen Vergleich von Xanten 1614 fiel B. und Jülich an Neuburg. Dies wurde definitiv durch den Dortmunder Vertrag von 1666 bestätigt. Nach dem Erlöschen der neuburgischen (1685 zur Kurwürde der Pfalz gelangenden) Linie 1742 kam B. an den Kurfürsten Karl Philipp Theodor von der sulzbachischen Linie und nach dessen Tode 1799 nebst den andern Ländern an den Herzog Maximilian Joseph von Pfalz-Zweibrücken. Die Verfolgungen der Protestanten unter Ludwig XIV. führten viele gewerbthätige Ansiedler nach B., die dort den Geschmack der franz. Industrie in Seide und Baumwolle, im Bleichen, in Spitzen und seinen Leinen heimisch machten.

Im J. 1806 wurde B. an Frankreich abgetreten. Napoleon bildete nun aus dem eigentlichen B., das ohne die enklavierten Herrschaften 54-55 Q.-Meilen mit 295000 E. umfaßte, dem rechtsrhein. Cleve und andern Gebieten das Großherzogtum B. (damals 98 Q.-Meilen mit 374235 E.) für seinen Schwager Joachim Murat, der es nach seiner Berufung auf den neapolit. Thron 1808 an Napoleon abtrat. Dieser überließ das Land 3. März 1809, unter Vorbehalt der vormundschaftlichen Regierung, dem noch unmündigen ältesten Sohne König Ludwigs von Holland, Ludwig Napoleon (dem Bruder Napoleons III.), und zwar nach einer schon 1808 erfolgten so beträchtlichen Erweiterung (durch das Fürstentum Münster, die Grafschaften Mark, Bentheim Tecklenburg und Lingen, die Abteien Elten, Essen und Werden), daß es ein Areal von 315 Q.-Meilen mit 878157 E. umfaßte. Es hatte zur Hauptstadt Düsseldorf und zerfiel in die vier Departements: des Rheins (mit den Arrondissements Düsseldorf, Elberfeld, Mülheim a. Rh. und Essen), der Sieg (Arrondissements Dillenburg und Siegen), der Ruhr (Arrondissements Dortmund, Hagen und Hamm, Städte Duisburg, Ruhrort und Dinslaken) und der Ems (Arrondissements Münster, Koesfeld und Lingen). Ende 1810 jedoch mußte der größte Teil der neuen Erwerbungen an der Ems und nördlich von der Lippe an Frankreich abgetreten werden. 1813 besetzten die Alliierten das Land und errichteten ein Generalgouvernement des Niederrheins unter Justus Gruners Leitung, worauf es 1815 durch den Wiener Kongreß Preußen zugeteilt wurde. Vgl. Göcke, Das Großherzogtum B. 1806-13 (Köln 1877): Harleß, Beiträge zur Kenntnis der Vergangenheit des Bergischen Landes (Düsseld. 1890); Zeitschrift des Bergischen Geschichtsverein (Bd. 1-29, Bonn, später Elberf. 1863-93).

Berg. 1) Früher Dorf, jetzt Vorstadt von Stuttgart , mit dem es durch Pferdebahn verbunden ist, im Neckarkreis, links am Neckar, zwischen Cannstatt und Stuttgart, hat (1890) 4324 E., Postzweigstelle, eine schöne, 1853-55 von Gaab erbaute got. Kirche, ein Sommertheater und eine 1846-53 von Leins im Renaissancestil erbaute königl. Villa; bedeutende Maschinenfabriken und Kunstmühlen, ferner Neckar- und Mineralbäder (eisenhaltige und kohlensaure Quellen von 15 bis 17° C.) mit zwei Badeanstalten; endlich seit 1882 ein Wasserwerk für Stuttgart. In der Nähe die königl. Villa Rosenstein, 1824-29 im röm. Stil von Salucci erbaut, mit herrlichen Gemälden, Fresken und Statuen. - 2) Dorf im Bezirksamt München des bayr. Reg.Bez. Oberbayern, am östl. Ufer des Starnberger Sees, Vergnügungsort der Münchener, hat (1885) 226 E., königl. Schloß und war Sommersitz König Ludwigs II., der hier 13. Juni 1886 im Starnberger See den Tod fand. An dieser Stelle im Schloßpark eine Syenitsäule mit Kreuz.

Berg, Christen Poulsen, dän. Politiker, geb. 18. Dez. 1829 als Sohn eines Bauern zu Fjaltring bei Lemvig, erhielt nach absolviertem Seminarkursus eine Anstellung an der Bürgerschule zu Kolding, dann (1861-74) an der Volkshochschule und der privaten Navigationsschule zu Bogö. 1865 begann er als Abgeordneter für Kolding seine parlamentarische Laufbahn. Seit 1870 war er einer der Führer der Linken und nach dem Auseinandergehen dieser Partei (1877) Chef der radikalen Opposition, für die er seit 1881 als Redacteur des «Morgenbladet» arbeitete. 1883 wurde er zum Präsidenten des Folketings gewählt. 1884 bildete er im Verein mit F. Bojsen (Chef der frühern gemäßigten Linken) die sog. «dänische Linke»; immer schärfer gegen das Ministerium Estrup auftretend, rief er die Sprengung des Finanzgesetzes im März 1885 hervor. An der folgenden Agitation nahm er lebhaft teil und zog sich 1886 eine halbjährige Gefängnisstrafe zu. Nach seiner Freigebung erkannte ihn die gesamte Opposition als Führer an. 1887 geriet er in Streit mit seinen Mitführern, die mit dem Ministerium verhandeln wollten. Im März 1887 trat er vom Präsidentenposten zurück und setzte als Führer einer kleinen Gruppe im Folketing seine «Protestpolitik» fort. Er starb 28. Nov. 1891 in Kopenhagen.

Berg, Franziska, Schauspielerin, geb. 1. Jan. 1813 zu Mannheim, wo sie seit 1828 als Choristin und Vertreterin kleiner Rollen wirkte, ging 1829 nach Würzburg und gehörte seit 1831 dem Dresdener Hoftheater an. Schon 1839 ging sie in die ältern Rollenfächer der Tragödie, bald auch des Lustspiels über. 1889 trat sie von der Bühne zurück und starb 22. April 1893 in Dresden. Ein seelenvolles Organ, ungezwungene, plastische Darstellung und feiner Humor zeichneten sie aus. Zu ihren besten Rollen gehörten Phädra, Gräfin Orsina, Lady Macbeth und Isabella (in der «Braut von Messina»).

Berg, Friedr. Wilh. Rembert, Graf (gen. Feodor Feodorowitsch), russ. Generalfeldmarschall, geb. 27. Mai 1790 auf Schloß Sagnitz in Livland, studierte in Dorpat und trat 1812 als Freiwilliger in die russ. Armee, wo er bald Offizier und nach dem Einzuge in Paris Kapitän im Generalstabe wurde. 1817 wurde er auf Empfehlung des Grafen Kapodistrias nach Neapel gesandt, um den Karbonarismus zu beobachten, über welchen er einige damals viel gelesene Aufsätze schrieb. Hierauf wurde er im