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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Berlin (Äußere Anlage)

Vororte 1880 1885 1890 Zunahme in Prozenten

1880/85 1885/90

Linkes Spree-Ufer:

Spandauer Spitze 115 122 168 6,09 37,70

Paulsborn, Hundekehle, Grunewald 140 322 368 130,00 14,29

Schöneberg 11180 15872 28721 41,97 80,95

Bellevue u. Thiergarten 89 - - - -

Treptow 803 1178 1780 46,70 51,10

Tempelhof und Hasenheide 3019 3522 5248 16,66 49,01

Schmargendorf 468 657 1591 40,38 142,16

Deutsch-Wilmersdorf 2911 3616 5164 24,22 42,81

Rixdorf 18729 22775 35702 21,60 56,76

Steglitz 6476 8501 12530 31,27 47,39

Friedenau 1302 2137 4211 64,13 97,05

Dahlem 139 149 174 7,19 16,78

Britz 3361 4146 5494 23,36 32,51

Nieder-Schöneide m. Kanne 494 974 1769 97,17 81,62

Überh. vom Kreise Teltow 49226 63971 102920 29,95 60,89

Stadt Charlottenburg 30562 42371 76873 38,64 81,43

Überh. Teltower Seite 79788 106342 179793 33,28 69,07

Überh. Umgegend von Berlin 123373 163536 268520 32,55 64,20

Berlin 1122330 1315287 1578794 17,19 20,03

Berlin m. (1 Meile) Umgegend 1245703 1478823 1847314 18,71 24,92

So wird allerdings der Begriff Groß-Berlin künftig im weitern Sinne gefaßt werden müssen als bisher und wiederum ein abgerundetes Gebiet an Stelle des bisher angenommenen zu setzen sein, obwohl der wirtschaftliche Einfluß sich keineswegs auf ein solches beschränkt noch beschränken wird. Eine wesentliche Unterstützung findet diese Entwicklung in dem Vorortverkehr der Berliner Stadt- und Ringbahn (s. d.) mit ihren geringen Fahrpreisen. Die Frage der Einverleibung der Vororte ist 1895 noch nicht zum Abschluß gelangt.

B. zerfällt (1893) in 6 Reichstagswahlkreise:

Wahlkreis Wahlberechtigte Abgeordnete Partei

I 20169 Dr. Langerhans Freisinnige Volkspartei

II 75347 Fischer Socialdemokrat

III 32570 Vogtherr "

IV 93036 Singer "

V 31244 Rob. Schmidt "

VI 121564 Liebknecht "

Von den 4 Landtagswahlkreisen wählt der erste Kreis (innere Stadt) 3, die übrigen je 2 Abgeordnete (1893 sämtlich solche der freisinnigen Volkspartei).

Äußere Anlage. B. macht im ganzen einen jugendlichen Eindruck; Straßendurchbrüche lassen im Innern immer mehr die baulichen Reste früherer Zeiten verschwinden; andere Teile haben durch eine überaus rege private Bauthätigkeit seit 1870 ein völlig verändertes prächtigeres Aussehen erhalten und zugleich, zumal in der Friedrichsstadt, den Charakter einer Geschäftsstadt angenommen, während die stetig wachsenden äußern Viertel in ihren Mietskasernen die Masse der Einwohner beherbergen. Für die Stadtbeschreibung sind die Wasserläufe der Spree maßgebend. Von SO. (Stralau-Rummelsburg) kommend, tritt der Fluß mit breiter Fläche in das Stadtgebiet ein (Nullpunkt des Pegels 30,87 m über der Ostsee), behält seine nordwestl. Richtung bis zur Jannowitzbrücke bei, bis wohin die Spree mit Dampfschiffen befahren wird, bildet unterhalb der Waisenbrücke ein breites Becken und teilt sich in zwei parallele, erst westlich, dann nordwestlich fließende Arme. Der nördlichere Arm fließt am Mühlendamm vorbei, unter der Langen, Kaiser-Wilhelms- und Friedrichs-Brücke hindurch, und vereinigt sich kurz vor der Ebertsbrücke mit dem südlichern Arm, der u. a. unter der Gertraudtenbrücke und, nachdem er bei der Werderbrücke die Schleuse passiert, unter der Schloßbrücke hindurchfließt. So wird durch diese beiden Flußarme eine Stadtinsel abgeteilt, auf der einige der hervorragendsten Bauten, wie das königl. Schloß, der Dom und auf der sog. Museumsinsel das Alte und Neue Museum sowie die Nationalgalerie (s. unten) ihren Platz gefunden haben. Bei der Weidendammer Brücke beginnt dann wieder (in der Richtung nach Spandau und Potsdam) die Dampfschiffahrt auf der Spree, die von jenem Punkte an, in mehrfachen Windungen, und verschiedentlich von Brücken und den Stadtbahnbögen (zweimal) überspannt, nach W. am Thiergarten, an Moabit und Charlottenburg vorbeifließt und nach einer Gesamtlänge von 365 km bei Spandau in die Havel mündet. Ihre Länge innerhalb des Weichbildes der Stadt beträgt 11,8 km, die durchschnittliche Breite 100–150 m. Während die Ufer bis zur Waisenbrücke meist nur Hinterhäuser, Speicher, Schuppen und Holzplätze haben und der Uferstraßen ermangeln, sind die Ufer unterwärts mit neuen stattlichen Quais, wie am Schiffbauerdamm und Kronprinzenufer, eingefaßt und mit ansehnlichen Gebäuden besetzt. Von den Abzweigungen sind zu nennen: zunächst der Landwehr- oder Schiffahrtskanal (10,3 km). Dieser geht etwa 1 km unterhalb des Bahnübergangs (Station Treptow) links aus dem Strom ab, vereinigt sich nach etwa ½ km südwestl. Lauf mit der etwas oberhalb, ebenfalls links die Spree verlassenden Abzweigung, wendet sich dann nach WNW. bis zur Cottbuser Brücke und geht darauf im Bogen westlich weiter, nimmt den Luisenkanal auf, fließt unter der 1874–77 umgebauten Belle-Alliancebrücke und nordwestlich unter der Schöneberger Brücke hindurch, wo er zu einem geräumigen Hafen ausgeweitet ist, und wendet sich alsdann in mehr westl. Laufe der Charlottenburger Gemarkung zu, wo er sich jenseit der Unterschleuse wieder in die Spree ergießt. Der Luisenkanal, der etwa 2 km lang ist, verläßt den Hauptstrom bei der Schillingbrücke, wendet sich in südwärts gekehrtem Bogen westlich bis zum Engelbecken und geht dann, südsüdwestlich fließend, beim neuen Hafen in den Schiffahrtskanal. Die außer diesen größern Wasserläufen im Innern der Stadt noch vorkommenden offenen Gräben sind, weil zur Schiffahrt ungeeignet, jetzt meist zugeschüttet (wie Königsgraben, Zwirngraben, Kupfergraben). Auch die ehemals wegen ihrer Ausdünstungen berüchtigte Panke, ein Flüßchen, das durch den Gesundbrunnen und Wedding nach S. zu unterhalb der Weidendammer Brücke rechts in die Spree fließt, ist fast durchweg überwölbt. Von großer Wichtigkeit ist ferner der 1. Mai 1859 eröffnete Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal (s. d.), der bei der dreigeteilten schönen Alsenbrücke die Spree verläßt, erst den Humboldthafen (2 ha) bildet, sich nordwestlich zum Nordhafen (3 ha) zieht und sich westwärts über