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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bethlehemiten - Bethlen Gábor

laufen. Unter der Kreuzung, dem Chore, befindet sich die Geburtsgrotte Christi, zu der man auf mehrern Treppen hinabsteigen kann. Sie ist von 32 Lampen erhellt, mit Marmor, Teppichen und Gemälden überreich ausgeschmückt. Die Geburtsstätte ist durch einen silbernen Stern auf dem Boden einer Nische bezeichnet. Nach W. stoßen verschiedene Felsengemächer an, darunter das Grab und die Kapelle des heil. Hieronymus; nach S. und N. sind Klöster der Armenier, Griechen und Lateiner an die Kirche angebaut. B. (Bet Lahm) liegt 10 km südlich von Jerusalem, mit dem es jetzt durch eine Fahrstraße verbunden ist, hat 5000 meist christl. E., die sich von Acker- und Weinbau, von Viehzucht und durch Schnitzarbeiten (Steine und Perlmutter) ernähren. Eine alte Wasserleitung von den sog. Salomonischen Teichen nach Jerusalem giebt von ihrem Inhalt auch an B. ab. (S. Stätten, heilige.)

Bethlehemiten, mehrfach Bezeichnung der Hussiten (s. d.), nach der Bethlehemskirche in Prag, in der Huß predigte. - Ferner ist B. der Name zweier Orden. Der eine war ein Ritterorden zur Bekämpfung der Ungläubigen, gestiftet durch Pius II. 18. Jan. 1459 und zu Ehren der Maria Religio militans ac hospitalis Mariae Bethlehemitanae genannt. Er hatte seinen Hauptsitz auf der Insel Lemnos, ging aber bald wieder unter. - Bekannter ist der durch Peter von Bethencourt um 1659 gestiftete amerik. Schul- und Hospitalorden Fratres Bethlemitae. Innocenz XI. erhob 1687 die B. zu einem Orden und gab ihm die Regel des heil. Augustin. Clemens XI. erteilte ihnen 1707 die Privilegien der Bettelorden. Die Tracht der B. war die der Kapuziner, nur trugen sie Hüte, den Rosenkranz um den Hals, auf der rechten Seite des kurzen Mantels einen Schild, auf welchem die Krippe von Bethlehem gemalt war. Außer den drei gewöhnlichen Gelübden hatten sie noch das der Gastfreiheit und verpflichteten sich zur unbedingten Krankenpflege. 1668 kam auch noch ein weiblicher Zweig hinzu. Die B. verbreiteten sich in Peru und Mexiko und errichteten zahlreiche Spitäler und Schulen, die aber 1820 säkularisiert wurden, worauf der Orden einging.

Bethlehemitischer Kindermord, die nach Matth. 2,16 fg. auf Befehl Herodes' d. Gr. vollzogene Ermordung aller Knaben unter zwei Jahren in und um Bethlehem. Die kath. Kirche feiert diese Kinder als "Unschuldige Kindlein" am 28. Dez.

Bethlehemitischer Orden, s. Kreuzherren.

Bethlem, s. Bedlam.

Bethlen, Klein-Gemeinde im ungar. Komitat Szolnok-Doboka in Siebenbürgen, am Großen Szamos, in gebirgiger Lage an der Linie Klausenburg-Deés-Bistritz der Szamosthaler Eisenbahn, hat (1890) 2272 E., Magyaren und Rumänen, reform. und griech.-kath. Kirche, Post, Telegraph, Spiritus- und Essigfabriken. Die Grafen B. haben hier drei Schlösser, darunter ihr Stammschloß, schöne Parks, große Familiensammlungen und ein Gestüt.

Bethlen, Andreas, Graf, ungar. Staatsmann, geb. 1850 in Klausenburg, aus einer der vornehmsten protestantischen siebenbürg. Adelsfamilien, studierte in Budapest und machte Reisen nach Deutschland, Belgien und England. 1875 wurde er zum Abgeordneten gewählt, 1882 zum Obergespan des Kronstädter Komitats, 1886 zum provisorischen Obergespan des Hermannstädter Komitats und zum Comes der Sachsen ernannt, deren Versöhnung mit dem ungar. Staat er sich besonders angelegen sein ließ. 1890 trat er als Ackerbauminister in das Kabinett Szapáry ein und sorgte besonders für Flußregulierung, Hebung der Viehzucht und Verbesserung der Veterinärpolizei. Einen wichtigen Erfolg für den ungar. Export erreichte er durch die 1892 mit Deutschland abgeschlossene Viehseuchenkonvention. Er behielt sein Portefeuille auch unter Wekerle, trat aber 1. Juni 1894 zurück.

Bethlen Gabor (d. i. Gabriel Bethlen), der berühmteste Sproß eines altungar., in Ungarn und Siebenbürgen reich begüterten Geschlechts, geb. 1580. Er warf sich nach wechselvollen Kämpfen 1613 gegen seinen frühern Parteigenossen, den Fürsten Gabriel Báthory, mit türk. Hilfe zum Beherrscher Siebenbürgens auf. Es gelang ihm zunächst, die Türken aus dem Lande zu bringen und mit Österreich ein leidliches Verhältnis anzubahnen. Als aber nach dem Tode des Kaisers Matthias Böhmen Ferdinand II. den Gehorsam aufsagte, gesellte sich B. G. den Feinden Habsburgs zu. Im Aug. 1619 brach er, von den Türken begünstigt, in Ungarn ein, eroberte weite Striche des Landes und neben andern Plätzen 20. Okt. das feste Preßburg mit der Stephanskrone, bedrohte Wien und ließ seine Wahl zum König Ungarns durch dessen Stände 27. Aug. 1620 zu. Die Niederlage der Böhmen am Weißen Berge bei Prag (8. Nov. 1620) wirkte jedoch lähmend auf seine Thätigkeit; er schloß 31. Dez. 1621 den Frieden zu Nikolsburg, der ihm gegen Verzicht auf Ungarn und den königl. Titel sieben oberungar. Gespanschaften nebst Kaschau, Tokay und Munkacs, ferner die Herzogtümer Oppeln und Ratibor brachte. Doch schon im Herbst 1622 eröffnete B. G. wieder den Krieg, ward jedoch durch die Siege der Kaiserlichen im Reich zum Wiener Frieden bewogen (8. Mai 1624), in dem er zwar auf die schles. Herzogtümer verzichtete, dafür aber das nahe gelegene Ecsed erhielt. 1626 ward er als Gemahl Katharinas von Brandenburg (seine erste Gemahlin war 1622 kinderlos gestorben) noch einmal in den Mittelpunkt einer großen prot. Koalition gestellt, in der England, Dänemark, Holland und die deutschen Protestanten sich mit ihm zu einem allseitigen Angriff auf die habsburg. Mächte anschickten. Die Niederlagen Christians von Dänemark bei Lutter am Barenberge und Mansfelds an der Dessauer Brücke gegen Tilly und Wallenstein durchkreuzten auch diesen Plan und bewogen B. G. zum Frieden von Leutschau (Dez. 1626), der jene beiden ersten bestätigte. Schon war er in die neue große Angriffsbewegung gegen Habsburg eingeweiht, die von seinem Schwager Gustav Adolf ausgehen sollte, als ihn eine Krankheit hinwegraffte (5. Nov. 1629). Seinem Fürstentum ist B. G. trotz der unaufhörlichen Kriege durch seine auf die Entwicklung der natürlichen Hilfsquellen und des geistigen Lebens gerichtete Verwaltung zum Segen gewesen. An seiner Universität in Weißenburg wirkten namhafte deutsche Lehrer, unter andern eine Zeit lang Martin Opitz.

Demselben Geschlechte gehören an: Johann Bethlen, Kanzler von Siebenbürgen, geb. 1613, gest. 1678, bekannt durch sein Geschichtswerk "Rerum transsylvanicarum libri IV" (Amsterd. 1664; Klausenb. 1789), das die Geschichte Siebenbürgens von 1629 bis 1663 enthält. Der Verfasser ließ die Fortsetzung dieses Werkes bis 1673 in der Handschrift zurück, die von Horányi (2 Bde., Wien 1782, 1783) herausgegeben wurde. - Wolfgang Bethlen, ebenfalls siebenbürg. Kanzler, gest. 1679 im