Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Berner; Berner Alpen; Berner Disputation; Berner Klause; Berner Oberland; Berner Oberlandsbahnen; Berner Übereinkommen; Bernesk; Bernh; Bernhard

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Berner - Bernhard (Stammvater des Fürstenhauses von Sachsen-Meiningen)

Sohn der Mark» (Franks, a. O. 1848), «Die Hand des Fremden» (2 Bde., Lpz. 1857), «Der erste Raub an Deutschland» <4 Bde., ebd. 1862), «Deutschlands Ehre. 1813» (3Bde., ebd. 1804), «Unter dem Krummstabe» (3 Bde., Hannov. 1805), «König Murats Ende» (3 Bde., Wien 1800). Er lieferte die Texte zu Kreutzers Opern «Die Hochländerin» und «König Konradin» sowie Übersetzungen aus dem Italienischen und Englischen. Seine vortrefflichen kriegsgeschichtlichen Werke sind: «Elemente der Taktik» (6. Aufl., Berl. 1870), «Geschichte der Kriegskunst» (3. Aufl., ebd. 1807), «Buch der Schlachten» (Lpz. 1856), «Grundriß der Geschichte des Kriegswesens» (Berl. 1854), «Die Schlachten bei Leipzig» (Lpz. 1855), «Atlas des Kriegswesens» (2. Aufl., ebd. 1875, hg. von Schott).

Berner, Alb. Friedr., Kriminalist, geb. 30. Nov. 1818 zu Straßburg in der Ukermark, studierte in Berlin Rechtswissenschaft und Philosophie und wurde daselbst im Winter 1844/45 Docent für Strafrecht, 1848 außerord., 1801 ord. Professor. In seinen strafrechtlichen Arbeiten tritt bis 1850 überwiegend der Einfluß der Hegelschen Philosophie, später die Einwirkung der franz. Wissenschaft hervor. Er schrieb: «De divortiis apud Romanos» (Berl. 1842), «Grundlinien der kriminalistischen Imputationslehre» (ebd. 1843), «Die Lehre von der Teilnahme am Verbrechen und die neuern Controversen über Dolus und Culpa» (ebd. 1847), «Wirkungskreis des Strafgesetzes nach Zeit, Raum und Personen» (ebd. 1853), das treffliche «Lehrbuch des deutschen Strafrechts» (Lpz. 1857; 17. Aufl. 1894, in viele Sprachen übersetzt), «Grundsätze des preuß. Strafrechts» (ebd. 1801), «Abschaffung der Todesstrafe» (Dresd. 1860), «De impunitate propter summam necessitatem proposita» (Berl. 1801), «Strafgesetzgebung in Deutschland von 1751 bis zur Gegenwart» (Lpz. 1867), «Kritik des Entwurfs eines Strafgesetzbuches für den Norddeutschen Bund» (ebd. 1869), «Lehrbuch des Deutschen Preßrechts» (ebd. 1876). Auch bearbeitete B. viele völkerrechtliche Artikel in Bluntschlis «Staatswörterbuch», welchem Gebiete auch die Schrift «Die Orientfrage. Beantwortet durch die Verträge von 1856 und 1878 Bluntschlis (Berl. 1878) angehört. Jüngst erschien «Judentum und Christentum und ihre Zukunft» (Lpz. 1891).

Berner Alpen, ein Teil der Westalpen (s. d.). Sie beginnen unmittelbar am Gemmipaß mit einer nordwestl. Reihe von Gipfeln jurassischen Gesteins mit dem Balmhorn 3688, der siebengipfeligen Blümlisalp 3670, dem Eiger 3975, und den Wetterhörnern 3708 in. Zwischen dieser Kalkzone und der Rhone breitet sich eine mächtige Zone von Granit, Gneis und Hornblendegesteinen aus; zu diesen gehören die höchsten Erhebungen der nördl. Alpen, das Vietschhorn 3953, das Aletschhorn 4182, die Jungfrau 4166, der Mönch 4105, das wilde, felsige Schreckborn 4080, und die Pyramide des Finsteraarhorns 4275 m. Die größten unter den etwa 80 benannten Gletschern des Gebietes sind der Tschingel- oder Kandergletscher, der Aletsch- und der Vieschergletscher und die Aargletscher. Nach N. laufen lange Zweigketten der Jura- und Kreideformation: die Faulhornkette 2683, mit dem Paß über die Große Scheidegg 1961 m, die Tschuggenkette mit der Kleinen Scheidegg 2069 m, die Schilthornkette, die Niesenkette 2366 m. In den kürzern, südlich zum Rhonethal auslaufenden Ästen des Gebirges ist das Eggischhorn 2934 m, der bekannteste Aussichtspunkt. Jenseit des Haslethals schließt die Gruppe des Dammastockes (s. d.) mit dem Titlis die B. A. ab, die somit bis zum Quertal der Reuß reichen.

Berner Disputation, das den Sieg der Reformation in Bern entscheidende Religionsgespräch vom 7. bis 26. Jan. 1528. Unter den Vorsitzenden war Joachim von Watt aus St. Gallen, die Wortführer der evang. Partei waren der Münsterpfarrer Berthold Haller und Butzer aus Straßburg, auch war Ulrich Zwingli zugegen. Die Heilige Schrift als alleinige Norm der kirchlichen Lehren und Einrichtungen, die Rechtfertigung durch Christi Verdienst allein, die Art der Gegenwart Christi im Abendmahl, das Meßopfer und die Mönchsgelübde waren Gegenstand der Verhandlungen, die für die Reformierten günstig ausfielen. Nachdem die Berner Geistlichkeit die Beschlüsse ("Zehn Schlußreden") unterzeichnet und die Messe und Bilder abgeschafft hatte, erfolgte 7. Febr.1528 ein Reformationsmandat (vgl. Richter, Die evang. Kirchenordnungen des 16. Jahrh., Bd. 1, Weim. 1840), dem sich die Berner Gemeinden anschlossen. Die Originalakten des Gespräches sind noch vorhanden; gedruckt wurden sie 1528 u. ö. - Vgl. S. Fischer, Geschichte der Disputation und Reformation in Bern (Bern 1828).

Berner Klause (Chiusa di Verona), der Engpaß 18 km nordwestlich von Verona, in dem sich die Etsch den Weg aus Val Lagarina nach Val Policella durch das Kalkgebirge gebahnt hat. Von hoben, senkrecht abfallenden Felswänden eingeschlossen, bietet die Schlucht kaum Raum für den reißenden Strom und die teilweise in den Fels gesprengte Straße und Bahnlinie von Roveredo in Südtirol nach Verona. 1155 sperrte hier eine Schar von Veronesen dem heimkehrenden Heere Kaiser Friedrichs I. den Weg, wurde aber von Otto von Wittelsbach, der mit einer Abteilung einen höher gelegenen Felsen besetzte, zur Ergebung gezwungen. Über dem Felsen des rechten Ufers liegt die Hochfläche von Rivoli, bekannt durch die Siege der Franzosen unter Bonaparte, Augereau und Massena über die Österreicher unter Davidovich, 21. Nov. 1796, und Alvinczy, 14. Jan. 1797.

Berner Oberland, s. Bern (Kanton).

Berner Oberlandsbahnen, s. Bern (S. 824a).

Berner Übereinkommen, internationales, über den Eisenbahnfrachtverkehr, s. Eisenbahnrecht und Eisenbahn-Verkehrsordnung.

Bernesk, nach Art von Berni (s. d.), burlesk.

Bernh. oder Bhrd., bei botan. Namen Abkürzung für Johann Jakob Bernhardi, geb. 1774, gest. 1850 zu Erfurt als Professor der Botanik.

Bernhard (Sankt), zwei bedeutende Gebirgsjoche in den Alpen, s. Sankt Bernhard.

Bernhard, Graf von Anhalt und Herzog von Sachsen, der Stammvater der jetzigen Herzöge von Anhalt, geb. 1140 als jüngerer Sohn Albrechts des Bären, erhielt bei der Teilung nach dem Tode seines Vaters (1170) Anhalt, bei der Teilung der Lande Heinrichs des Löwen noch einen Teil des Herzogtums Sachsen und nannte sich seitdem Herzog von Sachsen. Er starb 1212; sein ältester Sohn Heinrich erhielt das Stammland Anhalt (s. d.), Albrecht das Herzogtum Sachsen. B. ist der Erbauer von Wittenberg. - Vgl. Hahn, Die Söhne Albrechts des Bären (Berl. 1869).

Bernhard, Stammvater des noch jetzt regierenden Fürstenhauses von Sachsen-Meiningen, geb. 10. Sept. 1649 als Sohn des Herzogs Ernst des