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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bergleder; Bergleute; Bergman; Bergmann

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Bergleder - Bergmann (Ernst von)

braun, eine Farbe, die ihm durch die Gegenwart geringer Mengen von flüchtigem Kohlenwasserstoff zuteil wird, so heißt er Rauchtopas, auch Rauchquarz, den schön gelben nennt man Citrin und den schwarzen Morion. Der B. ist durchsichtig, zeigt Doppelbrechung, einen muscheligen Bruch ohne hervortretende Spaltbarkeit und besitzt das spec. Gewicht 2,65. Seine Härte erreicht die der Edelsteine nicht, ist aber größer als die der meisten andern Mineralien. Sehr häufig enthält er fremdartige Substanzen, wie Chlorit, Strahlstein, Turmalin, Epidot, Amiant, Rutil, Eisenglanz u. s. w., in haarförmigen Krystallen eingeschlossen und führt dann den Namen Haar- oder Nadelstein. Bisweilen findet man auch kleine Flüssigkeitseinschlüsse in dem B., die in den meisten Fällen aus Wasser, bisweilen aber auch aus flüssiger Kohlensäure bestehen. Die Fundorte des B. sind außerordentlich häufig. Schöne und große Krystalle kommen namentlich in Drusenräumen oder Höhlen (Krystallkammern) der Hochgebirge vor, in den Alpen der Dauphiné, den Karpaten, namentlich aber auf der Insel Madagaskar und auf Ceylon. Die sog. Marmaroscher, Zabeltitzer, Mutzschener Diamanten sind ebenfalls B. Man verwendet den B. zu Ring- und Nadelsteinen, Ohrgehängen, Petschaften, Stockknöpfen, Dosen, Gemmen und andern Schmucksachen. Nachdem man ihm die erforderliche Form im Rohen erteilt, wird er auf einer kupfernen oder bleiernen Scheibe mit Schmirgel und Wasser geschliffen und auf einer zinnernen mit Tripel, Zinnasche, Bolus u. s. w. poliert. Gewöhnlich giebt man ihm die Form der Brillanten, Rosetten oder Tafelsteine, nur die Haarsteine schneidet man halbkugelig. Gefaßt werden die B. à jour, oder man setzt sie in einen schwarzen Kasten. Der Wert dieses Minerals hat seit der massenhaften Einführung aus Madagaskar bedeutend abgenommen. Für kleinere Stücke bezahlt man kaum mehr als den Schleiferlohn, nur die großen und reinen Stücke sowie die Haar- und Nadelsteine haben noch einen ziemlich hohen Preis. Neuerdings fertigt man auch aus B. Gewichtssätze für chem. Wagen.

Bergleder, Mineral, s. Asbest.

Bergleute, s. Bergmann.

Bergman, Torbern Olof, schwed. Mathematiker und Chemiker, geb. 20. März 1735 zu Katharinberg in der schwed. Provinz Westgotland, gest. 8. Juli 1784 im Bade zu Medevi am Wetternsee, erregte als Zinne's Schüler in Upsala dessen Aufmerksamkeit und wurde 1758 Professor der Physik daselbst. Um die Professur der Chemie und Mineralogie zu erlangen, schrieb er 1767 die Abhandlung über die Fabrikation des Alauns, die noch jetzt für ein Hauptwerk gilt. Er entdeckte in den mineralischen Wässern das Schwefelwasserstoffgas und bereitete dieselben künstlich. Eine Menge Mineralien untersuchte er chemisch mit großer Genauigkeit und klassifizierte sie. B. machte sich hauptsächlich verdient um analytische Chemie und Verwandtschaftslehre. Seine in den Abhandlungen der Akademien zu Stockholm und Upsala 1756-83 zerstreuten Aufsätze erschienen in den "Opuscula physica, chemica et mineralia" (6 Bde., Upsala 1779-81; deutsch von Tabor, 6 Bde., Frankf. 1782-90) gesammelt.

Bergmann oder Bergknappe, auch Bergleute, Bergarbeiter und Bergvolk, die beim Bergbau beschäftigten, insbesondere dem Arbeiterstande angehörigen Personen. Der angehende B. wird von der Grubenverwaltung als Pochjunge, d. h. als Arbeiter der Aufbereitung, angenommen, und wenn er körperlich kräftig genug geworden ist, zur eigentlichen Bergarbeit eingestellt und zuerst mit Arbeiten beschäftigt, die er schon über Tage betrieben hat, nämlich mit Arbeiten bei der Förderung (Schlepper, Ledigschichter, Ledschichter). Darauf wird er nach und nach zur Bohrarbeit angelernt und tritt als Bohrhäuer ein, als welcher er die Bohrlöcher noch nach Anweisung erfahrener Unterbeamter zu schlagen hat. Die tüchtigsten Bohrhäuer werden Gedinghäuer und haben nunmehr Bohren und Schießen im Gedinge selbständig zu besorgen. Diejenigen Bergleute, die für den Grubenausbau zu sorgen haben, sind Holzarbeiter. Ihre Gehilfen heißen Strossenhäuer. Für die Ausführung der Mauerung sind Bergmaurer vorhanden. Der Wärter des Kunstgezeuges (der Pumpen mit Zubehör) heißt Kunstknecht, derjenige Arbeiter, der die Schachtförderung und die Förderabteilung des Schachtes zu überwachen hat, Ausrichter. Die Bedienung der Förderung unten am Schachte erfolgt durch Anschläger, das Entleeren der Fördergefäße über Tage durch Stürzer oder Abzieher. Von dieser im Oberharz üblichen Benennung der einzelnen Arbeiterklassen weicht die Freiberger nicht wesentlich ab, während man in Kohlengruben eigentlich nur Schlepper (Förderleute) und Häuer zu unterscheiden hat. Die Bergleute einer Grube bilden die Belegschaft derselben und entweder für sich oder im Verein mit andern Belegschaften die Knappschaft (s. d.). Dieselbe hat unter Selbstverwaltung eine Kasse, in die sowohl der Arbeiter nach einem bestimmten Prozentsatz seines Lohnes, als auch der Grubeneigentümer einen entsprechenden Beitrag leistet. Diese Knappschaftskassen gewähren bestimmte Unterstützungen bei Krankheit oder Verunglückung sowie auch bei eingetretener Invalidität und endlich den Witwen und Waisen. Aus der Klasse der Arbeiter werden die Aufsichtsbeamten entnommen, zu welchen von unten nach oben die Ausschläger, Untersteiger, Grubensteiger oder Steiger und Obersteiger zu rechnen sind. Die alte Bergmannskleidung besteht in der Grube aus leinenem Kittel, dem Schachthut aus schwarzem oder grünem Filz und dem (Arsch-, Fahr-, Hinter-, Berg-) Leder, das über den Kittel um den Leib geschnallt wird und das Gesäß gegen Nässe schützen soll. Die Beamten tragen Puffjacken, die ebenso wie die Paradeuniform der Arbeiter und Beamten in den einzelnen Bergwerksgegenden verschieden sind.

Bergmann, Ernst von, Chirurg und Kliniker, geb. 16. Sept. 1836 zu Rujen in Livland, studierte zu Dorpat, Wien und Berlin Medizin, promovierte 13. Nov. 1860, wirkte als Assistent an der chirurg. Klinik zu Dorpat und habilitierte sich 1864 daselbst. Während des Deutschen Krieges von 1866 war er in den Kriegslazaretten zu Königinhof in Böhmen, während des Deutsch-Französischen Krieges von 1870 und 1871 als Leiter der Barackenlazarette zu Mannheim und Karlsruhe thätig. Nachdem er 1871 zum ord. Professor der Chirurgie in Dorpat ernannt war, wirkte er 1877 als konsultierender Chirurg bei der russ. Donauarmee, ging 1878 an Linharts Stelle als Professor und Oberwundarzt des Juliusspitals nach Würzburg und wurde 1882 zum Nachfolger Langenbecks als ord. Professor der Chirurgie und Direktor der chirurg. Universitätsklinik nach Berlin berufen. Außer zahlreichen Jour-^[folgende Seite]