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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bergbau

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Bergbau'


Figur 6:


Figur 5:

ist die wichtigste aller Häuerarbeiten. Sie ist aus Ungarn zuerst 1632 am Harze und durch einen Harzer Bergmann 1644 in Sachsen eingeführt. Dieselbe besteht darin, daß man in die zu gewinnenden Massen Löcher bohrt, die letztern zum Teil mit Sprengmitteln, sodann unter Offenhaltung eines Zündkanals mit Besatz füllt und das Sprengmittel zur Entzündung bringt. Durch die Spannkraft der dabei entwickelten Gase wird das Gestein abgesprengt. Die hauptsächlichsten Gezähe sind das Fäustel (Fig. 7, 8), der Bohrer (Fig.9, 10), der Krätzer (Fig. 11), der Stampfer (Fig. 12) und die Räum- oder Schießnadel (Fig. 13).

11, 12, 13
Figur: 11, 12, 13


Figur 10:


Figur 9:


Figur 8:


Figur 7:

Die Bohrer waren anfänglich Kolben-, dann Kronenbohrer, gegenwärtig werden nur noch Meißelbohrer, beim Bohren in Kohle und Salz auch Schlangenbohrer mit zwei Spitzen angewendet. Die meist stählernen Meißelbohrer (Fig. 9, 10)bestehen aus einer Stange, an deren einem Ende eine Schneide von 70 Grad und der Breite des Bohrloches angeschmiedet ist; auf das andere Ende wird mit dem Fäustel geschlagen und die Bohrstange nach jedem Schlage gedreht. Beim Sprengen mit Pulver führt man die aus geleimtem Papier bestehende Patrone, in welche die kupferne Schießnadel gesteckt ist, in das mit dem Krätzer gereinigte Bohrloch ein, bringt zunächst etwas plastischen Letten auf und füllt den übrigen Bohrlochraum mit quarzfreiem, feingepochtem Schiefer oder trocknem Lehm, welchen man mit dem Stampfer, der eine Nut für die Schießnadel besitzt, vorsichtig feststampft; sodann wird die Räumnadel herausgezogen und in die offene Zündspur ein mit getrocknetem Pulverbrei gefüllter Strohhalm oder ein Papierdütchen (Schwedel) gesteckt, an deren oberm Ende ein Stückchen Schwefelfaden (Schwefelmännchen) angebracht ist. Derselbe ist etwa 10 cm lang, so daß der Bergmann nach dem Anzünden Zeit hat, sich in Sicherheit zu bringen. Beim Sprengen mit sprengölhaltigen Materialien bedient man sich der Bickfordschen Sicherheitszündschnur, die mit dem einen Ende in ein Zündhütchen und mit diesem in eine Schlagpatrone gebracht wird. Die letztere legt man auf die eigentliche Sprengpatrone und besetzt das Bohrloch wie gewöhnlich. Wenn mehrere Bohrlöcher gleichzeitig wegzuthun sind, bewirkt man die Zündung am besten mit dem durch ↔ Reibungsmaschinen von Abegg, Mahler+Eschenbacher und Bornhardt erzeugten elektrischen Funken. Tafel: Bergbau I, Fig. 2, zeigt Bergleute, die mit der Gewinnung von Erz mittels Sprengarbeit im Burgstädter Hauptgang bei Clausthal beschäftigt sind.

Eine hervorragende Wichtigkeit haben die Gesteinsbohrmaschinen (s. d.) erlangt. Von den mit der Hand betriebenen ist besonders in Salzbergwerken die Lisbetsche zu erwähnen. Dieselbe besteht aus einem am hintern Ende mit Schraubengewinde versehenen Schlangenbohrer, der mit einer Kurbel durch eine in einem Gestelle befestigte Schraubenmutter hindurchgedreht wird. Von den mechanischen Bohrmaschinen unterscheidet man stoßende und drehende. Die ältern stoßenden Maschinen (Sachs, Someiller, Schwarzkopf u. a.) sind nur noch wenig in Anwendung, weil sie wegen vieler bewegter Hebel und Drehbolzen öfter Reparaturen bedürfen, was bei den einfacher gebauten neuen Maschinen (Schram, Frölich, Jäger, Broßmann+Kachelmann, Darlington, Neill) nicht der Fall ist. Die stoßenden Maschinen werden durch Druckluft, in neuerer Zeit auch durch elektrischen Strom in der Art betrieben, daß ein Kolben und der damit verbundene Meißel vorgestoßen und zurückgezogen wird. Von den drehend arbeitenden Maschinen, die mit Druckwasser betrieben werden, ist die von Brandt sehr viel benutzt. Auf Tafel: Bergbau I, Fig. 3, ist eine stoßende Maschine (Sachs) auf einem fahrbaren Gestell, wie sie im Rammelsberg bei Goslar arbeitet, dargestellt. Wo keine Gleise sind, wendet man Bohrspreizen oder hydraulische Bohrsäulen als Gestelle an. Die erstern spannt man dadurch zwischen den Gesteinswänden fest, daß man eine Schraubenspindel aus einem Cylinder herausschraubt, während bei den Bohrsäulen eine Kolbenstange durch eine hydraulische Presse aus einem ebensolchen Cylinder herausgedrängt wird. – Das Feuersetzen wird noch hier und da bei sehr festem Gestein angewendet. Durch die Wirkung der Hitze springen die Gesteinsschalen ab und werden dann zerkleinert. – Das Wasser wirkt beim Salzbergbau in Sinkwerken auflösend, die gesättigte Lösung wird durch Pumpwerke zu Tage geschafft und weiter auf Speisesalz verarbeitet. In Kalifornien spült man mit starken Wasserstrahlen goldhaltigen Sand in Gerinnen nach den Goldwäschereien (s. Seifen).

Abbaumethoden. Nachdem man eine Lagerstätte durch Stollen, Schächte und Querschläge «ausgerichtet», d. h. zugänglich gemacht und durch andere Grubenbaue (Strecken, Bremsberge u. s. w.) zum Abbau «vorgerichtet», d. h. in Abteilungen von angemessener Größe gebracht hat, beginnt der Abbau selbst. Derselbe besteht darin, daß man die in den Lagerstätten enthaltenen nutzbaren Mineralien aus ihrem natürlichen Zusammenhange löst und der Förderung übergiebt. Die durch den Abbau entstandenen Hohlräume werden mit tauben Bergen versetzt, d. h. ausgefüllt:

  • 1) wenn man sich damit eine Sohle schaffen muß, z. B. bei mächtigen Lagerstätten mit steilem Einfallen,
  • 2) wenn man beim Abbau Berge mit gewinnt, z. B. bei wenig mächtigen, flach liegenden Lagerstätten,
  • 3) wenn die Tagesoberfläche geschont werden muß.

Die wichtigsten Abbaumethoden mit Bergeversatz sind Strossenbau, Firstenbau, Strebbau, Querbau; ohne

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 758.