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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bertholletia; Berthollets Knallpulver; Berthollets Schießpulver; Berthoud; Berti; Bertin

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Bertholletia - Bertin (Familie)

daß zwei Elemente, die sich in mehrern Verhältnissen verbinden, dies in unendlich vielen, nur zwischen gewisse Grenzen eingeschlossenen Mengenverhältnissen thun können, und letztere von den aufeinander wirkenden chem. Massen abhängen, ist schon durch seinen Zeitgenossen Proust (s. d.) widerlegt worden, ohne daß jedoch damit der wichtigste Teil seiner Lehren über die Massenwirkungen auf die Dauer beseitigt worden wäre. Großen Anteil hatte er auch an der Reformation der chem. Nomenklatur und Herausgabe der «Méthode de nomenclature chimique» (Par. 1787). Das von ihm erfundene Knallsilber hat den Namen Berthollets Knallpulver erhalten. (S. auch Berthollets Schießpulver.)

Bertholletia. H. B. K., Pflanzengattung aus der Familie der Myrtaceen (s. d.), aus nur einer im tropischen Amerika einheimischen Art, B. excelsa H. B. K., bestehend. Dies ist ein prächtiger, bis 30 m Höhe erreichender, immergrüner Baum mit großen, lederartigen Blättern, großen, weißen Blüten und Kapseln von Menschenkopfgröße, welche zahlreiche große Samen mit ölreichem, mandelartig schmeckendem Korn enthalten. Diese kommen als Paranüsse oder amerikanische Nüsse in den Handel und werden in Südamerika als Nahrungsmittel sowie zur Ölbereitung benutzt. Die B. wächst namentlich in den Urwäldern des Orinocogebietes und Brasiliens.

Berthollets Knallpulver, s. Knallsilber.

Berthollets Schießpulver, muriatisches Pulver, ein 1786 von Berthollet hergestelltes schwarzes Schießpulver, bei dem der Salpeter durch chlorsaures Kalium ersetzt ist; ist sehr empfindlich gegen Reibung, Stoß u. s. w., daher gefährlich bei der Aufbewahrung und beim Transport; als Treibmittel unanwendbar.

Berthoud (spr. -tuh), Ferd., Pariser Uhrmacher, geborener Schweizer (1727-1807), Verfasser zahlreicher Schriften über die Uhrmacherkunst. Sein Neffe, Louis B., gleichfalls Uhrmacher (1759-1813), hat die Chronometerhemmung wesentlich verbessert.

Berthoud (spr. -tuh), Henri, franz. Schriftsteller, geb, 19. Jan. 1804 zu Cambrai, lebt seit 1832 in Paris und war Mitarbeiter an verschiedenen Journalen. Beifall fanden seine populären naturwissenschaftlichen Aufsätze, die er unter dem Namen Sam für die «Patrie» schrieb und später als «Fantaisies scientifiques (4 Serien, 1861) und «Petites chroniques de la science» (10 Bde., 1867-71) veröffentlichte. Außer Romanen und geschichtlichen Arbeiten(«Chroniques et traditions surnaturelles de la Flandre», 3 Bde., 1831-34) verfaßte B. auch anziehende Jugendschriften histor. und naturwissenschaftlichen Inhalts: «La France historique, industrielle et pittoresque» (3 Bde., 1835-37), «Histoires pur le petits et pour les grands enfants» (1863), «Le monde des insectes» (1864), «L'esprit des oiseaux (1866), «Les hotes du logis» (1867) u. a.

Berti, Domenico, ital. Schriftsteller und Politiker, geb. 17. Dez. 1820 zu Cumiara (Provinz Turin), wurde 1849 Professor der Ethik zu Turin, war 1870-77 Professor der Philosophie zu Rom. In der Kammer, deren Mitglied er seit 1849, außer 1857-60, war, gehörte er bis 1880 dem rechten, seither dem linken Centrum an. Im Ministerium La Marmora übernahm er 1866 den Unterricht und behielt ihn unter Ricasoli 1867; Mai 1881 bis März 1884 war er Handelsminister und trat als solcher für sociale Gesetzgebung ein. Als Schriftsteller that er sich außer durch zahlreiche pädagog, und polit. Aufsätze hervor durch Schriften über Pico della Mirandola, Giordano Bruno (Turin 1868), Kopernikus (Rom 1876), Galilei (2. Aufl., ebd. 1878), Ces. Alfieri (ebd. 1877), G. Valdes (ebd. 1878), Cesare Cremonino (ebd. 1878), Tommaso Campanella (ebd. 1878). Er gab ferner «Il conte di Cavour avante il 1848» (ebd. 1887) und «Diario inedito con note autobiografiche di Cavour» heraus und begründete mehrere Zeitungen («Rivista italiana», «Le Alpi» und «L'Istitutore»). 1892 erschienen in Turin seine «Scritti vari» (2 Bde.).

Bertin (spr. -täng), franz. Familie, aus der namentlich zwei Brüder als Begründer und Eigentümer des «Journal des Débats» bekannt sind. Der jüngere, Louis Francois B. de Baux, geb. 1771 zu Paris, B. le Superb genannt, war Bankier, unterstützte seinen Bruder bei Herausgabe der Zeitung und erhielt, wie alle Mitglieder seiner Familie, unter der Julimonarchie eine polit. Rolle, indem er zum Gesandten im Haag und nach seiner Rückkehr 1832 zum Pair ernannt wurde. Er starb 23. April 1842.

Sein älterer Bruder, ebenfalls Louis Francois, geb. 14. Dez. 1766 zu Paris, hieß zum Unterschiede B. ainé. Ursprünglich für den geistlichen Stand bestimmt, wählte er infolge der Revolution die Journalistenlaufbahn und erwarb 1800 mit seinem Bruder von dem Drucker Baudouin das seit 1789 bestehende «Journal des Débats et des Décrets», das unter ihm als « Journal des Débats politiques et littéraires» herauskam und zu den wenigen Blättern gehörte, die nach dem 18. Brumaire bestehen blieben. Seine royalistische Tendenz erregte das Mißfallen der Staatsgewalt, und als Napoleon sich zum Kaiser krönen liest, mußte das Journal, um fortbestehen zu können, sich zum «Journal d'Empire» umtaufen und zum Echo des offiziellen «Moniteur» hergeben. 1814 ließ B. den ersten Titel aufleben und schrieb für die royalistische Sache, weshalb während der Hundert Tage sein Blatt an einen willfährigen Journalisten verschenkt wurde. Unter der Restauration hatten die Staatsverwaltungen an den «Débats» eine Stütze, bis Chateaubriands Übertritt zur Opposition B. und sein Blatt in diese hineinzog. Nachher wirkte er zu Gunsten der maßvollen Verwaltung Martignacs, schloß sich aber, als dieser zurücktrat, von neuem der Opposition an und polemisierte gegen das letzte Ministerium der alten Monarchie. Als die Revolution gesiegt hatte, stellte er sich mit der Macht seines Journals auf die Seite der neuen Dynastie und leistete ihr treuen Beistand, obwohl er eine gewisse Unabhängigkeit bewahrte. Er starb 13. Sept. 1841.

Sein jüngster Sohn, Louis Marie Armand B., geb. 22. Aug. 1801 zu Paris, übernahm nach dem Tode des Vaters die Leitung des Journals. Er verstand es, in die Redaktion des Blattes jene Einheit zu bringen, die wesentlich zum Erfolge der «Débats» beitrug. Er starb 12. Jan. 1854.

Edouard Francois B., geb. 1797 zu Paris, der zweite Sohn des ältern B., leitete nach dem Tode seines Bruders Armand B. das «Journal des Débats» mit sicherm Blick und großer Geschicklichkeit. Ursprünglich Landschaftsmaler in akademischer Manier, hatte er Italien, Sicilien, Griechenland, Kleinasien, Ägypten bereist und eine Menge Studien mitgebracht. Seine Zeichnungen, besonders die mit Reißkohle, sind durchweg gut, seine Gemälde verfehlt. Er starb 13. Sept. 1871 zu Paris.