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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Beweisantrag - Bewußtlosigkeit

(Demonstrieren) ad hominem, d. h. die Gewinnung des Resultats aus Vordersätzen, die derjenige, dem man den Satz beweisen will, anerkennt, deren sachliche Prüfung aber unterbleibt. - Über den B. in der Mathematik s. Lehrsatz.

Beweisantrag, Beweisaufnahme, Beweisbeschluß, s. Beweis (juristisch).

Beweiseinreden, im Civilprozeß Einwendungen, die gegen die Zulässigkeit oder Glaubwürdigkeit von gegnerischen Beweismitteln erhoben werden.

Beweislast. Wird der Anspruch des Klägers vom Beklagten bestritten, so muß jener die Thatsachen beweisen, aus welchen er den Anspruch ableitet. Er hat, wenn er eine vom Beklagten besessene Sache als sein Eigentum beansprucht, zu beweisen, daß und wie er das Eigentum erworben habe. Umgekehrt, behauptet der Beklagte, daß der Kläger sein Eigentum aufgegeben oder wieder verloren habe, so hat das der Beklagte zu beweisen. Das ist die B. Ihre gesetzliche Regelung beruht auf einer verständigen Beurteilung menschlicher Verhältnisse. Es wird durchgängig davon ausgegangen, daß für die Regel auch das Regelmäßige und Verständige, der gewöhnliche Lauf der Dinge anzunehmen sei. Ausnahmen sind zu beweisen. Haben Leute in den gewöhnlichen Formen einen Vertrag geschlossen, so ist anzunehmen, daß sie ernstlich und daß sie das beabsichtigt haben, was aus dem Inhalt ihrer Verabredung hervorgeht. Wer behauptet, es liege eine Simulation vor, oder er habe nur im Scherz versprochen, muß Scherz und Simulation beweisen u. dgl. Daneben stellt das Recht gewisse positive Vermutungen (Präsumtionen) auf, z. B. daß ein innerhalb der gesetzlichen Zeit nach Eingehung der Ehe oder nach deren Auflösung von der Ehefrau geborenes Kind als eheliches, von dem Ehemann der Ehefrau als Vater erzeugtes Kind anzusehen sei. - Im Strafprozeß sollen zwar die Anklagebehörde und der Richter bemüht sein, auch die auf die Entlastung des Angeschuldigten sich beziehenden Thatsachen zu ermitteln. Damit wird aber das thatsächliche Verhältnis nicht aus der Welt geschafft, daß derjenige sich mit dem besten Erfolge um den Nachweis seiner Unschuld bemüht, welcher daran das meiste Interesse hat, das ist der Angeschuldigte selbst.

Beweismittel, Beweisurteil, Beweisverbindung, Beweiswürdigung, s. Beweis (juristisch).

Beweis zum ewigen Gedächtnis, s. Sicherung des Beweises.

Bewer, Clemens, Maler, geb. 30. Mai 1820 in Aachen, widmete sich in Düsseldorf unter Sohn der Malerei, ging dann nach Antwerpen und Paris, wo er die Flucht der Maria Stuart (1846) und Romeo und Julia (1844), eins seiner besten Werke, vollendete. Nach Düsseldorf zurückgekehrt, schuf er die großen Gemälde: Tasso sein "Befreites Jerusalem" am Hofe von Ferrara vorlesend (1850), und Der Sängerkrieg auf der Wartburg (1851), die nach Amerika verkauft wurden. Das 1870 gemalte Bild: Judith mit dem Haupte des Holofernes, befindet sich im Städtischen Museum zu Köln, Die Enthauptung des Johannes in der Städtischen Gemäldesammlung zu Düsseldorf. Später wandte sich B. vorzugsweise der Porträtmalerei zu und erzielte großen Erfolg. Er starb 2. Sept. 1884 in Bonn.

Bewetterung, s. Bergbau (S. 762a).

Bewick (spr. bjuick), Thomas, der Wiedererwecker der engl. Holzschneidekunst, geb. 12. Aug. 1753 zu Cherryburn, gest. 8. Nov. 1828 zu Newcastle, war im Kupferstich Schüler von Beilby, im Formschneiden Autodidakt. In letzterer Kunst gewann er zuerst 1775 mit einem in Holz geschnittenen Jäger und seinem alten Jagdhunde einen Preis. B. blieb nun bei der Holzschneidekunst und lieferte eine Naturgeschichte der vierfüßigen Tiere, die nach eigenen trefflichen Zeichnungen 1790 zu Newcastle erschien. Vorzüglich wie diese ist B.s Naturgeschichte der brit. Vögel (2 Bde., Lond. 1791-1804 u. o.). Er lieferte außerdem Vignetten zu engl. Klassikern und manches treffliche Einzelblatt aus dem Leben der Tierwelt. Seine Verbesserungen in der Technik sind die Einführung des Weißlinienstiches auf Hirnholz und die Vervollkommnung der Instrumente, die er dem Grabstichel der Kupferstecher näherte. - Vgl. Memoirs of Th. B. by himself (Lond. 1862); Thomson, Life and works of Th. B. (ebd. 1882); Dobson, Th. B. and his pupils (ebd. 1874).

Bewölkung, die Bedeckung des Himmels mit Trübungen. Gewöhnlich sind diese Trübungen Wolken (s. d.), sehr häufig werden sie aber auch durch Massen von Staub (s. d.) hervorgebracht. Für das Klima eines Ortes spielt die B. eine wesentliche Rolle, da von ihr fast alle andern klimatischen Erscheinungen abhängen. Die B. steht in innigem Zusammenhang mit dem Niederschlag. Zeiten mit häufigen Niederschlagen werden auch diejenigen starker B. sein, während die trocknen Wetterperioden im allgemeinen auch mit heiterm Himmel verbunden sind. Der Grad der B. wird gewöhnlich in Zahlen von 0 bis 4 oder noch genauer von 0 bis 10 angegeben. Man hat in den meisten Gegenden eine tägliche und jährliche Periode der B. feststellen können. Am genauesten ist diese Erscheinung in Europa untersucht. Danach haben die Niederungen und mittlern Höhen Mitteleuropas die größte B. im Herbst und Winter; das Maximum fällt im Westen mehr auf den Herbst, im Osten mehr auf den Winter. Im Hochgebirge zeigt hiervon abweichend sich die größte B. zur warmen Jahreszeit. Bezüglich der täglichen Periode hat man in Wien gefunden, daß die geringste B. auf die letzten Stunden vor Mitternacht fällt. Maxima der B. zeigen sich im Frühling und Sommer in den ersten Stunden nachmittags, während der andern Jahreszeiten aber vormittags. Eine umfassende Zusammenstellung der Monats- und Jahresmittel der B. findet man in den Annalen des Meteorolog. Centralbureaus in Paris (1884, IV: "Metéorologie générale"). Daselbst sind auch sehr instruktive Karten vorhanden, welche klare Bilder über die mittlere Stärke der Wolkendecke in den Monaten und im Jahre über der ganzen Erde geben. Es ist schwer, die Aussage dieser Karten kurz darzustellen. Erwähnt möge nur werden, daß Europa unter allen Kontinenten die stärkste B. aufzuweisen hat. Es wird dies hauptsächlich durch die Nachbarschaft des Atlantischen Oceans bedingt, der sich ebenfalls durch besonders stark bewölkten Himmel auszeichnet. Im allgemeinen besteht zwischen der B. und der Verteilung des Luftdrucks, wie derselbe aus synoptischen Wetterkarten (s. Meteorologische Kartenwerke) ersichtlich ist, ein entschiedener Zusammenhang. Die Gegenden hohen Drucks zeichnen sich durch geringe B. aus, während Gebiete niedern Drucks meist stark bewölkt sind. (S. Himmelsbedeckung, Isonephen, Wolken, Wolkenspiegel, Wolkenzug.)

Bewurf, s. Abputz.

Bewußtlosigkeit, die Aufhebung des Selbstbewußtseins, jener höchst entwickelten Form des Be-^[folgende Seite]