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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Betula - Beugung (des Lichts)

rote, flügellose Wanze, die in Bettstellen, altem Holzwerk, unter Tapeten u. s. w. lebt und von hier aus den Menschen nachts überfällt, um Blut zu saugen. Sie soll aus Ostindien stammen, war aber schon im Altertum in Südeuropa bekannt und ist jetzt fast über die ganze Erde verbreitet. Da sie sehr fruchtbar ist, langandauernden Hunger und deftige Kälte gut übersteht und in jeder Spalte einen Zufluchtsort findet, in dem ihr schwer beizukommen ist, kann sie nicht leicht ausgerottet werden. Wo nicht altes Holzwerk jeden Versuch der Vernichtung unmöglich macht, ist Reinlichkeit, insbesondere häufiges Waschen mit heißem Wasser, starkes und wiederholtes Streichen mit Petroleum sowie das sorgsame Aufspüren und Vertilgen der Brut das beste Mittel, sich ihrer zu entledigen. Die vielen Mittel, die man zur Vertilgung der B. empfiehlt, bewähren sich gewöhnlich nicht, wenn sie nicht giftige Substanzen enthalten, während die wirksamen Giftmittel, wie z. B. Quecksilber- und Arsenikpräparate, auch für Menschen gefährlich, also nur mit äußerster Vorsicht anzuwenden sind.

Betula, s. Birke.

Betulaceen, Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Amentaceen (s. d.) mit gegen 40 Arten, fast sämtlich in der nördlich gemäßigten Zone. Es sind Bäume oder Sträucher mit einfachen Blättern und in Kätzchen gestellten einhäusigen Blütchen. Die weiblichen Kätzchen stehen zur Zeit der Blüte meist aufrecht; jede Blüte besteht aus einem dreilappigen Deckblatt mit drei Fruchtknoten oder aus einem fünfteiligen Deckblatt mit zwei Fruchtknoten. Bei der Fruchtreife fallen die Deckblätter mit den Früchten ab oder verholzen und bleiben an der Spindel. Den B., gewöhnlich zu den Cupuliferen (s. d.) gerechnet, fehlt die für diese charakteristische Cupula.

Betulejus, Xystus, s. Birck, Sixt.

Betulin, Birkenkampfer, ein indifferenter Bestandteil der weißen Birkenrinde und des aus dieser gewonnenen Birkenteers (s. d.); krystallisiert in büschelförmig gruppierten Nadeln und hat die Formel C36H60O3.

Betulius, s. Birken, Siegmund von.

Betuwe, holländ. Landschaft, s. Geldern.

Betwoche, s. Betfahrtswoche.

Betzenstein, Stadt im Bezirksamt Pegnitz des bayr. Reg.-Bez. Oberfranken, 14 km südwestlich von Pegnitz, hat (1890) 674 E., Postexpedition, Telegraph, evang. Pfarrkirche, Schloß; Hopfenbau. Nahebei die Ruine Stierberg, weiter entfernt Ruine Leyenfels und Wildenfels.

Beud., bei naturwissenschaftlichen Bezeichnungen Abkürzung für François Sulpice Beudant (s. d.).

Beudant (spr. bödáng), François Sulpice, franz. Mineralog und Physiker, geb. 5. Sept. 1787 zu Paris, besuchte die Polytechnische und Normalschule, wurde 1811 Professor der Mathematik am Lyceum zu Avignon, 1813 Professor der Physik zu Marseille, 1815 Unterdirektor der Mineraliensammlung Ludwigs XVIII. zu Paris, wo er einige Jahre darauf die Professur der Mineralogie an der Universität erhielt und 1824 zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften erwählt ward. Seit 1840 Generalinspektor der Universität, starb er 9. Dez. 1850. Sein Hauptwerk ist der "Essai d'un cours élementaire et général des sciences physiques" (Par. 1828), der in den "Traité élementaire de physique" (6. Aufl., ebd. 1838; deutsch Lpz. 1830) und "Traité élementaire de minéralogie" (2. Aufl., Par. 1830; deutsch Lpz. 1826) zerfällt, von denen namentlich der letztere großes Aufsehen erregte. Viel Wichtiges enthielt auch seine "Voyage minéralogique et géologique en Hongrie, pendant l'année 1818" (4 Bde., Par. 1822; deutsch im Auszug, 1 Bd., Lpz. 1825). Als selbständiger Forscher bewährte sich B. früher schon in seinen Untersuchungen über das Verhältnis zwischen chem. Zusammensetzung und Krystallisation, über die Möglichkeit des Fortlebens der Meeresmollusken in süßem Wasser sowie über das specifische Gewicht der Mineralien und die chem. Analysen der Mineralkörper.

Beugemuskeln, s. Flexoren.

Beugung (grammatisch), s. Flexion.

Beugung, Diffraktion oder Inflexion des Lichts, eine mit Interferenz (s. d.) verbundene Ablenkung des Lichts aus der geraden Fortpflanzungsrichtung. Sie wird beobachtet, wenn Licht durch schmale Spalten in schattengebenden Körpern hindurchgeht und in einiger Entfernung von einem Schirme aufgefangen wird. Man beobachtet dann, daß die Schattengrenze der Kante oder des Spaltbildes nicht scharf, sondern verwaschen und außerdem mit Streifen durchzogen ist. Es dringt also Licht in den Schattenraum, das Licht wird, wie man sagt, gebeugt. Diese Erscheinung wurde zuerst von Grimaldi 1665 beobachtet und später von Fresnel, der sie auf Interferenz zurückführte, und Fraunhofer genauer studiert.

Um einen einfachen Fall der B. zu erörtern, betrachten wir eine schmale, vertikale Spalte von der Breite b (Fig. 1), die durch eine ferne, kleine Lichtquelle senkrecht zu ihrer Ebene bestrahlt wird. Alle Punkte der Spalte wirken dann wie selbstleuchtend und gleichzeitig schwingend.

^[Fig. 1]

Auf einem sehr fernen Schirm von der Entfernung d treffen in der Symmetrieebene der Spalte diese Lichter ohne merklichen Wegunterschied zusammen und verstärken sich. Rücken wir auf dem Schirm um a nach links, bis der rechte Randstrahl einen um eine Wellenlänge λ größern Weg zurückzulegen hat als der linke Randstrahl, so hebt die linke Bündelhälfte die Wirkung der rechten auf; wir gelangen zu einer dunkeln Stelle. Hierbei ist, wie aus der Fig. 1 ersichtlich, sehr nahe

λ/b = a/d oder λ = b·a/d.

Setzen wir b = 1 mm, d = 10 m, beleuchten die Spalte durch ein tiefrotes Glas, so wird a = 7 mm. Demnach ist für rotes Licht die Wellenlänge

λ = 1 mm·7 mm/10000 mm = 0.0007 mm

Bei Fortsetzung der vorigen Erörterung findet man, daß auf dem Schirm ein mittlerer vertikaler roter Streif von etwa 14 mm Breite auftritt, dem sich beiderseits eine Reihe von etwa 7 mm breiten roten Streifen von abnehmender Helligkeit anschließen, die voneinander durch dunkle Streifen getrennt sind. Geht man von roter zu gelber, grüner, blauer, violetter Beleuchtung über, so zieht sich das ganze Beugungsbild zusammen, und die Streifen sind im letztern Falle ungefähr nur halb so breit als bei roter Beleuchtung. Bei weißer Beleuchtung er-[folgende Seite]