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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

800

Berlin (Weltliche Bauten)

35000 römische) und die Gemäldegalerie (etwa 1300 Nummern; ausgenommen Bildwerke neuerer Zeit); ferner die nach Raffaelschen Kartons in Flandern gewebten Teppiche. Das Neue Museum, 1843–55 von Stüler erbaut, ist 105 m lang und 40 m tief. Der Mittelbau umschließt das 38 m lange, 15 m breite, 20 m hohe Treppenhaus; dessen obere Wandflächen schmücken die berühmten, stereochromisch ausgeführten 6 Wandgemälde W. von Kaulbachs (1847–66), darstellend die Hauptmomente der Geschichte der Menschheit. Es enthält die Sammlung der Gipsabgüsse, die ägypt. Altertümer, das Kupferstichkabinett, das Antiquarium (Hildesheimer Silberfund, 2300 Vasen, Terrakotten, Bronzen).

Östlich vom Neuen Museum erhebt sich in der Mitte eines von dor. Säulenhallen umgebenen Platzes die 22. März 1876 eröffnete Nationalgalerie (Direktor: Geh. Regierungsrat Dr. M. Jordan), nach Stülers Entwurf von Strack als korinth. Tempel in Sandstein ausgeführt (s. Tafel: Museen Ⅰ. Fig. 1); sie ist 60 m lang, 32 m breit, mit einer Apsis auf einem 10,7 m hohen Unterbau. Die Freitreppe trägt das Reiterbild Friedrich Wilhelms Ⅳ. (s. oben). Sie enthält Gemälde (1891: 626 Nummern) neuerer Meister, Kartons (darunter die 7 Kartons P. von Cornelius), neuere Bildhauerwerke (1891: 79 Nummern), im obern Geschoß seit 1884 die gräfl. Raczynskische Kunstsammlung. Im Südwestviertel in der Prinz-Albrecht-Straße liegen das Kunstgewerbemuseum (Direktor: Professor J. Lessing), 1877–81 von Gropius und Schmieden aus Werkstein und Terracotta errichtet, mit Mosaikbildern von Salviati an der Außenseite und Sandsteinfiguren P. Vischers und H. Holbeins auf den Wangen der Freitreppe, und das Museum für Völkerkunde (Direktor: Geh. Regierungsrat Professor Dr. Bastian), von Ende und Böckmann erbaut, 18. Dez. 1886 eröffnet, mit vorgeschichtlichen, ethnolog., anthropolog. Sammlungen und Schliemanns trojanischen Funden.

In der Invalidenstraße zwischen der Landwirtschaftlichen Hochschule und der Bergakademie das Museum für Naturkunde, welches das Geologisch-Paläontologische Museum (Direktor: Geh. Bergrat Professor Dr. Beyrich), das Petrographisch-Mineralogische Museum (Direktor: Professor Dr. Klein) und das Zoologische Museum (Direktor: Professor Dr. Möbius) enthält; diese Gebäude bilden eine Gruppe, erbaut von Tiede.

Im Mittelpunkt der Stadt liegt das Rathaus, ein nach Plänen von Wäsemann 1861–70 in Ziegel- und Terracottatechnik mit Sockel und Gesimsplatten von Granit ausgeführter Bau, 99 m lang, 88 m breit und bis zur Attika über dem dritten Stockwerk 27 m hoch. Der Turm, in welchem der Haupteingang ist, hat eine Höhe von 74 m. Am Hauptportal befinden sich in Nischen die Bronzestatuen Kaiser Wilhelms Ⅰ. (von Keil) und Kurfürst Friedrichs Ⅰ. (von Encke). Das Innere ist reich ausgeschmückt; so der Festsaal (31 m lang, 17 m breit, 15 m hoch) u. a. mit den Statuen Friedrichs d. Gr. und Friedrich Wilhelms Ⅲ. von Sußmann-Hellborn, und dem Ölgemälde von A. von Werner: Der europ. Friedenskongreß in Berlin 1878; ferner der Korridor und die Vorhalle des Magistratssaales mit 10 erst zum Teil vollendeten Gemälden aus der Geschichte der Stadt.

Von andern Bauwerken sind hier zu nennen: das Universitätsgebäude, 1754–64 als Palais des Prinzen Heinrich, Bruders Friedrichs d. Gr., nach Knobelsdorffschen Plänen von Boumann dem Ältern erbaut, ist seit 1809 für die Zwecke der neu gestifteten Universität eingerichtet und 1890–91 im Innern gründlich umgestaltet worden; vorn am Vorgarten die sitzenden Marmorfiguren der beiden Humboldt; gegenüber am Opernplatz die königl. Bibliothek, 1775–80 nach Ungers Zeichnung von Boumann dem Jüngern im Barockstil aufgeführt; ferner das königl. Akademiegebäude, 1690 von Nering erbaut, 1749 umgestaltet, der Sitz der Akademie der Wissenschaften und der Akademie der Künste. An der Schleusenbrücke die Alte Bauakademie, die jetzt den Zwecken der Kunstakademie und des Meteorologischen Instituts dient, 1832–35 von Schinkel aus Backstein und Terracotta aufgeführt (Quadrat von 46 m Seitenlänge), gilt in der Verschmelzung mittelalterlicher Struktur mit griech. Detailformen als das originellste Werk Schinkels. Auf Charlottenburger Gebiet die Technische Hochschule (1878–84 nach dem Entwürfe von Lucä und Hitzig, unter des letztern und nach dessen Tode unter Raschdorffs Leitung ausgeführt). Das Hauptgebäude, ein 228 m langer und 90 m tiefer massiver Bau, ist mit vielen Skulpturen geschmückt; so auf der Balustrade vor den Fenstern der Aula die 5 Bronzebüsten von K. Begas: Gauß, Eytelwein, Schinkel, Redtenbacher, Liebig; in den Nischen der Façade 6 Standbilder berühmter Architekten und Ingenieure: Erwin von Steinbach und Bramante (von Encke), Schlüter (von Hundrieser), Leonardo da Vinci (von Eberlein), Stephenson und J. Watt (von Keil). Das Gebäude enthält ein Gipsmuseum, eine Sammlung für Ingenieur- und Maschinenwesen, das Beuth-Schinkel-Museum, eine kinematische Sammlung, ein mineralog. Museum, ein Architekturmuseum und eine Bibliothek. Im östl. Flügel befindet sich die Physikalisch-Technische Reichsanstalt. Ferner sind zu nennen das umfangreiche Generalstabsgebäude, ein aus zwei verschiedenartigen Teilen (1871 und 1877) bestehender Terracottabau; die Kriegsakademie, 1882 von Schwechten vollendet; die Neue Wache (Königswache), zwischen Universität und Ruhmeshalle, 1816–18 von Schinkel in dor. Stil nach Art eines röm. Castrums erbaut, neben ihr drei große Geschütze, das mittlere 1871 auf dem Fort Mont–Valérien bei Paris erbeutet. Das Brandenburger Thor, das von den Linden nach der Charlottenburger Chaussee führt, 1789–93 von Langhans nach dem Vorbilde der Propyläen zu Athen erbaut, ist 62,5 m lang, 20 m hoch und besteht aus einem Doppelportikus von 12 dor. kannelierten, 14 m hohen Säulen, die fünf Durchgänge für Wagen bilden: der mittelste ist nur für königl. Wagen bestimmt, während für Fußgänger je ein im gleichen Stil gehaltener Säulenbau 1868 hinzugefügt wurde. Die Attika trägt die auf einer Quadriga fahrende Siegesgöttin, 6,3 m hoch, von Schadow modelliert, von Jury und Gerike in Kupfer getrieben; sie wurde 1807 von den Franzosen entführt, kam aber in Paris nicht zur Aufstellung und wurde 1814 zurückgebracht. Seitdem führt sie das Viergespann (anders als vor 1807) der Stadt zu. Die Börse (s. Tafel: Börsengebäude Ⅱ, Fig. 1), 1859–64 von Hitzig erbaut, 1884 erweitert, mit dem 69 m langen, 27 m breiten, 20 m hohen Börsensaal; die Reichsbank, 1869–76 von Hitzig im Renaissancestil aufgeführt (s. Tafel: Bankgebäude Ⅰ, Fig. 1); in der Nähe die königl. Neue Münze mit