Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bernstorff; Bernuth; Bernward; Bernwardskreuz

845

Bernstorff (Joh. Hartwig Ernst, Graf von) - Bernwardskreuz

Von 1811 bis 1815 vertrat er mit Unterbrechungen Dänemark am Wiener Hofe, von 1817 bis 1818 in Berlin. Auf den Rat des Polizeiministers Fürsten Wittgenstein schlug ihn Hardenberg im Mai 1818 dem Könige Friedrich Wilhelm III. zum Minister der auswärtigen Angelegenheiten vor, und trotz mancher Verstimmung über die Berufung des Ausländers wußte er sich doch nach seiner im Sept. 1818 erfolgten Berufung Sympathien zu erwerben, wenngleich seine wenig energische und bedeutende Politik das Ansehen und die Stellung Preußens im nächsten Jahrzehnt nicht sonderlich förderten. Die Karlsbader Beschlüsse, die Verschleppung des Verfassungswerkes bat er nicht gehindert; aber er hielt sich doch von den Auswüchsen der Demagogenverfolgung fern. Selbständiger gegenüber Österreich und erfolgreicher leitete er die preuß. Politik in der orient. Frage von 1825 an. 1832 trat er zurück und starb 28. März 1835.

Bernstorff, Joh. Hartwig Ernst, Graf von, dän. Staatsmann, «das Orakel von Dänemark», wie ihn Friedrich d. Gr. nannte, geb. 13. Mai 1712 zu Hannover, trat in den dän. Staatsdienst und kam schon 1737 als Gesandter an den Reichstag zu Regensburg, wo er die Aufnahme Holsteins unter die alternierenden altfürstl. Häuser erwirkte, und 1744 nach Paris, ward 1749 Staatssekretär und Geheimrat und 1751 Minister des Auswärtigen. Die Klugheit und Beharrlichkeit, mit welcher er die während und nach dem Siebenjährigen Kriege wegen Holstein-Gottorp entstandenen Mißhelligkeiten zwischen Rußland und Dänemark auszugleichen wußte, belohnte Christian VII. mit der Erhebung B.s und seiner Familie in den Grafenstand. Das Vertrauen des Königs genoß er, bis es dessen neuem Günstlinge Struensee gelang, ihn 13. Sept. 1770 aus seiner Stellung zu verdrängen. Nach Struensees Fall wurde er auf die auszeichnendste Weise zurückberufen; doch im Begriff nach Kopenhagen zurückzukehren, ereilte ihn der Tod 19. Febr. 1772 zu Hamburg. Für den Wohlstand des dän. Staates sorgte B. auf jede Weise; der Handel erhielt durch ihn neuen Aufschwung und Kunst und Wissenschaft eifrige Unterstützung. So veranlaßte er eine wissenschaftliche Expedition nach dem Orient, deren Resultat in Niebuhrs Beschreibung vorliegt; gleichzeitig lud er eine große Reihe berühmter Männer nach Dänemark, darunter Klopstock, der bei ihm die gastlichste Aufnahme fand. Außerordentliche Thätigkeit entwickelte er ferner für das Armenwesen; die Errichtung des Pflegehauses in Kopenhagen erfolgte nach seinem Plane. Zu dem allgemeinen Hospital ebendort legte er 1760 den Grundstein, und die erste Hebammenschule in Dänemark verdankt ihm ihre Entstehung. Gegen die Armen war er überaus mildthätig und überwies ihnen jährlich den vierten Teil seiner Einkünfte. Auch gab er, von seinem Neffen Andr. Peter B. (s. d.) angeregt, durch die Befreiung der Bauern seines Guts von der Leibeigenschaft und den Feudallasten ein vortreffliches Beispiel. - Vgl. En Brevverling mellem B. og Hertugen af Choifeul, hg. von P. Vedel (Kopenh. 1871); Correspondance minisrérielle du comte B., hg. von demselben (2 Bde., ebd. 1882); de Barthélemy, Histoire des relations de la France et du Danmark sous le ministère du compte B. (ebd. 1887).

Bernuth, Aug. Mor. Ludw. Heinr. Wilh. von, preuß. Staatsmann, geb. 11. März 1808 zu Münster in Westfalen, studierte 1825-28 in Göttingen und Berlin die Rechte und trat gleich darauf in den Staatsdienst. Nachdem er verschiedene richterliche Stellungen in Westfalen bekleidet hatte, wurde er als Hilfsarbeiter in das Geheime Obertribunal nach Berlin berufen und 1849 zum vortragenden Rat im Justizministerium ernannt. 1849 und 1850 wurde er in Westfalen zum Mitgliede der Ersten Kammer gewählt, in der er sich lebhaft bei den Beratungen der Revision der Verfassungsurkunde im Sinne der liberalen Partei beteiligte. Diese Haltung schuf für die amtliche Stellung B.s als Ministerialrat Schwierigkeiten, die ihn veranlaßten, aus der polit. Thätigkeit zu scheiden. Er kehrte 1855 zur richterlichen Laufbahn zurück und wurde zum Vicepräsidenten des Appellationsgerichts zu Glogau, 1859 zum Chefpräsidenten des Appellationsgerichts in Posen ernannt. Nachdem im Herbst 1860 seine Berufung als lebenslängliches Mitglied des Herrenhauses und Kronsyndikus erfolgt war, wurde er 17. Dez. 1860 zum Justizminister erhoben und trat als solcher namentlich für die Unabhängigkeit der Gerichtshöfe ein. Als das Ministerium Schwerin im März 1862 zurücktrat, legte auch B. sein Amt nieder und unterstützte die Bestrebungen der liberalen Minorität im Herrenhause, wo er insbesondere die Preßordonnanz vom 1. Juni 1863 einer scharfen Kritik unterzog. 1873 und 1874 wurde B. zum ersten Vicepräsidenten des Herrenhauses gewählt. Seit 1867 gehörte er auch als Abgeordneter für den Wahlkreis Oschersleben-Halberstadt dem Norddeutschen, seit 1871 dem Deutschen Reichstage an, wo er 1874 der nationalliberalen Partei beitrat. Er starb 25. April 1889 in Berlin.

Bernward, Bischof von Hildesheim (993-1022), aus edlem sächs. Geschlecht, erhielt eine vielseitige Bildung auf der Klosterschule von Hildesheim durch den berühmten Scholastikus Thangmar. 987 wurde er zum Erzieher und Hofkaplan des Kaisers Otto III. ernannt, den er, 993 zum Bischof von Hildesheim erwählt, 1001 auf dessen Zuge nach Italien begleitete. Nach Hildesheim zurückgekehrt, gründete er daselbst 1019 das Michaeliskloster und begann den Bau der herrlichen Michaeliskirche (1857 hergestellt). Wie er für das Emporblühen seines Bistums sorgte, so förderte er auch die Bildnerei und Baukunst. Er veranlaßte 1002 die Herstellung der ehemals in der Michaeliskirche befindlichen, jetzt auf dem Domplatze aufgestellten Bronzesäule mit dem Relief aus dem Leben Christi, ferner 1015 den Guß der großen ehernen Eingangsthür des von ihm neu erbauten Doms, mit 16 Darstellungen aus der biblischen Geschichte. Bis zu seinem Tode dauerte der erbitterte Streit mit dem Erzbischof von Mainz um das Stift Gandersheim. B. starb 20. Nov. 1022 und wurde 1193 vom Papst Cölestin III. heilig gesprochen. Eine Lebensbeschreibung von ihm verfaßte sein Lehrer Thangmar (abgedruckt in «Monumenta Germaniae historica», Bd. 4; deutsch von Hüffer in «Geschichtschreiber der deutschen Vorzeit», Berl. 1858; 2. Aufl. 1893). 1893 wurde in Hildesheim sein Denkmal enthüllt. - Vgl. Lüntzel, Der heilige B. (Hildesh. 1856); A. Schultz, in Dohmes «Kunst und Künstler des Mittelalters» (Lpz. 1876); Beelte, Thangmar, sein Leben und Beurteilung seiner Vita Berwardi (Programm des Josephinums in Hildesheim, 1881); Beissel, Des heiligen B. Evangelienbuch im Dome zu Hildesheim (Hildesh. 1891).

Bernwardskreuz, ein angeblich vom Bischof Bernward von Hildesheim angefertigtes goldenes lateinisches Kreuz mit kleinen Querbalken an den