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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Berlin (Stadtteile)

die Grenze des Weichbildes wendet. Über den Wasserverkehr s. unten Verkehrswesen.

Stadtteile. Das vorzugsweise dem Handel gewidmete Centrum der Stadt wird von den ein Viereck zwischen dem ehemaligen Königs- und dem Festungsgraben einnehmenden alten Stadtteilen Alt-Berlin, Alt- und Neu-Kölln und Friedrichswerder gebildet. Alt-Berlin liegt zwischen dem zugeschütteten Königsgraben und der Spree, zu beiden Seiten der von der Langen Brücke zum Alexanderplatz führenden, 735 m langen Königstraße, die zu den belebtesten der Stadt zählt. Durch den Abbruch der sämtlichen Gebäude auf dem Mühlendamm und der alten Dienstgebäude des Polizeipräsidiums hat der Molkenmarkt eine bedeutende Erweiterung erhalten. Durch die Wegräumung des alten Mühlenwehrs, die Schiffbarmachung des Hauptarms der Spree für große Elbkähne und die in Ausführung begriffene Verbindung desselben mit dem Oder-Spree-Kanal wird der Binnenschiffahrtsverkehr von Schlesien nach Hamburg durch B. eine außerordentliche Förderung und zugleich das Stadtbild vom Mühlendamm bis zur Burgstraße eine wesentliche Verschönerung erfahren. Die Kosten dieses großen Unternehmens (11 Mill. M.) werden vom Staat (3,2 Mill. M.) und von der Stadt (7,8 Mill. M.) gemeinsam getragen. Den Glanzpunkt des Stadtviertels bildet das Rathaus (s. S. 800a).

Das langgestreckte Alt-Kölln zwischen beiden Spreearmen ist in seinem südl. Teil eng und winklig, dabei auch Hauptcentrum des Geschäftsverkehrs. Hier liegen die Petrikirche (s. S. 798 a), das Schindlersche Waisenhaus, an der Spree der königl. Marstall, an der Schleuse das Werderhaus und das unter dem Namen Rotes Schloß bekannte Privathaus, endlich im nördl. Teil das königl. Schloß, das Museum und die Nationalgalerie.

Neu-Kölln am Wasser, der kleinste Stadtteil, nimmt den Raum zwischen dem südl. Spreearm und der Wallstraße einschließlich des Spittelmarkts ein; hier liegen das 1824 gegründete Köllnische Gymnasium und die Freimaurerloge zu den drei Weltkugeln. Nördlich von Neu-Kölln erstreckt sich der Friedrichswerder als architektonisches Mittelglied zwischen Alt-Kölln und der Dorotheen- und Friedrichsstadt, mit Ruhmeshalle, Palais der Kaiserin Friedrich, Reichsbank und Werderscher Kirche. Um diesen Kern der Stadt gruppiert sich der innere Gürtel von 7 Stadtvierteln wie folgt: Die Dorotheenstadt und Friedrichsstadt werden durch die Behrenstraße getrennt, aber gemeinsam von der Friedrichstraße durchzogen. Rechts der Spree stößt nördlich an die Dorotheenstadt die Friedrich-Wilhelmsstadt, die durch die Verlängerung der Friedrichstraße von dem Spandauer Viertel, dem dichtestbevölkerten Stadtteil, getrennt wird. Die Fortsetzung nach O. bilden die Königsstadt, die sich strahlenförmig vom Alexanderplatz nach dem Landsberger und dem Prenzlauer Thor erstreckt, und das Stralauer Viertel, das von oberhalb der Schillingbrücke bis zum Landsberger Thor reicht und mit der Friedrichsstadt durch die an großartigen Gebäuden arme Luisenstadt am linken Spreeufer zusammenhängt.

Diesen sieben Stadtteilen, die um die drei erstgenannten einen konzentrischen Kreis bilden, lagern sich im N., W. und S. weitere Stadtteile vor: nördlich Wedding, Moabit, die Oranienburger Vorstadt, die durch den Aufbau neuer Häuser und Anlagen neuer Straßen (1888) auf dem ehemaligen Borsigschen Fabrikgrundstück ein verändertes Aussehen erhalten hat, und die Rosenthaler Vorstadt; im W. der Thiergarten, südlich die Friedrichsvorstadt, das Schöneberger und Tempelhofer Viertel. ^[Spaltenwechsel]

Von den etwa 707 Straßen, die eine Gesamtlänge von 500 km haben, ist die längste die 3 km lange, verkehrsreiche Friedrichstraße, die die Stadt nordsüdlich in gerader Richtung vom Oranienburger Thor bis zum Belle-Allianceplatz durchzieht und von zahlreichen Querstraßen rechtwinklig geschnitten wird; unter diesen sind hervorzuheben die seit 1888 mit 108 elektrischen Bogenlampen versehene Straße Unter den Linden (1 km lang, 45 m breit), in der Mitte ein mit einer vierfachen Baumreihe bepflanzter Promenadenweg, zu beiden Seiten Reitwege, Fahrwege, Trottoirs, mit dem ehemaligen Palais Kaiser Wilhelms Ⅰ. (s. S. 799a), dem Kultusministerium, der russ. Botschaft, dem Café Bauer und den ersten Hotels der Stadt; ferner die Behrenstraße, eins der Hauptquartiere der hohen Finanz, mit der Dresdener Bank, Diskontogesellschaft, Norddeutschen Grundkreditbank, Mitteldeutschen Kreditbank, meist im Renaissancestil; sodann die äußerst belebte und mit glänzenden Kaufläden ausgestattete Leipziger Straße (1,4 km), mit 36 elektrischen Bogenlampen, die den Spittelmarkt (östlich) mit dem Leipziger Platz (westlich) verbindet; an ihr liegen die Neubauten für den preuß. Landtag, das Kriegsministerium, Reichspostamt und Abgeordnetenhaus. Nahezu parallel mit der Friedrichstraße verläuft die Wilhelmstraße (1,6 km), die mit jener am Belle-Allianceplatz zusammentrifft; mit ihrer Verlängerung nach N., der Luisenstraße (von der Marschallbrücke bis zum Neuen Thor), würde sie die Friedrichstraße an Länge noch übertreffen; in ihrer nördlichern Hälfte befinden sich das Reichskanzlerpalais, in dem 1878 der europ. Kongreß für Regelung der Orientalischen Frage tagte, die Ministerien und mehrere Gesandtschaftshotels. Ferner sind nennenswert die Cöpenicker Straße im SO., die Oranienburger Straße mit der Synagoge (s.S. 798 b), die breite Jägerstraße mit schönen Kaufläden und die verkehrsreiche Rosenthaler Straße, deren Verlängerung nach Norden, die Brunnenstraße, zum Gesundbrunnen führt. Die vornehmsten, zum Teil mit prächtigen Villen besetzten Straßen liegen im W. zwischen der Thiergarten-, Potsdamer Straße und dem Zoologischen Garten (Geheimratsviertel); unter ihnen die Thiergarten-, Bellevue-, Rauch-, Potsdamer, Victoria-, Lützow-, Kurfürsten-, Bülow- und Kleiststraße.

Unter den 53 Brücken der Stadt ist die schönste die Schloßbrücke (48 m lang, 32 m breit), vom Platz an der Ruhmeshalle nach dem Lustgarten, 1822–24 nach Schinkels Entwürfen gebaut. Seit 1853 werden ihre beiden Geländer von je 4 auf Granitblöcken stehenden, von verschiedenen Bildhauern (Bläser, Drake) gefertigten Marmorgruppen geziert, das Leben des Kriegers unter Leitung von Athene und Nike darstellend. Vom Schloßplatz zur Königstraße führt die 1692–96 erbaute, neuerdings erweiterte Lange oder Kurfürstenbrücke mit dem ehernen Reiterstandbild des Großen Kurfürsten. Während die ältern Brücken meist einfacher Art sind, zeichnen sich die neuern durch künstlerische Ausstattung aus; unter den letztern sind spreeabwärts zu nennen: die 1889 vollendete Kaiser-Wilhelm-Brücke (mit Rüstungen und Trophäen gezierte Säulenkandelaber) vom Lustgarten nach der 1885–87