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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bergakademie; Bergalraun; Bergama; Bergamasca; Bergamasker Alpen; Bergamasque; Bergame; Bergamo

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Bergakademie - Bergamo

Calais), besuchte das Lyceum zu Amiens und trat dann als Beamter beim Service de 1'Enregistrement ein. Später begab er sich nach Paris, wo er sich unter Hauvette-Besnault dem Studium des Sanskrit widmete. 1867 wurde er Repetitor des Sanskrit an der neugegründeten École des hantes études, 1877 Maitre de conférences an der Sorbonne, 1885 Professor des Sanskrit und der vergleichenden Sprachwissenschaft ebendaselbst, bald darauf auch Mitglied der Académie des Inscriptions. Er starb 6. Aug. 1888 infolge eines Sturzes in den franz. Alpen. B. veröffentlichte eine Ausgabe des «Bhamini-Vilasa» (Par. 1872), eine Abhandlung «De conjunctivi et optativi in indoeuropaeis linguis formatione et vi antiquissima» (ebd. 1877), Abhandlungen über Sanskrit-Inschriften und Arbeiten über Inhalt und Anordnung des Rigveda. Unter den letztern ist das Hauptwerk die «Religion védique, d'après ley hymnes du Rig-Veda» (3 Bde., Par. 1878-83). - Vgl. Oldenbergs Nekrolog in Bezzenbergers Beiträgen zur Kunde der indogerman. Sprachen, Bd. 16.

Bergakademie, Bezeichnung der höhern Lehranstalten für die theoretische und praktische Ausbildung im Berg-, Hütten- und Salinenfach. Die älteste ist die 15. Nov. 1765 vom Prinzen Xaver gestiftete und 1766 eröffnete B. zu Freiberg (s. d.), an der viele berühmte Männer, vor allen Abraham Gottlob Werner, als Lehrer thätig waren. Ihr folgten dem Alter nach die B. zu Schemnitz in Ungarn (seit 1770), Clausthal (seit 1775, nicht, wie bisher irrtümlich angenommen wurde, seit 1811), Pribram in Böhmen und Leoben in Steiermark(1849), Berlin (1861). Die letztere ist seit 1875 mit der Geologischen Landesanstalt verbunden. Diese B., mit Ausnahme derjenigen von Berlin, liegen inmitten bedeutender Gruben, Hütten und Aufbereitungswerke, was für die praktische Ausbildung der Studierenden von Nutzen ist. Auch die Polytechnische Schule in Aachen hat eine Abteilung für Berg- und Hüttenfach ausgestattet. Derartige Lehranstalten sind auch in Paris und St. Etienne Écoles des mines), in London (Royal School of mines), Neuyork, Petersburg und Stockholm.

Bergalraun, Pflanzenart, s. Allium.

Bergama, Stadt im türk-asiat. Wilajet Smyrna, 80 km nördlich von Smyrna, in der breiten fruchtbaren Thalebene des Bakir-tschai (des antiken Kaikos), die Nachfolgerin des alten vielfach erhaltenen Pergamon (s. d.), hat etwa 6000 E.

Bergamasca (frz. Bergamasque), ein ital. Nationaltanz, aus der gleichnamigen Landschaft (s. den folgenden Artikel) stammend, derb im Charakter, in Zweivierteltakt und in Perioden von je 8 Takten gehalten. Wie aus dem «Sommernachtstraum» zu ersehen ist, war die B. schon im 16. Jahrh, in England bekannt.

Bergamasca (d. i. Landschaft von Bergamo), das im nördl. Teile der ital. Provinz Bergamo gelegene, vom Brembo, Serio und Dezzo durchflossene Bergland. Die drei Thäler, aus denen es besteht, Val Brembana, Val Seriana und Val di Scalve, sind von hoher landschaftlicher Schönheit. Von dem teilweise vergletscherten Hauptkamm der Bergamasker Alpen bis zur Lombardischen Tiefebene hinabsteigend, vereinigen das Val Brembana und Val Seriana die Großartigkeit des Hochgebirges mit der üppigen Pracht der südl. Voralpen. Die Flüsse Brembo und Serio bilden in den Schluchten der obern Thalstufen zahlreiche Stromschnellen und Wasserfälle, darunter namentlich die herrlichen Barbellinofälle des Serio. Das Val di Scalve, vom Val Seriana durch die Kette der Presolana (2505 m) getrennt, gegen das Val Camonica (s. d.) nur durch die schauerliche Felskluft des dem Oglio zufließenden Dezzo geöffnet, ist ein ernstes und wenig anbaufähiges Hochthal. Aus der B. und den anstoßenden Teilen der Provinzen Brescia und Como stammen auch die Bergamasker Graubündens, die mit ihren großen Herden hochbeiniger, weißgelber Bergamasker Schafe im Sommer die höchsten Alpweiden des Bergell, Engadin u. s. w. beziehen.

Die wichtigsten Ortschaften sind im Val Brembana Branzi, in 862 m Höhe in der obersten Thalstufe des Brembo, der Mittelpunkt der beträchtlichen Alpwirtschaft, mit 669 E., Piazza San Martino, 570 m ü. d. M., der Hauptort im obern, Zogno (2016 (E.) im untern Thale. Im Val Seriana, welches mit dem Val di Scalve einen besondern Bezirk bildet: Bondione (890m) mit 430 E. am Serio, mit Hochöfen und großer Eisenindustrie, Clusone (s. d.), Gandino, in einem Seitenthale des Serio, Mittelpunkt der Tuchindustrie, mit 3733 E.; im Val di Scalve Schilpario und Vilminore. Val Brembana und Seriana sind von Bergamo, letzteres auch vom Iseosee aus auf guten Fahrstraßen (Bergamo-Branzi 48 km, Bergamo-Bondione 51 km, Lovere-Clusone 16 km), vom Veltlin aus auf leicht gangbaren Saum- und Fußwegen zugänglich. Im Val Seriana geht auch eine Eisenbahn von Bergamo bis nach Parre. Nach dem Val di Scalve führen zwei Fahrstraßen, die eine von Clusone über das Castionejoch (1296 m), die andere, nach Parre, mit zahlreichen Galerien, Tunneln und Brücken, vom Val Camonica durch das Val Angolo und die Schlucht des Dezzo.

Bergamasker Alpen, ein Teil der Lombardischen Alpen (s. Ostalpen), erfüllen das Gebiet zwischen Comer See im W., Veltlin im N. und Oglio und Iseosee im O. Der Hauptkamm der Gruppe, in dem sich der Monte-Legnone zu 2610, der Pizzo dei tre Signori zu 2398, der Monte-Redorta zu 3042 und der Pizzo-Diavolo zu 2918 m erheben, hat im allgemeinen östl. Richtung und fällt nach N. ziemlich rasch ab, während er nach S. lange, die Thäler Brembana und Seriana umschließende Ausläufer in die Poebene entsendet. Von den zahlreichen Fuß- und Saumpfaden, die vom Veltlin über den Hauptkamm nach Süden führen, ist der Passo di San Marco, 1828 m, von Morbegno nach Bergamo der begangenste. Die herrschenden Felsarten sind Gneis, am kurzen und steilen Nordabfall, und mesozoische Kalke, an der langen und flachen, reich gegliederten Südabdachung. Da das Areal des Kalkes weitaus dasjenige des Gneises überwiegt, und auch der physiognomische Charakter durch die mesozoischen Gesteine bestimmt wird, so werden die B. A. zu den Kalkalpen gezählt.

Bergamasque (spr. -máßk), Tanz, s. Bergamasca.

Bergame, eine Art Tapete, aus Flockseide, Wolle, Hanf, Baumwolle, Kuh- und Ziegenhaaren gewebt, die in Bergamo erfunden, in späterer Zeit aber auch in Belgien, Böhmen und Mähren verfertigt wurde.

Bergamo. 1) Provinz in Oberitalien, der mittlere Teil der Landschaft Lombardei, grenzt im N. an die Provinz Sondrio, im O. an Brescia, im S. an Cremona, im W. an Mailand und Como, hat 2816,7 (nach Strelbitskij 2828) qkm, (1881) 390775 E. und zerfällt in die drei Kreise B.