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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bes. - Besançon

Eisenburg, war vom Vater zum Landwirt bestimmt, bildete sich durch Selbstudium weiter und nahm sich namentlich den Horaz zum Vorbild. Bis zum 25. Jahre verfaßte er seine meisten und besten Gedichte. Eine Sammlung, von Helmeczy veröffentlicht (Pest 1813; 2. Aufl., von B. selbst, 1816), verschaffte ihm in ganz Ungarn allgemeine Anerkennung: besonders waren seine polit. Lieder und Oden über den Verfall des ungar. Staates und Volks von tiefer Wirkung. Er starb 24. Febr. 1836 zu Nikla im Somogyer Komitat, wo ihm 1869 ein Denkmal errichtet wurde. B.s Werke gaben Döbrentei (neue Aufl., Pest 1862) und Toldy (2 Bde., ebd. 1864) heraus.

Bes., bei ornitholog. Bezeichnungen Abkürzung für Joh. Melchior Beseke (geb. 1746, gest. 1802).

Besan, s. Segel.

Besan, Stadt in Palästina, s. Beth Sean.

Besançon (spr. bössangßóng). 1) Arrondissement des franz. Depart. Doubs, hat 1392,82 qkm, (1891) 112 704 E., 203 Gemeinden und zerfällt in die 8 Kantone Amancey (183,86 qkm, 5665 E.), Andeux (212,09 qkm, 9294 E.), B. (169,66 qkm) mit 30 576 E. in B. Nord und 30 214 E. in B. Sud, Boussières (118,59 qkm, 6857 E.), Marchaux (187,99 qkm, 8843 E.), Ornans (268,91 qkm, 12 070 E.), Quingey (251,72 qkm, 9185 E.). - 2) Hauptstadt des franz. Depart. Doubs und des Arrondissements B. sowie der ehemaligen Franche-Comté (Freigrafschaft Burgund), Kriegsplatz erster Klasse, an den Linien Belfort-Dijon, B.-Morteau (67 km) und Vesoul-B.-Lyon der Franz. Mittelmeerbahn und am Rhein-Rhône-Kanal, eine der bestgebauten Städte Frankreichs, hat (1891) 37 025, als Gemeinde 56 055 E. (gegen 57 039 im J. 1881) und liegt (250 m hoch) in ihrem Hauptteile auf einer durch den Doubs gebildeten Halbinsel, die von einem 368 m hohen Felsenisthmus vom Lande abgeschlossen wird, der die auf der Stelle eines röm. Castrum gebaute Citadelle trägt. Unter den Gebäuden der Stadt sind die merkwürdigsten die Kathedrale aus dem 11. Jahrh., die St. Johannis- und die Magdalenenkirche, die Präfektur von 1697, das halb gotisch, halb römisch gebaute Palais des Kardinals Granvella und mehrere röm., zum Teil wohl erhaltene Bauwerke, namentlich die Porte de Mars oder Porte Noire, ein von Marc Aurel 167 erbauter Triumphbogen von 10 m Höhe und 5,60 m Breite, der jetzt als Thor benutzt wird, ferner eine Wasserleitung und Reste eines großartigen röm. Theaters. B. ist Sitz eines Erzbischofs (Kirchenprovinz B. mit den Diöcesen Velley, Saint Dié, Nancy und Toul, Verdun), der Departementsbehörden, eines Appellationsgerichtshofs für die drei Depart. Doubs, Jura und Saône-Supérieure, eines Civil- und eines Handelsgerichts sowie des Generalkommandos des 7. Armeekorps und des Stabes der 14. Infanteriedivision. Auch bestehen daselbst eine Artillerieschule, ein großes Arsenal und sehr bedeutende Kasernen. Die Garnison besteht aus dem 60. Infanterieregiment, 3. Jägerbataillon, 4. und 5. Feldartillerieregiment und 10. Festungsartilleriebataillon. 1691 wurde die Universität von Dôle nach B. verlegt, 1722 jedoch die jurist. Fakultät nach Dijon; jetzt bestehen noch eine mathem.-naturwissenschaftliche, philos. und mediz.-pharmaceutische Fakultät mit 140 Hörern, ferner ein Lyceum (seit 1801), ein Priesterseminar, eine Zeichen- und Modellier-, Musik-, Uhrmacherschule, eine öffentliche Bibliothek (130 000 Bände, 1850 Manuskripte) mit Münzsammlung, Museen, mehrere gelehrte Gesellschaften, eine Taubstummenanstalt, ein Theater, 4 Zeitungen und ein 1884 enthülltes Denkmal von Claude de Jouffroy (gest. 1832), des Erfinders des Dampfschiffs. Die sehr bedeutenden Fabriken liefern Ackergeräte, Eisen-, Stahl- und Kupferwaren, Waffen, Maschinen, Bijouterien, Billards, Bürsten, Stühle, Fayence, Leinwand, Woll-, Baumwoll- und Seidenzeuge, Tabak, Buntpapier. Vor allem aber ist die Stadt der Mittelpunkt der Uhrenindustrie des Departements, welche etwa 13 000 Arbeiter beschäftigt, die jährlich ungefähr 450 000 Uhren im Werte von mehr als 40 Mill. Frs. liefern (über vier Fünftel der gesamten in Frankreich verkauften Uhren). Außerdem sind hier Bierbrauereien und Gerbereien. Die Hauptgegenstände des Handels sind Getreide, Holz, Bretter (3 Mill. Stück), Käse, Eisenwaren, Tuch, Uhren, Leder, Wein. Konsulate haben in B. Italien und die Schweiz.

^[Abb.]

Die Befestigungen von B. sind seit dem Deutsch-Französischen Kriege von 1870 und 1871 bedeutend erweitert und verstärkt worden. Die Stadt ist mit einer Umwallung versehen, an deren Fuß der Doubs fließt und so einen natürlichen nassen Graben bildet; die Vorstadt Battent hat eine ebensolche Umwallung. Im NW., auf dem linken Ufer des Doubs, liegen auf den Höhen von Monfaucon die beiden großen Forts Fort Neuf und Vieux Fort, welche den Doubs sowie die Eisenbahn nach Baume und Montbéliard bestreichen. Von den Höhen von Monfaucon zieht sich an demselben (linken) Doubsufer südwärts der Höhenrücken Mont-des-Buis hin; auf seinem Ostende liegt das Fort Est-des-Buis zur Bestreichung der nach Lomont (s. d.) an der Schweizer Grenze führenden Eisenbahn; auf seinem Westende, nahe am Doubs und an der großen Straße nach Lons-le-Saulnier, liegt Fort Ouest-des-Buis. Das weiter südlich liegende Fort Fontain auf dem gleichnamigen Bergrücken beherrscht in Verbindung mit der Batterie Rolland den ganzen Süden von B. und den Doubs stromabwärts. Auf dem rechten Ufer liegt im S. von B. das Fort Rosemont auf der gleichnamigen Höhe, zwischen ihm und der Stadt das Fort Chaudanne; westlich vor der Vorstadt Battent Fort Charmont, das die Eisenbahn nach Châlons-sur-Saône bestreicht; östlich,, am rechten Ufer auf einem hohen Rücken, das Fort Brégille mit der Batterie Beauregard. Nordwestlich von B., nach dem Thal des Oignon zu, liegen zunächst die Forts Monts-Boucons (auf der gleichnamigen Höhe) und Justice (vorwärts des Dorfes St. Claude); nach N. zu Fort Chatillon (11 km von B. entfernt) und Fort Chailluz (nördlich von dem gleichnamigen Walde); diese Forts beherrschen das Thal des Oignon vollständig.

Geschichtliches. B., das alte Vesontio oder Visontium, war schon zu Cäsars Zeiten, der es 58 v. Chr. besetzte, ein ansehnlicher Ort mit einer Bergfeste. Es wurde dann bedeutender röm. Waffenplatz, in der spätröm. Kaiserzeit Hauptstadt der Provinz Maxima Sequanorum, kam im 5. Jahrh. an die Burgunder, 1032 mit der Franche-Comté an das Deutsche Reich und ward durch Kaiser Friedrich I., der hier 1162, 1167, 1178 Reichstage hielt, Freie Reichsstadt (deutsch: Bisanz). Granvella, der hier geborene Minister Philipps II., wurde 1584 Erzbischof von B. und als solcher deutscher Reichsfürst.