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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Berger; Bergerac

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Berger (Joh. Nepomuk, Schachspieler) - Bergerac

neten schuf sich B. in Wien eine umfängliche Anwaltspraxis. Im Febr. 1861 wurde er in den Gemeinderat der Stadt Wien, im März desselben Jahres in den niederösterr. Landtag und von diesem 1863 in das Abgeordnetenhaus des Reichsrats erwählt. Anfang 1867 trat er in das "Bürgerministerium" als Minister ohne Portefeuille. Die Spaltungen in letzterm führten zu einer vollständigen Trennung nach dem polit. Programm. Im Dez. 1869 setzte B. das sog. Minoritätsmemorandum auf, in dem der Ausgleich mit den widerstrebenden Nationalitäten auf Grund der Verfassungsrevision und direkten Parlamentswahlen statt der Landtagsdelegation vorgeschlagen ward. Nach dessen Ablehnung trat er (17. Jan. 1870) mit den Grafen Taaffe und Potocki aus dem Ministerium. B. starb 9. Dez. 1870 zu Wien. Von seinen Schriften sind zu nennen: "Die Preßfreiheit und das Preßgesetz" (Wien 1848), "Die österr. Wechselordnung vom 25. Jänner 1850, in ihrem Unterschiede von dem frühern österr. Wechselrechte erläutert" (ebd. 1850) und "Kritische Beiträge zur Theorie des österr. Privatrechts" (ebd. 1856).

Berger, Joh. Nepomuk, Schachspieler, geb. 11. April 1845 zu Graz, war seit 1876 Lehrer an der Akademie für Handel und Industrie in seiner Vaterstadt, gewann im allgemeinen Turnier des ersten österr. Schachkongresses 1870 in Graz den ersten Preis. Sein eigentliches Gebiet ist jedoch die Problemkomposition. Erste Preise errang er in zahlreichen Problemturnieren. Als seine hervorragendsten Werke gelten "Das Schachproblem und dessen kunstgerechte Darstellung" (Lpz. 1884) und "Theorie und Praxis der Endspiele" (ebd. 1889), eine Sammlung eigener Aufgaben mit erläuterndem Text.

Berger, Louis Konstanz, Parlamentarier, geb. 28. Aug. 1829 zu Witten, übernahm daselbst, nachdem er größere Reisen durch Europa unternommen hatte, die Leitung einer ihm gehörigen großen Gußstahlfabrik, überließ aber deren Betrieb später einer Aktiengesellschaft, um sich ganz dem öffentlichen Leben zu widmen. Seit 1865 Mitglied des preuß. Abgeordnetenhauses und seit 1874 Mitglied des Reichstags, gehörte er anfangs der Fortschrittspartei an, trennte sich jedoch von ihr aus Anlaß des Militärgesetzes im April 1874 und übernahm mit dem Abgeordneten Löwe (Calbe) die Führung einer parlamentarischen Gruppe, die eine Mittelstellung zwischen der nationalliberalen und der Fortschrittspartei einnahm. Bei der Reichstagswahl 1881 unterlag B., gehörte aber dem Abgeordnetenhause noch an und trat hier in Eisenbahnfragen hervor. Er starb 9. Aug. 1891 in Horchheim bei Koblenz. B. war der Schwiegersohn Fritz Harkorts, dessen Leben er beschrieb: "Der alte Harkort; ein westfäl. Lebens- und Zeitbild" (2. Aufl., Lpz. 1894).

Berger, Ludwig von, ein Opfer der Napoleonischen Gewaltherrschaft, geb. 1768 zu Oldenburg, war seit 1808 Landvogt daselbst. Als 1813 die franz. Behörden bei Annäherung der Russen aus Oldenburg flüchteten, setzten sie eine Verwaltungskommission ein, in die B. und dessen Freund von Finckh eintraten. Nach der Rückkehr der Franzosen wurden beide in Bremen vor ein Kriegsgericht gestellt, das General Vandamme leitete. Wiewohl der Ankläger nur Gefängnisstrafe beantragte, verurteilte man sie zum Tode; 10. April 1813 wurden sie in Bremen erschossen. Ihre Überreste ließ der Herzog von Oldenburg später in der herzogl. Gruft beisetzen.

Berger, Ludw., Komponist, Virtuos und Musiklehrer, geb. 18. April 1777 zu Berlin, wurde 1804 Clementis Schüler, der ihn 1805 zu einer gemeinsamen Reise nach Petersburg veranlaßte. Hier zeichnete sich B. neben Field und Steibelt als Virtuos auf dem Pianoforte aus. 1812 ging er über Stockholm nach London und kehrte 1815 nach Berlin zurück, wo er bis zu seinem Tode, 16. Febr. 1839, als Lehrer wirkte. Zu seinen Schülern gehörten Mendelssohn und Wilh. Taubert. Gedruckt erschienen von ihm, außer kleinern Sachen, vier Sonaten, eine Fuge mit Präludium, eine Toccata, einige Rondos und Variationen, mehrere Hefte vortrefflicher Etüden und einige Liederkompositionen, von denen "Die schöne Müllerin" die meiste Verbreitung gewann. In seinem Nachlasse fanden sich Kantaten, Sinfonien und Opern; erschienen sind bis jetzt nur einige Gesangskompositionen. Bedeutung gewann er durch seine Etüden für das Pianoforte.

Bergerac (spr. bärsch'ráck). 1) Arrondissement des franz. Depart. Dordogne, hat 2179,69 qkm, (1891) 104 540 E., 172 Gemeinden und zerfällt in die 13 Kantone Beaumont (178,63 qkm, 7191 E.), B. (173,94 qkm, 20 680 E.), Cadouin (127,43 qkm, 5756 E.), Eymet (114,66 qkm, 5341 E.), Issigeac (178,221 qkm, 6883 E.), Laforce (230,86 qkm, 8558 E.), Lalinde (168,65 qkm, 8008 E.), Monpazier (145,11 qkm, 4733 E.), St. Alvère (126,49 qkm, 5614 E.), Sigoulès (188,04 qkm, 8195 E.), Bélines (136,50 qkm, 8365 E.), Villamblard (251,15 qkm, 9770 E.), Villefranche-de-Longchapt (160,02 qkm, 5446 E.). - 2) Hauptstadt des Arrondissements B. im franz. Depart. Dordogne, auf dem rechten Ufer der Dordogne, über die eine schöne Brücke führt, und an den Linien Libourne-Le Buisson, B.-Marmande (75 km) und B.-Mussidan (31 km) der Orléansbahn, hat eine 1856 erbaute got. Kirche (Notre-Dame), Justizpalast, Handelsgericht, Kommunal-Collège, 4 Zeitungen, Theater, ist Sitz eines reform. Konsistoriums, des Stabes der 47. Infanteriebrigade und hat (1891) 10 199, als Gemeinde 14 735 E., in Garnison das 108. Infanterieregiment; Branntweinbrennereien, Gerberei, Böttcherei, lebhaften Handel mit Getreide, Trüffeln, Branntwein sowie mit den Erzeugnissen der zahlreichen Papierfabriken, Hüttenwerke, Eisen- und Kupferhämmer der Umgegend, besonders aber mit Wein. Der sog. Bergeracwein, häufig auch Petit-Champagne genannt, wird an den Ufern der Dordogne und der Gironde gebaut, ist weiß oder rot und gilt als einer der besten Bordeauxweine. Die geschätztesten Sorten sind die von Montbazillac, St. Nexans und Sancé. Seit den sechziger Jahren des 16. Jahrh. war B. Hauptwaffenplatz der Hugenotten, mit denen hier Heinrich III. 1577 einen Frieden abschloß; 1621 wurde die Stadt von Richelieu belagert, zur Übergabe gezwungen und ihrer Festungswerke beraubt. Die Vernichtung der Industrie erfolgte durch die Aufhebung des Edikts von Nantes (1685), wo angeblich 40 000 prot. E. sie verließen.

Bergerac (spr. bärsch'ráck), Savinien Cyrano de, franz. Schriftsteller, geb. 1619 zu Paris, besuchte das Collège Beauvais, hörte später mit Moliere den Philosophen Gassendi, wurde Soldat und starb 1655 an den Folgen einer schweren Verwundung. Seine Tragödie "La mort d'Agrippine" (1653) ist ein in schwülstiger Bildersprache verfaßtes Stück; beachtenswert ist dagegen seine 1654 aufgeführte Komödie "Le pédant joué", als eine der ersten zur Aufführung gelangten franz. Prosakomödien und weil