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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bergbraunelle - Bergen (im Seewesen)

mit dem Bohrkopfe selbst Löffelvorrichtungen in Verbindung gesetzt, indem man Wasser in das Bohrloch einführt und entweder im Gestänge oder im Bohrloche den Schlamm in die Höhe steigen läßt.

Da ferner die Bohrgestänge öfters Brüche erleiden, so hat man eine Menge Vorrichtungen und Apparate nötig, die, um das Bohrloch und die gethane Arbeit nicht verloren zu geben, die Bruchteile aus dem Bohrloche entfernen; hierher gehören die Fanginstrumente, von denen es fast ebenso viele Modifikationen giebt, als Brüche vorkommen können. Ihr Zweck ist zu fassen, ihre Einrichtung richtet sich in Form und Art des Gebrauchs nach dem Stücke, das zu beseitigen ist. Hierher gehören u. a. der Winder (Fig. 7), die Düllschraube (Fig. 8), der Glückshaken (Fig. 9), die Trompete (Fig. 10), der Zangenfanghaken (Fig. 16), der Katzenfuß (Fig. 18), die Fallfangschere, Fangschaufel, Teufelskralle, der Geißfuß (Fig. 12) u. dgl. m. Übrigens hat man nicht nur Bohrlöcher, sondern auch ganze Schächte, also Löcher in großen Dimensionen abgebohrt und zwar in festem Gestein mit starken Wasserzuflüssen, ferner in neuester Zeit in festem Gesteine das Bohren mit Diamanten (Major Beaumont) in ausgedehnte Anwendung gebracht. Dabei wird unter gleichzeitiger Wasserspülung ein das untere Ende eines Hohlgestänges bildender, mit schwarzen Diamanten (Carbonate aus Babia) besetzter Stahlring gedreht, der einen Kern stehen läßt. Dieser wird zeitweilig abgebrochen und zu Tage geschafft, so daß man durch ihn Kenntnis von den durchbohrten Schichten gewinnt.

Bergbraunelle, Vogel, s. Braunelle.

Bergbutter, veralteter mineralog. Name für natürlich vorkommende eisenhaltige Alaune.

Bergdamara, ein kleiner afrik. Volksstamm in den Gebirgen von Deutsch-Südwestafrika (s. d.).

Berg des Ärgernisses, im Alten Testament Name des südlichsten Gipfels des Ölberges (s. d.) bei Jerusalem.

Berg des bösen Rats, bei den Abendländern die Jerusalem südlich gegenüber liegende Höhe.

Berge, im Bergbau die Bezeichnung für alles fallende taube Gestein.

Bergedorf. 1) Unter der Bezeichnung Landherrenschaft B. ein Teil des hamburg. Staates, bis 1867 Hamburg und Lübeck gemeinschaftlich gehörig, hat 85,4 qkm, 18 000 E. und enthält außer der Stadt B. (s. unten) noch die vier reichen Kirchspiele Kirchwerder, Neuengamme, Altengamme und Curslack, welche die sog. Vierlande bilden, und das ganz von lauenb. Gebiet umschlossene Kirchdorf Geesthacht. Die Vierlande, vier von Deichen eingeschlossene Niederungslandschaften, von der Bille, der Elbe und ihren Armen umflutet, von unzähligen Entwässerungsgräben durchschnitten, sind berühmt wegen ihrer üppigen Fruchtbarkeit. Das Land ist bedeckt von ausgedehnten Weizenfeldern und Wiesen, Gemüse- und Blumengärten, Kirschen-, Pflaumen- und Aprikosenpflanzungen, Erdbeer- und Himbeerfeldern. Besonders wird die Maiblume hier gebaut und im Herbst in blühbaren Keimen bis nach Amerika versandt. Das Land hat treffliche Milchkühe und liefert reiches Geflügel und Schlachtvieh. Die Erzeugnisse der Landwirtschaft gehen nach Hamburg und England. Die Bewohner, unter dem Namen der Vierländer bekannt, stammen wahrscheinlich von niederländ. Kolonisten aus dem 12. Jahrh. und zeichnen sich durch ihre Kleidertracht wie durch eigentümliche Sitten und Gebräuche aus, so daß sie als ein von den Umwohnern ganz verschiedener Volksstamm erscheinen. Jedes Kirchspiel besitzt seine eigene Tracht und Farbe. - 2) Stadt in der Landherrenschaft B., 15 km südöstlich von Hamburg, am Elbzuflusse Bille und der Linie Wittenberge-Hamburg der Preuß. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Hamburg), Zoll- und Steueramtes, hat (1890) 6699 E., darunter etwa 200 Katholiken, Post zweiter Klasse, Telegraph, altes Schloß, luth. Realprogymnasium (Hansaschule), Krankenhaus, Gas- und Wasserleitung; Ziegelei, Bierbrauerei, Samen- und Pflanzenhandel, Glashütten, Gerbereien. - B., schon 1178 erwähnt, erhielt 1275 lübisches Recht, gehörte zu Sachsen-Lauenburg, ward 1420 von Lübeck und Hamburg erobert und 1867 gegen Zahlung von 600 000 M. an Lübeck dem Hamburger Staat einverleibt. Bei B. erfocht das Lützowsche Korps 3. Dez. 1813 einen Sieg über die Franzosen.

Bergegeld, s. Bergen.

Bergeidechse, s. Eidechsen.

Bergeigentum, s. Bergwerkseigentum.

Bergeisen, s. Bergbau, S. 756 a.

Bergell, ital. Val Bregaglia, Thal im schweiz. Kanton Graubünden und in der Provinz Sondrio des Königreichs Italien, ist vom Malojapaß (1811 m) bis Chiavenna (s. d.) 25 km lang. Es wird von der wilden Maira oder Mera bewässert, welche 14 km unterhalb Chiavenna in den düstern Lago di Mezzola (s. Comer See) mündet. Die obersten Thalstufen mit ihren Weiden und Nadelwäldern zeigen alpinen Charakter, die untern, durch das Felsenriff Porta etwas oberhalb Promontogno scharf abgegrenzt, weisen mit ihren Reben, Kastanienwäldern und Maisfeldern auf ital. Klima hin. Im N. wird das Thal von den Oberhalbsteiner Alpen (Piz Gallegione 3135 m, Pizzo Stella 3406 m), im S. vom westl. Teile der Bernina-Alpen (Cima di Castello 3402 m, Piz Badile 3307 m) begrenzt. Der obere schweiz. Teil des an Naturschönheiten reichen Thals zählt in den stattlichen, größtenteils aus Stein erbauten Dörfern Casaccia, Vicosoprano, Stampa, Bondo, Soglio und Castasegna (1880) 1700 meist prot. Einwohner ital. Zunge, die sich hauptsächlich mit Ackerbau und Viehzucht beschäftigen, aber auch wie die Engadiner als Konditoren, Kaffeewirte u. s. w. auswandern. Die Bevölkerung ist im allgemeinen sehr wohlhabend. Der ital. Teil von Castasegna bis Chiavenna ist fruchtbarer, aber weniger gut angebaut, die Dörfer sind ärmlich. Interessant ist in diesem Teile auf dem linken Ufer der Maira der von einem Kastanienwalde überwachsene Bergsturz des Monte-Conto, der 4. Sept. 1618 die reichen Orte Plurs und Schilano mit 2500 E. begrub. Bei Chiavenna schließt sich die Poststraße der Maloja, welche das B. mit dem Oberengadin verbindet, an die Splügenstraße an. - Vgl. Lechner, Das Thal B. (2. Aufl., Lpz. 1874).

Bergelohn, s. Bergen.

Bergelster, soviel wie Großer Würger (Lanius excubitor L.), s. Würger.

Bergemühlen, Gewinnungsorte für taube Gesteine, die man zum Ausfüllen der durch den Abbau entstandenen Hohlräume verwendet, wenn der Abbau selbst hierzu nicht genügendes Material liefert. Dieses Füllmaterial heißt Bergeversatz.

Bergen, in der Seemannssprache im allgemeinen soviel wie in Sicherheit bringen; daher heißt die Segel bergen soviel wie die Segel bei starken